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Lernpanik! Wenn der eigene Ehrgeiz ein Bein stellt…

Kann mir irgendwer erklären, wie es soweit kommen konnte, dass wir nun schon den 17. November haben? Heute in drei Wochen schreibe ich die erste Prüfung, ich lerne schon seit acht Wochen und ich habe das Gefühl am Anfang zu stehen!!

Ich dachte immer, so etwas kann nur passieren, wenn man prokrastiniert. Wenn man das Lernen vor sich hinschiebt. Aber das Gegenteil ist der Fall! Wenn man zu früh anfängt, hat man die Zeit sich in Details zu verlieren und noch ehrgeiziger zu werden.

Ich habe meiner Professorin Nummer drei die Literaturliste geschickt mit dem Hinweis, dass ich gerne zeigen möchte, wie in der Blogosphäre ein neues System im Luhmannschen Sinne entsteht und auf die Systeme Medien und Wissenschaft wirkt (siehe vorheriger Eintrag). Als sie mir zur Vorsicht riet, legte ich ihr in etwa das dar, was ich euch auch schon erzählt habe. Ihr Kommentar: „Auch wenn das sehr interesannt klingt, liebe Frau Laune, würde ich Ihnen abraten. Das ist frühestens (!) eine Überlegung für die Masterarbeit – nicht für einen Bachelorprüfungsessay. Keep it simple!“

Jetzt stehe ich hier vor einem Wust von Material. Denn in den anderen zwei Prüfungsfächern habe ich ja ähnlich in die Tiefe gearbeitet… Und ich weiß, dass meine Professorin Recht hat! Ich habe einmal vier und zweimal zwei Stunden Zeit zu schreiben (von Hand). Da muss meine Argumentation zwar einerseits zeigen, dass ich viel weiß und gelesen habe, darf aber andererseits doch nur an der Oberfläche bleiben, weil sonst die Zeit schlicht nicht reicht.

Wie das gehen soll? Keine Ahnung. Mich lähmt gerade die Panik, dass ich sehr viel, aber doch absolut nichts Brauchbares für die Prüfung in der Hand habe. Und gleichzeitig bin ich auch schon so erschöpft…

 

Lern-Notizblock: Sind Weblogs Marktplätze auf denen wir mit Wissenschaftlern etwas aushandeln?

Wissenschaft und Medien als Black Boxes – nachgestellt in meiner Küche

Voilà, darf ich vorstellen? Mein noch fehlendes Prüfungsthema steht fest. Die große Überschrift wäre  wohl „das Verhältnis von Wissenschaft und Medien“. Genauer gesagt  geht es mir darum, die Schwierigkeit in der Zusammenarbeit dieser unterschiedlichen Funktionssysteme (erklär ich alles noch – Systemtheorie nach Luhmann und so) aufzuzeigen, und die Frage zu beantworten, wie Kommunikationsformen des Web 2.0. diesen Konflikt verändern. Lösen sie ihn auf? Verstärken Sie ihn vielleicht noch? Meine Arbeitsthese lautet, dass das Web 2.0. momentan irgendwie beides macht. Dabei werde ich mich auf Wissenschaftsblogs konzentrieren.

Aber fangen wir am Anfang an, nämlich bei der Frage…

Warum müssen WissenschaftlerInnen überhaupt in die Medien?

Wissenschaft dringt in immer mehr Lebensbereiche ein. Hat man früher noch von einer Seife vor allem erwartet, dass sie die Haut reinigt, wird man heute mit Studien versorgt, die ihre Wirksamkeit bestätigen. Hat man früher noch erwartet, dass ein Joghurt irgendwie satt macht, so will man heute aktive Darmbakterien darin finden. Und zwar mindestens rechtsdrehend. Wir schweben in einem seltsamen Zustand zwischen großer Wissenschaftsgläubigkeit und Zweifel an der Wissenschaft. Denn die Überzeugung, dass die Wissenschaft unfehlbar ist, haben wir verloren. Und wir möchten auch immer mehr mitdiskutieren, wenn die Wissenschaft so viele unserer Lebensbereiche berührt. In Sachen Embryonenforschung und Gentechnik legt die Bevölkerung ein Veto ein, gegen die  Verwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse – aus Angst vor möglichen Folgen. Hatte Wissenschaft einmal den gesellschaftlichen Auftrag den Fortschritt zum Wohle aller und mit den Mitteln aller (durch öffentliche Finanzierung) den voranzutreiben, so müssen WissenschaftlerInnen heute ihre Arbeit immer mehr legitimatisieren.

Wie sieht eine mögliche Zusammenarbeit mit den Medien aus?

Kommunikationswissenschaftler Urs Dahinden stellt drei wunderbar bildhafte Modelle vor, wie Wissenschaftskommunikation aussehen kann. Die Blackbox im Elfenbeinturm, das Glashaus und den Marktplatz. Die Namen sagen es schon: Beim ersten Modell wird kaum nach Aussen kommuniziert – dies ist auch nicht nötig aufgrund des großen Vertrauens. Das System Wissenschaft ist abgeschlossen und funktioniert nach seiner eigenen Logik – so bleibt beispielsweise viel Zeit für aufwändige Peer-Review-Verfahren (Gegenchecken von Kollegen, wieder und wieder testen), bevor Ergebnisse an die Öffentlichkeit gelangen. Dieses Modell der Black-Box gerät in die Krise, wenn Ergebnisse keine Akzeptanz finden oder die Wissenschaft ihren gesellschaftlichen Auftrag nicht mehr erfüllt, weil sie beispielsweise im Interesse von Unternehmen und nicht mehr für die Allgemeinheit forscht. Das passiert, wenn Forschungsgelder aus der Privatwirtschaft kommen. Mit dem Rechtfertigungsdruck, öffnet sich die Wissenschaft für mehr Transparenz – sie sitzt im Glashaus. Durch gezielte Information wird versucht, die Akzeptanz zu gewinnen und das Informationsdefizit der BürgerInnen auszugleichen. In diesem Modell gewinnen PR-Arbeit und Kommunikation mit den Medien an Bedeutung. Allerdings kann man von aussen nur „hineinschauen“ in das System – noch nicht mitentscheiden oder mitagieren. Beim Marktplatz ist das anders. Dort wird mitgeredet und gemeinsam ausgehandelt – so soll es zu einer demokratisch legitimierten und ökonomisch sinnvollen Wissenschaft kommen. Allerdings verlangt dies beiden Seiten auch sehr viel ab: nämlich Wissen und Kommunikationsvermögen.

Wo stehen wir heute?

Urs Dahinden meint, dass der Elfenbeinturm an Bedeutung verliert und hält für wahrscheinlich, dass Glashaus und Marktplatz parallel existieren werden. In diesem Blogbeitrag über Wissenschaftskommunikation im Web 2.0. spricht Jan Schirmund von der Blackbox mit Gucklöchern. Über (beispielsweise) Blogs bekomme die Öffentlichkeit nicht nur einen Einblick in die Arbeit von Wissenschaft und Medien – nämlich wenn Wissenschaftler und Journalisten bloggen. Sie könnten auch selbst, in diese Gucklöcher hineinleuchten und etwas in den Blackboxen verändern dadurch. Mit ihren Kommentaren und Ideen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das für ein passendes Bild halte. Nehmen wir nochmal die drei Modelle von Dahinden. Hinausschauen und hineinleuchten, könnte man auch in einen Glaskasten. Die Interaktion, die stattfindet und die Schirmund als etwas sehr positives sieht, weil die Wissenschaft dadurch „effizienter, transparenter und demokratischer“ werden kann, spricht eher für das Modell des Markplatzes. Ich denke Schirmund und Dahinden sprechen hier von der gleichen Art des Aushandelns.

Im Vortrag von Marc Scheloske, der Wissenschaftsbetriebe in Sachen Kommunikation berät, wird den Bloggern empfohlen tatsächlich schon Einblick in Ideen und Gedanken zu geben. Einen Einblick in ihren Schaffensprozess – und diesen auch im Dialog mit den Kommentierenden zu besprechen. Es kommt also zur Aushandlung, lange bevor es ein Ergebnis gibt, das eine Pressemittelung an die klassischen Medien wert wäre.

Allerdings glaube ich, dass diese Aushandlung überschätzt wird. Wie demokratisch ist diese Diskussion, die in den Kommentaren von Wissenschaftsblogs geführt wird? Diskutiert hier nicht nur eine sehr gut informierte Minderheit mit? Und hat diese Minderheit wirklich einen Einfluss auf Entscheidungen in der Wissenschaft?  Und können Blogs oder Microblogs nicht auch negative Effekte haben für die Wissenschaft? Sollten vielleicht manche Ergebnisse wirklich erst eine gewisse Spruchreife erreicht haben, bevor sie nach Außen gelangen?

Mit diesen Fragen beschäftige ich mich in den nächsten Tagen und werde versuchen zu zeigen, dass es einen grundlegenden Konflikt gibt zwischen Medien und der Wissenschaft gibt. Diesen kann ich bis dahin hoffentlich anschaulich mit der Systemtheorie von Luhmann erklären, ohne mich völlig in deren Details zu verlieren. Dass Web 2.0.-Instrumente diesen Konflikt ganz auflösen können, glaube ich nicht.

Ihr werdet mein Notizblock!

Das Chaos auf meinem Lernschreibtisch – in meinem Kopf sieht es nicht viel besser aus. Jetzt helft ihr mir ordnen!

Ich habe mir schon länger überlegt, ob mir dieser Blog nicht auch irgendwie beim Lernen helfen kann. Eine Art Notizblock für die Gedanken, die mich beschäftigen, die neuen Erkenntnisse, die ich gewonnen habe. Die Argumentationslinien, die ich zeichnen will. Zum einen möchte ich nicht, dass der Blog bis zu meiner Prüfung leer bleibt. Zum anderen soll es mir beim Sortieren helfen. Bisher hat mich der Gedanke abgehalten, dass das Schreiben hier ja doch auch wieder Zeit braucht. Und immerhin habe ich derzeit allen Freunden eine Absage erteilt, dass es ein Sozialleben erst wieder nach den Prüfungen geben wird.

Und dann bin ich, zufällig bei der Recherche auf einen Vortrag von Marc Scheloske gestoßen, in dem sich mehrere Wissenschaftsblogger dafür aussprechen, Blogs auch als Notizblock oder Lernplattform zu benutzen. Zum einen, weil wertvolle Kommentare kommen können, zum anderen, weil das schnelle, pointierte Formulieren hilft, zielgerichteter zu forschen und wissenschaftlich, aber dennoch spannend zu schreiben.

Dafür braucht es vor allem eines: Mut auch Fehler zu machen. Unperfekte Texte abzuliefern, unfertige Gedanken. Mir fällt dies, gerade, da ich ja auch beruflich mit Texten zu tun habe, unfassbar schwer. Ich feile an Blogeinträgen, wie an Texten, die ich meinem Arbeitgeber vorlegen würde. Dabei sollte dies doch eigentlich der Ort sein, an dem ich mich austoben darf, oder? Wo ich – sogar unter Pseudonym – endlich mal unperfekt sein darf. Was ich auf Twitter kann, nämlich  schnell und unüberlegt meine authentische Gedanken heraus zu posaunen (ihr leidet dann unter den Rechtschreibfehlern…), gelingt mir hier so ganz und gar nicht.

Nun nutze ich die Gelegenheit für ein Experiment. Weil es zeitlich begrenzt ist, habe ich mehr Mut. Mitte Dezember sind meine Prüfungen vorbei. Bis dahin gibt es regelmäßigere und skizzenhaftere Einträge. Ich hoffe, ihr habt Lust darauf, zu erfahren, womit mein Gehirn in dieser Lernzeit spielt. Und um nun wirklich gleich in die Stimmung zu kommen, lese ich noch zwei Texte und formuliere schon den  ersten Notizbucheintrag. Denn inzwischen steht auch mein letztes Thema für die Bachelorprüfung fest.

(Verrät sie das Thema nicht? Nein, verrät sie nicht – sie hofft, ihr lest dann morgen wieder rein…)