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HörbuchChallenge März: Schweizer Autoren sind einfach teuflisch gut

Rezension zu „Der Teufel von Mailand“ von Martin Suter aus dem Diogenes Verlag, heruntergeladen bei Audible.de.

Teufel.jpgIn den vergangenen Monaten habe ich Bücher bzw. Hörbücher von vier Schweizer Autorinnen und Autoren in die Hand genommen. Alle vier waren völlig unterschiedlich und auf ihre Weise fantastisch. Langsam glaube ich, dass dies kein Zufall mehr sein kann. Daran, dass Schweizerinnen und Schweizer grundsätzlich geniale Schreiber sind, zweifele ich allerdings – zu oft habe ich mich schon mit den Texten meiner Mitstudierenden herum gequält 🙂 Was die Texte für mich besonders reizvoll macht, ist vielleicht, dass ich selbst noch einen Entdeckerblick habe, was die Schweiz angeht – und es von Herzen schätze, wenn jemand meine eigenen oder ähnliche Beobachtungen in schöne Worte packt.

HBCBadge_durchsichtigkleinMartin Suter ist der bekannteste Schweizer Autor, den ich nun für mich entdeckt habe – und natürlich ist er alles andere als ein Geheimtipp. (Noch recht unbekannt sind dafür Patrick Tschan und Thomas Meyer – lesen!!) An diesem Buch muss man einfach lieben, wie die Protagonistin ihre Sinne verwendet: Sie riecht und  fühlt Farben, gibt Zahlen ebenfalls Farben und verbindet sie mit Gefühlen und entdeckt sogar neue Farben und Empfindungen, für die es noch keinen Namen gibt. Was ich zunächst für eine geniale Idee des Autors gehalten habe, ist offenbar ein psychologisches Phänomen, eine Kopplung der Sinne und heißt Synästhesie. Schon für diese neue Erkenntnis schätze ich das Buch. Außerdem bringt es haargenaue und wunderschöne Beschreibungen von Massagen mit und natürlich, nicht zuletzt, eine spannende Geschichte.

Sprache und Geschichte fesseln – mehr kann man sich nicht wünschen.

Vier von fünf Sternen

Ein Stern fehlt aber dennoch zur Perfektion, weil ich auch diesmal den Klang des Hörbuchs als etwas „blechern“ empfunden habe und das Gefühl hatte, dass zum Schluss der Geschichte zwei kleine Rätsel ungelöst blieben. Dennoch: absolute Hörempfehlung für den Teufel von Mailand.

Diese Rezension entstand für den Monat März im Rahmen der Hörbuchchallenge.

Grenzgänger-Geschichten: Vorurteil über eure Vorurteile

Als Grenzgängerin hat man es manchmal nicht leicht. So sehr man sich auch bemüht, angepasst und unsichtbar zu sein als Deutsche in der Schweiz – manchmal geht das einfach nicht. Zum Beispiel wenn man mit einem deutschen Kennzeichen zum Schweizer Arbeits- oder Studienort fährt. Irgendwo muss das Auto schließlich auch abgestellt werden, und natürlich möchten wir, genau so wie auch unsereSchweizer Kollegen auch, einen der raren weißen Parkplätze haben. Denn nur auf diesen darf man unbegrenzt und kostenlos stehen bleiben. Den Schweizerinnen und Schweizern liefern wir damit einen Grund mehr die Deutschen zu hassen: „Sie nehmen uns die Parkplätze weg!“ Ihr glaubt nicht, welch böse Blicke ich schon aus Fenstern und von Fußgängern erntete, wenn ich mein Auto nach langer Suche auf einem solchen Parkplatz im Wohngebiet abstellte.

Als ich diese Woche auf einem dieser begehrten Parkplätze stand und mich abends möglichst unauffällig zu meinem Auto schlich, passierte das, was früher oder später unvermeidlich war: Es sprang nicht mehr an. Die Ursache war schnell gefunden: Ich hatte das Licht nicht ausgeschalten und die Batterie war leer. Dummerweise stand ich am Ende einer abgelegenen Sackgasse – ich konnte also nicht darauf hoffen, dass jemand vorbeifahren würde, den ich um Hilfe bitten könnte. Panisch rief ich den Mann an.

„Ich steh im Nirgendwo! Was soll ich denn machen? Ich kann doch nicht bei Leuten klingeln und sie bitten, ihr Auto zu holen und zu überbrücken. Die hassen mich doch eh schon alle.“

Der Mann widersprach nicht und wir heckten gemeinsam einen Plan aus, der gleich mehrere Phasen und viele, viele Kilometer beinhaltete:

  • Er würde mit der Bahn zu seiner Mutter fahren, um ihr Auto auszuleihen.
  • Er würde zu mir fahren, um zu überbrücken.
  • Wir würden mit zwei Autos zu seiner Mutter fahren, um das Auto abzugeben.
  • Wir würden zu uns nach Hause fahren.

Klingt kompliziert? Ist es auch. Und dennoch schien es so viel einfacher und angenehmer als irgendwo zu klingeln. Doch kaum war der Plan geschmiedet, fuhr ein Auto am mir vorbei und stellte sich direkt vor mich. Ich würgte den Mann ab und hoffte das Beste. Ich wurde zur kleinsten Person der Welt, als ich neben dem Auto stand und darauf wartete, dass jemand ausstieg. In meine Bitte flochte ich viele Entschuldigungen ein und noch mehr „eventuell“, „vielleicht“ und „das wäre wirklich freundlich von Ihnen“. So wie ich es in der Schweiz gelernt hatte. Er grinste nur und meinte „Keine Frage.“

Schließlich stellte der junge Mann auch noch sein Überbrückungskabel zur Verfügung, weil ich an meines nicht heran kam (der Kofferraum öffnet sich nur mit Zentralverriegelung und die geht nicht ohne Batterie – großartige Konstruktion). Den Rest machte er im Grunde auch alleine – trotz seines schicken Anzugs, war er es, der im Motorraum herum spielte – ich wirkte schlicht zu unsicher mit den Polen und Kabeln.  Seine Hilfsbereitschaft schien absolut natürlich und obwohl er natürlich ins Hochdeutsche rutschte und mein Nummernschild sah, hatte ich keine Sekunde das Gefühl, dass es ihn stören könnte, dass ich vor seinem Haus einen weißen Parkplatz besetze.

Ich schämte mich plötzlich sehr. Ich hatte Vorurteile gehabt. Vorurteile, dass er Vorurteile haben würde. Ich hatte jeden Schweizer und jede Schweizerin in den Topf „hasst wahrscheinlich Deutsche“ geworfen, nur weil ich einige solche Erfahrungen gemacht habe. Wie schön, dass der Überbrücker mein Bild wieder etwas gerader rücken konnte.

Liebeserklärung an die Schweiz

Ein Tag auf Brienzer und Thuner See und ich bin wieder völlig verliebt in die Schweiz. Wer über das gletscherblaue Wasser zwischen den Bergen schwebt, sieht locker darüber hinweg, dass er/sie hier immer wieder auf Deutschen-feindliche Sprüche trifft. Aber seht selbst. Aufs Bild klicken und zum Album kommen…

Der Neubeginn

Mal ehrlich: Wer am 2. Januar SO die Sonne aufgehen sieht, kann doch einfach nur glauben, dass 2012 alles besser wird!

Mit mir ist etwas passiert. Ich habe wieder Mut gefasst. Ich lasse mir helfen, wo ich Hilfe brauche. Ich sortiere mein Leben, als gebe es daür Ordentlichkeitspreise. Ich spreche mit Menschen, mit denen ich längst hätte sprechen sollen, um einiges aus der Welt zu schaffen, aber der Ärger auf sie hatte mich gelähmt. Jetzt spüre ich: Ärger loszulassen tut gut. Ja, wenn man ihn nur auspricht, bemerkt man sogar, dass er oft unbegründet war. Ich ernähre mich gesünder, ich mache Sport, ich schlafe gut.

Hoffentlich hält dieser Neujahrs-Elan auch an…