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Danke, Cita <3

IMG_6843Wenn Dinge zu Ende gehen, denken wir an ihren Anfang. Vielleicht ist das so, weil wir mit Anfängen besser umgehen können, als mit Dingen die enden. Besonders, wenn es wundervolle Dinge sind und das Ende viel zu früh kommt.

Seit du am vergangenen Freitag unsere Welt verlassen hast, meine Cita, muss ich jedenfalls ständig an die ersten Tage denken. An diesen Bildern halte ich mich fest. Ich hoffe, dass sie bleiben. Und dass sie die Bilder von deinem Unfall ersetzen werden. Irgendwann. Denn ich möchte dich als liebendes Eisbärchen in Erinnerung behalten.

Mein erstes Bild ist eines vom Juni vergangenen Jahres, als wir die Züchterin besuchten, um dich kennen zu lernen. Ich versuchte, nicht zu emotional zu werden. Mich nicht schon vor Ort zu entscheiden und zu verlieben, weil ich ja ach so vernünftig sein wollte. Erst im Anschluss sachliche Gespräche mit dem Mann führen. Wir das Für und Wider einer Bauchentscheidung besprechen. Was für ein absurder Gedanke eigentlich. Waren wir doch schon einmal so weit gekommen und saßen hier: streichelten dich! Und ich lies den Gedanken deshalb auch in dem Moment los, als ich dich, liebe Cita, von meinem Schoß auf den des Mannes setzte, und du ihn ganz vorsichtig beschnuppert hast – mit einem Blick der ihn direkt ins Herz traf. “ Oh. Du bist ja aber eine Charmeurin“, sagte er. Und irgendwie war es dann klar.

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Short dog, long hair.

Auf dem zweiten Bild in meiner Erinnerung sitzt du auf meinem Schoß. Und zwar auf der Rückbank in unserem Auto. Zuhause warten allein fünf Fressnäpfe, unzählige Spielsachen, flauschige Körbchen und Decken auf dich. Ganz ehrlich Cita: Du hast ausgesehen wie der typische Omahund, als wir dich holten. Das fast 30 Zentimeter lange Fell überall. Die Körperhaltung aufrecht und stolz wie bei einer Zuchtschau und dann diese fürchterliche rote Schleife, die dir die Haare aus der Stirn hielt. Aber das habe ich alles nicht gesehen. Bei mir kam nur an, dass du mich die ganze Fahrt über beobachtet – mit deinen riesigen dunklen Knopfaugen. Die kleine Zunge hing aus deinem Mund: Stresshecheln. Unter meine Vorfreude mischte sich ein schlechtes Gewissen, dass ich dich mit knapp über einem Jahr aus deinem Rudel herausnahm. Aber dort gab es für eine Hündin mit großem Charakter und kleinem Schönheitsfehler keinen Platz mehr. Und ich hatte so lange auf dich gewartet und gehofft. Ich habe dich ununterbrochen gestreichelt und mir selbst geschworen, dir zu zeigen, wie aufregend ein Hundeleben auch ausserhalb des Rudels sein kann. Mit dir alles zu entdecken. Dabei habe ich damals noch nicht einmal geahnt, wie wenig du bisher von der Welt gesehen hast. Dass du die Küche für deine Toilette und den Garten für den Rest der Welt gehalten hattest. Weißt du noch, als du das erste Mal eine Fährte aufnehmen konntest? Schnuppern und laufen, ohne dir dabei selbst auf das Fell zu treten? Von da an hast du dein Näschen fast gar nicht mehr von Boden entfernt. Ich hoffe, du würdest mir zustimmen, dass das den stressigen Friseurbesuch wert war.

Ja, wir haben deine Welt auf den Kopf gestellt – und ich bin so dankbar und glücklich, dass du mich von Anfang an zu deinem Anker, deiner Sicherheit in dieser neuen Welt gewählt hast. Und glaub uns: Du hast unser Leben kaum weniger verkehrt. Am Anfang haben wir kaum zu sprechen gewagt, weil wir nicht zu laut sein wollten. Wir lauschten stattdessen auf das Trappeln deiner Pfoten und flüsterten: „Wo ist sie jetzt?“ Dass du so unsicher warst, selbst vor dem Geräusch eines Rolladens zurückgezuckt bist, hat auch uns verunsichert. Besonders der Mann hat darunter gelitten, dass du ihn so beängstigend groß fandest, dass du sogar meintest, mich vor ihm beschützen zu müssen. Wir wollten so sehr alles richtig machen für dich! Das hat mich zu Beginn fast gelähmt. Ich erinnere mich an den leicht amüsierten Blick der Hundetrainerin, als sie uns das erste Mal erlebte und sich unsere Sorgen anhörte: Laufstreik. Alle vier Pfoten bremsend ausgestellt.  „Ja, woher soll sie sich auch sicher sein, dass sie mit euch mitkommen kann, wenn ihr da selber gar nicht so sicher seid?“, sagte sie. Wie recht sie hatte. Und die Arbeit begann.

Das verschlagene "das Sofa gehört nur mir"-Gesicht

Das verschlagene „das Sofa gehört nur mir“-Gesicht

Eigentlich hatte ich ja gedacht, dass wir nun dir etwas beibringen würden. Aber Cita, die Wahrheit ist: Du warst unsere Lehrerin. Du hast uns gezeigt, dass man nur mit Geduld und nur, wenn man selbst daran glaubt, etwas erreicht. Dass ruhig und souverän zu sein soviel mehr bringt, als  aufgeregt und laut. Du hast uns beigebracht, dass jeder Morgen, an dem man sich wieder sieht, ein Grund zur Freude ist. Und dass nichts – absolut gar nichts – ein Problem ist, so lange man nur in der Nähe der Liebsten ist. Wenn ich bei der Arbeit kurz vor dem durchdrehen war, habe ich zu dir geschaut und deine kleine Palme hat sofort rhythmisch hin- und herzuwedeln begonnen. So lange das so war, was sollte mir da passieren? Ich hatte  im Vorfeld große Angst davor, Verantwortung zu übernehmen. Doch kaum warst du da und hast mich gebraucht, war es für mich das Selbstverständlichste der Welt, für dich zu sorgen. Deine Bedürfnisse über meine zu stellen. Ich war stolz darauf. Ich war deine Mama. Das war eine neue Seite an mir und ich danke dir, dass ich sie durch dich kennen lernen durfte.

Und auch wenn du es gar nicht gerne gesehen hast, wenn der Mann und ich uns geküsst oder gestreichelt haben – und in diesem Moment weniger Aufmerksamkeit für dich hatten – hast du auch den Mann und mich sehr viel näher zusammengebracht. Du hast mir Seiten an ihm gezeigt, die ich immer vermutet hatte. Wenn er, der große Mann, sich stundenlang zu dir herunter auf den Boden kniete, um dir mühsam mit dem Klicker eine Rechtsrolle beizubringen. Wenn du ihm stundenlang spielerisch in die Hand beissen durftest, bis dort kleine blaue Flecken entstanden. Wenn er heim kam und ihr BEIDE wie Teenager gequiekt habt vor Wiedersehensfreude. Ja, dann habe ich ihn noch mehr geliebt als je zuvor. Weil wir dich gemeinsam so sehr liebten.

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Die schönsten Momente waren die, in denen wir beide gelächelt haben.

Cita, habe ich dir das oft genug gesagt? Aus Menschensicht, habe ich es vermutlich häufiger gesagt, als es die meisten für normal oder gesund halten würden. Aber was wissen schon Menschen. Du hast mir mit jedem Blick gesagt, dass du mich liebst. Und ich habe versucht, es so gut ich hinterher kam, zu beantworten. Ich bin sehr froh, dass ich es auch letzten Freitag, bei unserem morgendlichen Wachknuddelritual gesagt habe. Auch so etwas, was mir unglaublich fehlt. Und ein Bild, das ich behalten möchte: Ich schlürfe verschlafen aufs Sofa, um dort mit voller 3-Kilo-Wucht angesprungen zu werden, weil du schon so so lange neben dem Bett darauf gewartet hattest, dass ich endlich die Augen aufschlage, dich ansehe, kuscheln komme.

Das Bild, das ich aus deinen letzten Lebenswochen mitnehme, ist ein ganz anderes. Eine andere Cita. Und das nicht nur, weil du ein Schneenäschen warst. So heißen – auch das habe ich neu gelernt – Hunde deren Nase im Winter heller ist als im Sommer. Von deiner anfänglichen Unsicherheit war keine Spur mehr zu sehen. Ja, du bist uns ziemlich auf der Nase herumgetanzt – verzeih, wenn ich das so deutlich sagen muss. Auch hier denke ich wieder an unsere Hundetrainerin, die mir prophezeite, dass es bis zu einem halben Jahr dauern kann, bis der Hund wirklich angekommen ist, und man seinen wahren Charakter sieht. Dein wahrer Charakter war wild. Verspielt wie ein Welpe. Übermütig und selbstsicher. Auch weil du überzeugt davon warst, dass wir schon auf dich aufpassen würdest. Du hast riesengroße Hunde herausgefordert, um dich dann schnell hinter meinen Beinen zu verstecken. Wir waren so gespannt auf die kommenden Monate und hatten so große Lust darauf, mit dir zu arbeiten. Ich will dich nicht anlügen: Wir wären wohl strenger mit dir geworden. Aber nie böse – da kannst du dir sicher sein! Jetzt, da du auch Sprungkraft und Ausdauer aufgebaut hattest, wollten wir endlich lange Touren mit dir machen.  Und wir hatten schon überlegt, wie wir dich zum Rheinschwimmen überreden würden – natürlich mit Babyschlauchboot im Schlepptau, falls du müde werden würdest.

Foto 15.01.15 16 12 56Am letzten Freitag habe ich unterschätzt, wie unberechenbar deine Bewegungen und Ideen geworden sind. Ich hatte zu sehr die alte Cita im Kopf, die tapfer Würstchen und duftendes Futter ignorierte, nur um brav neben mir herzulaufen und mich anzusehen. Es tut mir so leid Cita. Ich höre wieder und wieder, dass es keine Schuld gibt, und dass dein Tod vielleicht einen höheren Zweck hatte. Aber welchen Zweck soll es gehabt haben, dir dein junges Leben zu entreissen und uns einander? Hat mich jemand gefragt, ob ich bereit bin, diesen Preis zu zahlen? Egal für was? Oder dich?

Jetzt weine ich schon wieder – und das wollte ich eigentlich nicht. Ich wollte, über die schönen Bilder sprechen, die mir bleiben. Und deshalb schließe ich jetzt. Und zwar damit, wie oft du mich zum Lachen gebracht hast. Hundebesitzer kennen das vielleicht: Man steht auf einer Wiese und lacht schallend über die neueste Idee des kleinen Begleiters. Und Spaziergänger laufen vorbei, gehen langsamer, weil sie wissen möchten, was so witzig ist. Sie entdecken aber nichts, was sie auch nur im geringsten komsich finden, und laufen schließlich kopfschüttelnd weiter. Zuletzt ist mir das mit dir vor zwei Wochen passiert. Du warst mit deiner Pfote aus deinem Mäntelchen geschlüpft und ich beschloss, es dir ganz auszuziehen, da es draussen viel wärmer war, als ich vermutet hatte. Doch kaum hatte ich dir den Mantel, der noch an der Flexileine hing, über den Kopf gezogen, hast du danach geschnappt. Und gezerrt wie ein Großer! Bis zum Leinenstopp. Dann rutschte dir der Mantel aus den Zähnen und surrte an der Leine zurück zu mir. Was für ein Spaß! Hinterhergejagt, zugepackt, rausgezerrt, weggesurrt – so ging das bestimmt zehn Minuten. Was ein tolles Spiel, was für eine Show, für ein Hündchen, das bisher weder apportieren noch jagen wollte!

IMG_20150215_142620Meine Cita. Auch kleine Hunde hinterlassen eine große Leere. Aber du hinterlässt so viel mehr. Ich danke dir für jeden Moment. Du wirst für immer in meinem Herzen sein. Mein Stinkerchen, mein Eisbärchen, mein Baby.

Keinen Konsum – Fasten 2014

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Regelmässige Lara-Laune-Lesende (welch Wortschöpfung!) kennen das ja schon. Zur Fastenzeit will ich mein Leben ändern. Nicht aus religiösen Gründen, sondern einfach, weil so ein bisschen Verzicht noch nie geschadet hat und ich daraus schon viel für mein Leben gewonnen habe. Zum Beispiel habe ich mich nach den letzten beiden Fastenperioden entschieden, dass ich wirklich kein Fleisch mehr brauche. Ich wollte schon als Teenager und danach eigentlich immer gerne Vegetarier sein, weil ich Tiere gerne habe. Aber geschafft habe ich es erst nach Ausprobierphasen, in denen ich gespürt habe, dass es wirklich geht.

Was ich sein lasse…

Dieses Jahr schraube ich an meinem Konsumverhalten herum. Die Dinge, die mir zuerst im Weg gestanden sind, dich ich unbedingt haben wollte, habe ich nun einfach vorbestellt. So will ich mir für meine abgegebene Diplomarbeit ein Armbändchen von Tiffanys gönnen. Und zur am Donnerstag erreichten Jogging-Stufe (30 Minuten am Stück – ich blogge bald noch darüber) gibt es für mich eine Pulsuhr, die ich soeben bestellt habe. Das ist ein bisschen tricksen, das gebe ich zu. Aber ohne diese Tricks hätte ich mich ganz gegen die Erfahrung entschieden – und das wäre doch auch schade.

Konsumfasten – für alle, die das noch nicht bei der zauberhaften Frau Buchsaiten gelesen haben – heißt im Grunde, dass man sieben Wochen lang auf alles verzichtet, was man nicht isst oder zur dringenden Körperpflege benötigt. Das wird für mich hart – denn ich bin doch überzeugte Gelegenheitskäuferin. Und Gelegenheiten wird es sicher viele geben in den kommenden Wochen. Auf ein Superschnäppchen zu verzichten tut mir als Halbschwäbin in der Seele weh. Aber genau dieses unbedachte Zugreifen will ich beobachten und mich da besser kennen lernen. Wie schwer fällt es mir, das einfach sein zu lassen? Welche inneren Bedürfnisse befriedige ich mit Spontaneinkäufen? Und natürlich: Lassen die sich nicht anders befriedigen?

Eine Ausnahme wird es geben: Ich gehe kommende Woche auf meine allererste Buchmesse – und wenn ich da ein tolles Buch kaufen und signieren lassen kann, werde ich das tun. Wie schwer oder leicht mir und den anderne TeilnehmerInnen der Verzicht auf Konsum fällt, könnt ihr übrigens auch auf Twitter nachlesen unter #Konsumfasten.

Auch ein bisschen Ernährungswandel gehört für mich wieder zum Fasten. Dieses Jahr:

  • Nur eine Süßigkeit pro Tag
  • Guarana statt Kaffee und Schwarztee (hemmt nämlich auch die Eisenaufnahme nicht)
  • Alkohol nur einmal die Woche

Was ich stattdessen tue…

  • Yoga. Jeden Tag. Wenn es nicht auf die Matte reichen sollte, dann doch zumindest ein paar Minuten Meditation.
  • Schreiben. Ob für den Blog, am Roman, Artikel für Zeitschriften oder einfach nur ein paar Gedanken in den Notizblock. Auch das: täglich.
  • Laufen. Wie gesagt – dazu mehr, wenn ich am Donnerstag tatsächlich mein erstes Ziel erreicht habe. Hier gilt: 3 mal die Woche.

Ich freue mich sehr, wenn ihr mich wieder bei meiner Fasterei begleitet! Und vielleicht regt ja das ein oder andere aus meiner Liste noch mehr Leute an? Morgen, Mittwoch, geht es los. Man darf noch einsteigen und die Regeln bestimmt jeder für sich selbst!

Der Mann mit dem Vogel und ohne Spuren

Als du klein warst, hast du deine Spielsachen kaputt gemacht und in den Bach geworfen. Du hast deine Eltern zur Verzweiflung getrieben. Auch weil du so anders warst als dein Bruder, der fleißig lernen und das erste Familienmitglied mit Hochschulabschluss werden sollte. „Der hat halt ein kleines Vögelchen “, sagten die Leute über dich. Diagnostiziert hat damals niemand, welches Vögelchen dir da im Kopf saß.

Ich habe das nicht gewusst – nicht gespürt. Denn Kindern ist es egal, ob sich jemand seltsam verhält. Sie finden es sogar toll, wenn Erwachsene anders sind, nicht so ernst. Ich weiß nicht viel über dich, weil der familiäre Kontakt abriss, als ich Teenager war. Aber ich weiß noch, dass ich gerne mit dir gespielt habe – auch wenn du manchmal über die Stränge geschlagen hast. Auch das habe ich nur gemerkt, weil andere Erwachsene erschrocken aussahen.

Manchmal sind Beerdigungen der Zeitpunkt, an dem man zum ersten Mal hört, wieviel ein Verwandter getan hat. Man erfährt, dass Großonkel bei jedem Wetter viele Kilometer zur Arbeit gelaufen sind und in wie vielen Vereinen der eigene Opa aktiv war, bevor er es nicht mehr sein konnte. Deine Beerdigung hingegen war kahl. Deine Frau weinte um sich selbst. Deine Familie wirkte unbeholfen – hatten doch die meisten jahrelang keinen oder fast keinen Kontakt zu dir gehabt.

Der größte Kranz kam von deinen Arbeitskollegen. Der einzige Nachruf ebenso. Sie schätzten deine Zuverlässigkeit, erzählten sie. Auch wenn es über dich „nicht viel zu sagen gebe“. Ein Mitarbeiter eben, der über 20 Jahre ungelernt Kartons verpackt und Lager einräumt hat.

Kann ein Mensch so unauffällig leben? Ich wünsche dir, dass du Spuren hinterlassen hast, die ich sehen kann. Ich wünsche dir auch, dass du dort, wo du jetzt bist, vielleicht besser hinpasst. Ich hoffe, du fühlst dich wohl – bei den Vögeln.

„Du machst das gut – und ich sehe es!“

Vergangene Woche hat meine direkte Vorgesetzte um einen Gesprächstermin mit mir gebeten. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber Termine bei/m ChefIn heißen für mich: Es gibt Ärger oder einen Umbruch. Ein wenig nervös war ich also heute schon, als so weit sein sollte, schon.

Buddha-AntenneDann wollte sie wissen, wie es mir geht. Ob ich mich wohl fühle, ob ich mir vorstellen kann länger zu bleiben und ob es noch etwas gibt, was wir anders gestalten könnten, damit es für mich wirklich passt. Es war ein sehr angenehmes Gespräch und ich habe mich gefreut, dass sie sich zwischen all ihren anderen Aufgaben Zeit für mich genommen hat – zumal es wirklich keinen aktuellen Anlass dazu gab. Dafür habe ich mich bedankt und was sie erwiderte, hat mich sehr berührt:

„Ich hätte das Gespräch gerne auch schon früher geführt. Menschen, die ihre Sache sehr gut machen und keinen Anlass für Sorgen oder Ärger geben, laufen Gefahr keine Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich wollte dir einfach sagen: Ich sehe es! Und ich bin sehr froh, dass wir dich haben.“

Ich fand das wunderschön und nachahmenswert! Wann habt ihr zuletzt jemandem dafür gedankt, dass etwas einfach gut läuft? Dass er es euch nicht schwer macht? Probiert es aus! Ich verspreche euch, ihr werdet überraschte Blicke und Freude ernten 🙂

Ich klackere, also bin ich? Die Psychologie meiner Schuhwahl

„Du trägst ja hohe Schuhe!“

„Wer ich? Quatsch, schau mal!“ Ich ziehe mein Knie Richtung Kinn, damit meine Freundin die nur zwei Zentimeter hohen Absätze besser sehen kann.

„Ach ja, stimmt. Aber die klackern. Und das hast du doch sonst auch nicht, oder?“

Ich laufe mit meiner ehemaligen Mitbewohnerin zum Mittagessen und ihr Nachhaken bringt mich ins Grübeln. Sie hat Recht – egal ob damals in ihrer Wohnung, oder sonst irgendwo – Schuhe, die Lärm machen, trage ich selten. Allerdings hatte ich sie fast immer an den Füßen, wenn ich zu Brötchengeber XY ging. Was geht da in meinem Unterbewusstsein vor?

Über hohe Schuhe habe ich mir ja hier schon einmal Gedanken gemacht. Ich mag sie nicht, weil ich darauf wackliger bin, als in normalen Schuhen. Warum sollte ich mich instabiler zeigen, als ich bin? Das hat für mich auch einen klitzekleinen feministischen Aspekt: Ich will die Rolle der staksigen, unsicheren Frau nicht spielen, die manche Männer sexy finden, weil sie sich selbst daneben besonders stark fühlen. (Mehr dazu auch im Blog von Schriftsteller1.) Das heißt selbstverständlich nicht, dass man mich NIE in hohen Schuhen sieht. Schließlich verkleide ich mich auch gerne – so lange ich die Dinger bald wieder ausziehen darf.

Klackern = schöne Frau?

Vor einige Monaten eilte ich zum Baumarkt und griff dafür hektisch ins Schuhregal – farblich passten die Schuhe, aber es waren eben jene zwei-Zentimeter-Klackerschuhe, die ich auch beim Mittagessen mit meiner Freundin trug – eine ungewohnte Wahl für den Baumarktbesuch. Die Wirkung überraschte mich: Fast alle Männer im Baumarkt drehten sich um, als sie das Klack-Klack-Klack hörten. Viele lächelten mich an. Ich bin sehr oft im Baumarkt – aber so ist mir das noch nie passiert. Ich fragte meinen Freund, was das denn sei mit den Männern und dem Geklacker. Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht warum, aber wenn es klackert, rechne ich auch mit einer hübschen Frau.“

Das Erlebnis hat mir vor allem eines klar gemacht: Wer Lärm macht fällt auf. Und zwar, ob sie will, oder nicht. Einfach mal unauffällig irgendwo durchschleichen oder geräuschlos aus dem Raum verschwinden – all das ist nicht mit Klackerschuhen nicht möglich. Und wenn man klackernd zur Bahn rennt, können die Blicke richtig unangenehm werden. Das könnte ein Grund sein, warum ich – unbewusst – tatsächlich eher selten zu diesen Schuhen greife. Denn selbst, wenn mir morgens einmal nach Auffallen zumute ist, könnte es doch sein, dass ich abends lieber unsichtbar sein möchte. Wenn ich es mir so genau überlege, wähle ich tatsächlich eher an jenen Tagen, an denen ich mich stark und hübsch fühle solche Schuhen. Trage ich Klackerschuhe so habe ich höchstwahrscheinlich einen selbstbewussten Tag. Wenn es tatsächlich mehr Frauen so geht wie mir, würde mich auch nicht weiter erstaunen, dass der Mann bei dem Geräusch auch an eine schöne Frau denkt. Denn: Wer selbstsicher ist, ist schön.

Verstecken? Unmöglich!

Aber fühlte ich mich tatsächlich jeden Tag stark und selbstbewusst, wenn ich zu Brötchengeber XY ging? Das ist eher unwahrscheinlich. Allerdings war XY der einzige meiner – bis vor kurzem noch vier – Arbeitgeber, an dem ich mich jeden Tag in einer Sitzung behaupten musste – gegenüber den mir vorsitzenden Männern. Ich glaube, dass mein Unterbewusstsein mich jeden XY-Arbeitstag zu den Klackerschuhen greifen ließ, um besonders großes Selbstvertrauen vorzutäuschen. Das sorgte dafür, dass ich mich gar nicht erst verstecken und unauffällig verhalten konnte. Und glaubt mir, ich habe es versucht: An so manchem Tag habe ich die Schuhwahl bereut und versucht auf Zehenspitzen zu trippeln, um nicht auf den klackernden Absatz zu treten.

Inzwischen arbeite ich nicht mehr bei XY. Ich freue mich darüber, dass ich  bei meinem neuen Arbeitgeber auch auf leisen Gummisohlen gehört werde.

Sommerhitze vs. Winterfrost

Winterfrost: Ha! Hab ich es dir doch gesagt!

Sommerhitze: Was hast du gesagt?

Winterfrost: Die Menschen hassen dich. Und da ändert es nichts, aber auch gar nichts, wenn du mir monatelang das Feld überlässt und dich selbst entbehrlich machst. Kaum tauchst du wieder auf, stöhnen die Menschen.

Sommerhitze: Das sind Freudenseufzer! Sieh doch nur, wie die Menschen vor mir darnieder liegen in den Strandbädern der Republik. Sie beten mich an.

Winterfrost: Und dabei verbrennen sie elendig…

Sommerhitze: Sie gewinnen an Farbe! Dafür, dass Menschen zu dumm sind Sonnenkreme zu benutzen, dafür kann ich nun wirklich nichts. Vor dir hingegen verstecken sie sich in ihren Häusern.

Winterfrost: Und sind dort produktiv! Sie bewegen sich, damit ihnen nicht kalt wird. Du hingegen lähmst sie. Sommer – du bist schlecht fürs Bruttosozialprodukt!

Sommerhitze: Dass ich nicht lache! Wenn du so richtig los legst, dann kommen die Menschen ja nicht einmal mehr zur Arbeit. Züge fallen aus, Straßen sind gesperrt – wer von uns schadet hier bitte der Wirtschaft?

Winterfrost: Na du! Kaum Textiles will die Welt mehr tragen, wenn du sie im Griff hältst. Und was da plötzlich so frei liegt, ist auch nicht immer schön anzusehen.

Sommerhitze: Ja, weil DU die Menschen doch zwingst, sich im Winter eine schützende Fettschicht anzufressen. Gäbe es nur mich wären die Menschen immer gebräunt, schlank und gut gelaunt.

Und so weiter und so fort.

Falls ihr euch also wundert, wohin die Übergangsphasen verschwunden sind, die sich mal Frühjahr und Herbst nannten: Diese sind ursprünglich aus der Verschmelzung von Sommerhitze und Winterfrost hervorgegangen. Aber diese beiden haben sich leider nicht mehr lieb.

Lebensziele und Prioritäten – woher kommt plötzlich dieser Druck?

20130119-221733.jpgKurz vor Weihnachten findet bei uns jedes Jahr ein inoffizielles Klassentreffen statt. Am selben Abend tauchen in derselben Bar dieselben Menschen auf – egal, ob sie inzwischen auf einem anderen Kontinent leben, oder stets in unserer Heimatstadt geblieben sind. Da das Abi jetzt aber doch schon (—-festhalten—) fast 12 Jahre her ist, wird die Gruppe langsam kleiner. Viele, die eine Familie mit kleinen Kindern gegründet haben, sind nicht mehr dabei. Andere suchen sich für diesen Abend extra einen Babysitter.

In den ersten Jahren nach dem Abi mochte ich diese Treffen nicht. Dieses rituelle Überbieten: ein jeder und eine jede war in der coolsten Stadt, im tollsten Studiengang und mit den besten Leuten gelandet. Vor einigen Jahren hat sich der Tonfall geändert – differenzierter oder vielleicht auch einfach ehrlicher. Zum Beispiel habe ich mich dieses Jahr auch mit solchen MitabiturientInnen unterhalten, die von der tollen Medienbranche oder dem hippen Eventmanagement inzwischen völlig die Nase voll haben. Viele wechseln jetzt – Anfang 30 noch einmal völlig die Richtung. Oder aber konzentrieren sich erst einmal auf die Familiengründung und stellen den Job hintenan.

Diese Treffen haben mich regelmäßig sehr nachdenklich gestimmt, da ich in meiner Klassenstufe ein rechter Exot war: Ich bin genau zu dem Zeitpunkt an die Uni gegangen, als alle anderen froh waren, endlich fertig zu sein. Und jetzt fühle ich mich wieder exotisch, weil viele inzwischen relativ klar wissen, was sie für die nächsten Jahre planen – wohingegen bei mir nach der Uni erneut alles offen scheint.

Und genau diese Offenheit sorgt dafür, dass ich alles auf einmal möchte. Ich möchte den Job wechseln, ich möchte ein Buch schreiben, ich möchte eine Selbständigkeit vorbereiten, ich möchte ein paar mir am Herzen liegende Themen journalistisch aufbereiten und verkaufen, ich möchte vielleicht auch eine Familien gründen, ich möchte noch viel mehr im Yoga machen, ich will einen Hund, ich möchte mehr Zeit für mich und für meine Freunde als während der Doppelbelastung von Studium und Beruf – und… ach wahrscheinlich habt ihr längt bemerkt, dass das natürlich unmöglich ist. Und Prioritäten zu setzen war einfach – so lange ich die Prüfungen fest im Blick hatte. Jetzt fällt es mir umso schwerer. Das Jahr ist erst drei Wochen alt und ich habe schon wieder fünf Jobs gleichzeitig.

Da sind die Vernunfts-Lara-Teile, die mir sagen, dass ich in meinem Alter dringendst in einer ordentlichen Festanstellung ankommen sollte, damit ich dann vielleicht auch in einigen Jahren ein Kind in die Welt setzen kann, ohne dass dadurch mein berufliches Leben völlig aus den Fugen gerät. Dieses hässliche Argument, dass ich daran denken und das einplanen sollte, wenn ich das denn noch möchte. Und dann ist da die andere Seite mit all den tollen Projekten, die zwar unsicher sind, aber mir wirklich Freude bringen. Darf ich denn wirklich nicht mehr rumdümpeln? Ist diese Zeit schon vorbei? Werde ich dann zu einem ewigen Rumdümpler? Und wäre das eigentlich schlimm? Gibt es nicht auch Erwachsene, die immer ein wenig rumdümpelig sind und trotzdem gut und vor allem zufrieden durchs Leben kommen?

Das sind so die Gedanken, die ich gerade wälze. Glücklicherweise noch ohne schlaflose Nächste, sondern zuversichtlich, dass ich die richtige Entscheidung treffen werde. Dennoch weiß ich, dass ich recht bald eine Richtung einschlagen sollte. Denn ohne klare Priorität mache ich – wie schon so oft – einfach viel zu viel auf einmal. Ich sage zu nichts, einfach gar nicht nein, bis ich erschöpfe. Wie macht ihr das denn mit den Lebensprioritäten? Wisst ihr es „einfach“, oder habt ihr tolle Mindmapping-Techniken dafür? Wann siegt die Vernunft, wann die Lust?