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Liebling, wirst auch du ein Brautmonster?

Eine Verlobung platzen zu lassen ist schmerzhaft. Und empfehlen will ich das wirklich niemandem. Aber jede Erfahrung hat auch ihre positiven Seiten. So sehe ich inzwischen das Thema Hochzeit gelassener. Ich weiß, dass ich auch ohne könnte. Und vor allem weiß ich, dass es einfach nicht der perfekte Tag sein muss, der jedem gefällt. Aber auch wirklich jedem.

Ich bin erschrocken, als ich vergangenes Wochenende mitanhören musste, wie  Geburtstagsgäste einer lieben Freundin in deren Hochzeitspläne reinredeten. Die Hochzeitseinladungen seien nicht sonnenblumen-, sondern leider hässlich senfgelb geraten. Sie dürfe auf gar keinen Fall ein ganz schlichtes Kleid tragen, schließlich heirate man doch nur einmal und darf nur einmal wie eine Prinzessin aussehen. Und überhaupt: ob sie sich etwa jetzt, neun Monate vorher, immer noch keine Gedanken über das passende Gefährt, die Sitzordnung und die Gestaltung der Namenskärtchen gemacht hätte. Sie sah erschrocken aus. Besonders, als sie den, ach so lustig gemeinten, Kalender auspackte, in dem genau aufgelistet war, was wann erledigt sein müsste. „Auf was hab ich mich da eingelassen?“ schrie sie stumm. Und mein jüngerer Freund rutschte unruhig hin und her und sah mich verzweifelt an.

„Willst du so nen Scheiß etwa auch mal?“ fragte er mich, als wir später im Bett lagen. Nein. Natürlich nicht. Aber kann ich mir selbst da trauen? Ich habe leider auch an mir selbst Wesenswandlungen während der Verlobung beobachtet. Ich habe mich in Foren angemeldet und mich von wildfremden Hausfrauen ernsthaft beraten lassen, wie ein Ringkissen aussehen müsse und wie lange ein befreundetes Paar schon zusammen sein muss, damit der Partner als plus 1 mit auf die Gästeliste gehört. Von unserem individuellen ursprünglichen Plan, ohne Tamtam, hohe Schuhe, Brautstrauß und Torte zu heiraten, war bald nur noch das rudimentäre Grundgebilde übrig. Immerhin: es sollte auch weiterhin Steak und Grillwürste statt Buffet geben. Aber es war so vieles hinzugekommen, weil man das „eben einfach so machen muss“. Und als Heiratsanfänger glaubt man das den vielen, vielen Beratenden und Reinredenden.

In einem herrlichen Artikel las ich von der Verwandlung der Traumfrau zum Brautmonster. Eine der wenigen Glossen, die kaum überzogen formuliert werden musste. Das haben selbst die Hochzeitsjunkies in meinen diversen Foren so gesehen.

Also, was sagt man nun dem Mann, der neben einem liegt und einen mit großen ängstlichen Augen ansieht? „Nein, natürlich werde ich nicht so!“ Wir wollen ihn ja nicht gleich verschrecken. Meine leisen Zweifel an meiner eigenen Aussage schlucke ich mit dem Gedanken herunter, dass ich es beim nächsten Mal wirklich, wirklich versuchen will. Vielleicht klappt es dann ja auch mit der Hochzeit.