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Lebensziele und Prioritäten – woher kommt plötzlich dieser Druck?

20130119-221733.jpgKurz vor Weihnachten findet bei uns jedes Jahr ein inoffizielles Klassentreffen statt. Am selben Abend tauchen in derselben Bar dieselben Menschen auf – egal, ob sie inzwischen auf einem anderen Kontinent leben, oder stets in unserer Heimatstadt geblieben sind. Da das Abi jetzt aber doch schon (—-festhalten—) fast 12 Jahre her ist, wird die Gruppe langsam kleiner. Viele, die eine Familie mit kleinen Kindern gegründet haben, sind nicht mehr dabei. Andere suchen sich für diesen Abend extra einen Babysitter.

In den ersten Jahren nach dem Abi mochte ich diese Treffen nicht. Dieses rituelle Überbieten: ein jeder und eine jede war in der coolsten Stadt, im tollsten Studiengang und mit den besten Leuten gelandet. Vor einigen Jahren hat sich der Tonfall geändert – differenzierter oder vielleicht auch einfach ehrlicher. Zum Beispiel habe ich mich dieses Jahr auch mit solchen MitabiturientInnen unterhalten, die von der tollen Medienbranche oder dem hippen Eventmanagement inzwischen völlig die Nase voll haben. Viele wechseln jetzt – Anfang 30 noch einmal völlig die Richtung. Oder aber konzentrieren sich erst einmal auf die Familiengründung und stellen den Job hintenan.

Diese Treffen haben mich regelmäßig sehr nachdenklich gestimmt, da ich in meiner Klassenstufe ein rechter Exot war: Ich bin genau zu dem Zeitpunkt an die Uni gegangen, als alle anderen froh waren, endlich fertig zu sein. Und jetzt fühle ich mich wieder exotisch, weil viele inzwischen relativ klar wissen, was sie für die nächsten Jahre planen – wohingegen bei mir nach der Uni erneut alles offen scheint.

Und genau diese Offenheit sorgt dafür, dass ich alles auf einmal möchte. Ich möchte den Job wechseln, ich möchte ein Buch schreiben, ich möchte eine Selbständigkeit vorbereiten, ich möchte ein paar mir am Herzen liegende Themen journalistisch aufbereiten und verkaufen, ich möchte vielleicht auch eine Familien gründen, ich möchte noch viel mehr im Yoga machen, ich will einen Hund, ich möchte mehr Zeit für mich und für meine Freunde als während der Doppelbelastung von Studium und Beruf – und… ach wahrscheinlich habt ihr längt bemerkt, dass das natürlich unmöglich ist. Und Prioritäten zu setzen war einfach – so lange ich die Prüfungen fest im Blick hatte. Jetzt fällt es mir umso schwerer. Das Jahr ist erst drei Wochen alt und ich habe schon wieder fünf Jobs gleichzeitig.

Da sind die Vernunfts-Lara-Teile, die mir sagen, dass ich in meinem Alter dringendst in einer ordentlichen Festanstellung ankommen sollte, damit ich dann vielleicht auch in einigen Jahren ein Kind in die Welt setzen kann, ohne dass dadurch mein berufliches Leben völlig aus den Fugen gerät. Dieses hässliche Argument, dass ich daran denken und das einplanen sollte, wenn ich das denn noch möchte. Und dann ist da die andere Seite mit all den tollen Projekten, die zwar unsicher sind, aber mir wirklich Freude bringen. Darf ich denn wirklich nicht mehr rumdümpeln? Ist diese Zeit schon vorbei? Werde ich dann zu einem ewigen Rumdümpler? Und wäre das eigentlich schlimm? Gibt es nicht auch Erwachsene, die immer ein wenig rumdümpelig sind und trotzdem gut und vor allem zufrieden durchs Leben kommen?

Das sind so die Gedanken, die ich gerade wälze. Glücklicherweise noch ohne schlaflose Nächste, sondern zuversichtlich, dass ich die richtige Entscheidung treffen werde. Dennoch weiß ich, dass ich recht bald eine Richtung einschlagen sollte. Denn ohne klare Priorität mache ich – wie schon so oft – einfach viel zu viel auf einmal. Ich sage zu nichts, einfach gar nicht nein, bis ich erschöpfe. Wie macht ihr das denn mit den Lebensprioritäten? Wisst ihr es „einfach“, oder habt ihr tolle Mindmapping-Techniken dafür? Wann siegt die Vernunft, wann die Lust?

 

Jahresrückblick 2011

 

Liebe Leserinnen und Leser. Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein fantastisches 2012.

Ich für meinen Teil habe derzeit das Gefühl, dass es nur besser werden kann. Und Neuanfang fühlt sich gerade nach einer tollen Möglichkeit an einige Dinge enden zu lassen und andere zu ändern. Auch wenn es nur das Jahr ist das abermals neu anfängt. Hier nun für euch mein Jahresrückblick…

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Die erste Jahrehälfte war großartig – mein Auslandsemester in Australien. Mit großem Punkteabzug fürs Mann vermissen. Der Juli war der schönste Monat den ich je hatte – völlig frei und mit Mann quer durchs Outback. Seither fällt es sehr sehr schwer einen normalen Alltag wieder aufzubauen und anzukommen – trotz wunderschöner Wohnung. Was gibt man da für Punkte? 9 bis Juli, 6 danach vielleicht.

2. Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen – drei Kilo müssen auf jeden Fall wieder weg. Vielleicht auch mehr. Zumindest die Hosen müssen wieder passen.

3. Haare länger oder kürzer?
Länger – aber mit großer Lust sie wieder abzuschneiden.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Gleich geblieben – evtl. etwas kurzsichtiger – aber wer hat schon Zeit das testen zu lassen?

5. Mehr Kohle oder weniger?
Viel weniger.

6. Besseren Job oder schlechteren?
 Ich bereue unbedingt mal „was mit Medien“ gemacht haben zu wollen. Arbeitssuchend und dennoch ständig am arbeiten. Das ist der schlechteste Job, den ich je hatte.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
In Australien viel, für die Wohnung viel – jetzt Superschwabe.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen?
Wertvolle Erfahrungen, Anlaufstellen und Freunde in meinem Lieblingsland. Und ein neues Zuhause.

9. Mehr bewegt oder weniger?
In etwa gleich viel. In den vergangenen Wochen das Yoga etwas schleifen lassen – aber das wird dringend wieder geändert.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Viele! Ein neues Land bringt auch viele neue Viren mit sich.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Die schlimmsten sind die, die ich mir selbst zuzuschreiben habe, weil ich zu wenig auf mich achte.

12. Der hirnrissigste Plan?
Einmal quer durch Spanien fahren, um ein paar Kisten abzuholen. Aber wie so oft enden die hinrissigsten Pläne oft in sehr schönen Abenteuern.

13. Die gefährlichste Unternehmung?
700 Kilometer unbefestigte Straße und viele zu durchquerende Wasserläufe auf der Gibb River Road. Aber hell yeah – es lohnt sich ein Risiko einzugehen!!

14. Die teuerste Anschaffung?
Die neue Wohnung mit allem was dazu gehört.

15. Das leckerste Essen? Das ist sehr schwer. Ich esse nur noch lecker, seit ich in einer Liebeshöhle mit dem Mann wohne. Siehe auch „Zugenommen oder abgenommen“ 😉

16. Das beeindruckendste Buch?
My place von Sally Morgan – ein biographischer Roman von einer starken Aboriginal – aber Achtung: ihr braucht viele Taschentücher – sie alle haben Traurigses zu erzählen…

17. Der ergreifendste Film?
Der Verdingbub. Aber da es den nur in der Schweiz gibt: Ich mochte auch „Zeiten des Aufruhrs“ sehr.

18. Die beste CD?
Natürlich die selbstgebrannte mit Lieblingshits, die einen Monat lang im Outback hoch unter runtergedudelt ist, da es keinen Radioempfang gab.

19. Das schönste Konzert?
War erstaunlicherweise Operngesang: die Abschlussprüfung einer Studienkollegin im Operngesang in Australien.

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Dem Mann – zumindest in der zweiten Jahreshälfte. In der ersten wohl mit meinem Mitbewohner.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Dem Mann!

22. Zum ersten Mal getan?
Gästepantoffeln gekauft und sich dabei nur wenig spießig gefühlt. Eine Giftschlange so sehr geärgert, dass sie sich aufgebäumt hat und mit dem größten Fisch der Welt geschwommen.

23. Nach langer Zeit wieder getan?

Einfach nur für mich geschrieben.

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Jobverlust und Bewerbungsabsagen.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Von meinem Lieblingsland.

26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Ich glaube, das war der selbstgebastelte Kalender mit australischen Vögeln für meine Freundin, die nach Amerika zurück gegangen ist. Zumindest gab das die heftigste Reaktion.

27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Dass mein 30ster genau so war, wie ich es mir erträumt habe…

28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Seit du schreibst, lese ich diese Zeitung wieder gerne…“

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Der muss irgendwo in meinem Brief zum 1,5-Jährigen an den Mann gesteckt haben. Nur hat er den jetzt und ich kann ja nicht seine Briefe lesen 😉

30. Dein Wort des Jahres?
Kangaroo

31. Dein Unwort des Jahres?
überqualifiziert