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Vegetarierin, Antialkoholikerin und iPhone-Einschränkerin auf Zeit – ein Fasten-Zwischenbericht

Auch wenn ich grad wenig zum Bloggen komme, da mein neuer Job mich sehr beansprucht  (aber auch wunderbar aufregend ist), möchte ich doch ein kurzes Fasten-Update machen.

Seit die ersten schlimmen Tage überwunden sind, fällt es eigentlich recht leicht, bei den Gerichten jeweils die vegetarische Variante zu wählen. Aber ich finde es erschreckend, wie viele Restaurants fünf Mittagsgerichte anbieten – und kein einziges davon ist fleischlos! Vegetarische Variante heißt dann leider oft: reiner Beilagenteller und das oft noch ohne Soße, denn in der schwimmt ja das Fleisch. Andererseits habe ich mich zum Beispiel im indischen Restaurant sehr wohl gefühlt, wo tausend verschiedene Aromen auf der Zunge kribbelten und mir geschmacklich rein gar nichts fehlte. Ja, auf der Karte stand sogar provokative „Fleisch ist nur für Bedürftige“. Was natürlich kaum jemand davon abhielt das Curry-Hühnchen zu bestellen. Ich habe mich plötzlich sehr erhaben und edel gefühlt und mein Mahl zur ayurverdischen Kur erklärt.

Derweil bombardiert mich mein Arbeitskollege mit militanten Heftchen, die das Vegetarierdasein anpreisen als die einzig wahre und natürliche Lebensform. Darin steht zum Beispiel, dass Menschen einen typischen Pflanzenfresser und keinen Fleischfresserdarm hätten. Er sieht wohl eine echte Chance, mich als einzige Arbeitskollegin auch zum Vollzeitvegetarierdasein zu bewegen. Ich weiß noch nicht so recht. Spätestens wenn die Grillsaison losginge, würde ich schwach, fürchte ich.

Der Alkoholverzicht fällt mir nicht schwer. Nur würde ich eigentlich gerne mal wieder ausgehen und tanzen – und da habe ich ein wenig Bammel vor, so ganz ohne Alkohol. Ich befürchte, dass ich mich zwischen all den Betrunkenen nicht wohlfühlen würde. Und plötzlich den ganzen Rummel an einem Wochenende in einem Club ziemlich albern fände. Und welche Konsequenz hätte das? Ich würde mich alt fühlen. Das will ja keiner.

Ich muss auch sagen, dass ich mich gesünder fühle, da ich erstaunlich lange schon weder Kopfweh noch irgendwelche Magenbeschwerden hatte. Das kann natürlich Zufall sein oder auch daran liegen, dass ich jetzt meine Achtsamkeit viel mehr als sonst auf meine Ernährung und mein Wohlbefinden richte. Aber ich beobachte das dennoch mal gespannt weiter.

Was meine digitale Abstinenz angeht, muss ich mich wohl tadeln. Dass ich keine Pushfunktionen mehr aktiviert habe, führt nicht im geringsten dazu, dass ich seltener Emails, Twitter und Facebooknachrichten checke. Auch das iPhone mal eine halbe Stunde in einen anderen Raum zu legen, stehe ich kaum durch. Da habe ich wohl eindeutig das größte und hartnäckigste Suchtpotential entwickelt.

Die Reaktionen auf meine Fasterei waren bisher durch die Bank positiv. Nur bei einem Freund habe ich leichte Kritik herausgehört, dass es beim Fasten doch um mehr gehe als um Ernährung und mein Wohlbefinden – ihm fehlt bei mir die religiöse Komponente. Braucht es diese denn, um Verzicht zu üben?