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Ich klackere, also bin ich? Die Psychologie meiner Schuhwahl

„Du trägst ja hohe Schuhe!“

„Wer ich? Quatsch, schau mal!“ Ich ziehe mein Knie Richtung Kinn, damit meine Freundin die nur zwei Zentimeter hohen Absätze besser sehen kann.

„Ach ja, stimmt. Aber die klackern. Und das hast du doch sonst auch nicht, oder?“

Ich laufe mit meiner ehemaligen Mitbewohnerin zum Mittagessen und ihr Nachhaken bringt mich ins Grübeln. Sie hat Recht – egal ob damals in ihrer Wohnung, oder sonst irgendwo – Schuhe, die Lärm machen, trage ich selten. Allerdings hatte ich sie fast immer an den Füßen, wenn ich zu Brötchengeber XY ging. Was geht da in meinem Unterbewusstsein vor?

Über hohe Schuhe habe ich mir ja hier schon einmal Gedanken gemacht. Ich mag sie nicht, weil ich darauf wackliger bin, als in normalen Schuhen. Warum sollte ich mich instabiler zeigen, als ich bin? Das hat für mich auch einen klitzekleinen feministischen Aspekt: Ich will die Rolle der staksigen, unsicheren Frau nicht spielen, die manche Männer sexy finden, weil sie sich selbst daneben besonders stark fühlen. (Mehr dazu auch im Blog von Schriftsteller1.) Das heißt selbstverständlich nicht, dass man mich NIE in hohen Schuhen sieht. Schließlich verkleide ich mich auch gerne – so lange ich die Dinger bald wieder ausziehen darf.

Klackern = schöne Frau?

Vor einige Monaten eilte ich zum Baumarkt und griff dafür hektisch ins Schuhregal – farblich passten die Schuhe, aber es waren eben jene zwei-Zentimeter-Klackerschuhe, die ich auch beim Mittagessen mit meiner Freundin trug – eine ungewohnte Wahl für den Baumarktbesuch. Die Wirkung überraschte mich: Fast alle Männer im Baumarkt drehten sich um, als sie das Klack-Klack-Klack hörten. Viele lächelten mich an. Ich bin sehr oft im Baumarkt – aber so ist mir das noch nie passiert. Ich fragte meinen Freund, was das denn sei mit den Männern und dem Geklacker. Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht warum, aber wenn es klackert, rechne ich auch mit einer hübschen Frau.“

Das Erlebnis hat mir vor allem eines klar gemacht: Wer Lärm macht fällt auf. Und zwar, ob sie will, oder nicht. Einfach mal unauffällig irgendwo durchschleichen oder geräuschlos aus dem Raum verschwinden – all das ist nicht mit Klackerschuhen nicht möglich. Und wenn man klackernd zur Bahn rennt, können die Blicke richtig unangenehm werden. Das könnte ein Grund sein, warum ich – unbewusst – tatsächlich eher selten zu diesen Schuhen greife. Denn selbst, wenn mir morgens einmal nach Auffallen zumute ist, könnte es doch sein, dass ich abends lieber unsichtbar sein möchte. Wenn ich es mir so genau überlege, wähle ich tatsächlich eher an jenen Tagen, an denen ich mich stark und hübsch fühle solche Schuhen. Trage ich Klackerschuhe so habe ich höchstwahrscheinlich einen selbstbewussten Tag. Wenn es tatsächlich mehr Frauen so geht wie mir, würde mich auch nicht weiter erstaunen, dass der Mann bei dem Geräusch auch an eine schöne Frau denkt. Denn: Wer selbstsicher ist, ist schön.

Verstecken? Unmöglich!

Aber fühlte ich mich tatsächlich jeden Tag stark und selbstbewusst, wenn ich zu Brötchengeber XY ging? Das ist eher unwahrscheinlich. Allerdings war XY der einzige meiner – bis vor kurzem noch vier – Arbeitgeber, an dem ich mich jeden Tag in einer Sitzung behaupten musste – gegenüber den mir vorsitzenden Männern. Ich glaube, dass mein Unterbewusstsein mich jeden XY-Arbeitstag zu den Klackerschuhen greifen ließ, um besonders großes Selbstvertrauen vorzutäuschen. Das sorgte dafür, dass ich mich gar nicht erst verstecken und unauffällig verhalten konnte. Und glaubt mir, ich habe es versucht: An so manchem Tag habe ich die Schuhwahl bereut und versucht auf Zehenspitzen zu trippeln, um nicht auf den klackernden Absatz zu treten.

Inzwischen arbeite ich nicht mehr bei XY. Ich freue mich darüber, dass ich  bei meinem neuen Arbeitgeber auch auf leisen Gummisohlen gehört werde.

Gesellschaftliche Zukunftsutopie in 30 Minuten

Im Dezember schreibe ich meine Bachelor-Prüfungsessays. Ich bin also derzeit am Einlesen in die Themen. Fast stündlich entdecke ich neue Zusammenhänge und Fakten, die mich so sehr fesseln, dass ich darüber bloggen und mit euch diskutieren möchte. Aber ich muss mich beherrschen – schließlich liegt noch ein ordentliches Pensum vor mir, dass ich wirklich nur bewältigen kann, wenn ich mich brav an meinen Lernplan halte. Umso erfreuter war ich, als ich heute zufällig auf einen SWR2-Wissens-Podcast gestoßen bin, der sehr sehr viel davon enthält, was mich zur Zeit beschäftigt.

Kurz damit ihr bescheid wisst: zwei meiner Prüfungsthemen stehen bereits fest. Daher konzentriere ich mich jetzt zum einen auf die Situation von Working Poor in Deutschland und der Schweiz und zum anderen auf Antifeminismus und neue Feminismus-Bewegungen in Deutschland seit 2006 (am Beispiel von Eva Hermans Eva-Prizip und dem Buch „Wir Alphamädchen“). Das Thema im dritten Fach steht noch aus.  Meine bisherigen Themen haben eine größere Schnittstelle, als mir bei der Auswahl bewusst war. So sind Frauen besonders häufig auch Working Poor, weil a) die „typischen Frauenberufe“ sehr schlecht bezahlt sind und b) besonders viele Alleinerziehende betroffen sind. Und das sind ja meist Frauen.

Das faszinierende am diesem hervorragenden Beitrag von SWR2-Wissen ist, dass gleich ein Lösungsvorschlag für viele geschlechtsspezifische Probleme und den Arbeitsmarkt mitgeliefert wird. Vom Lebenszeitkonto habe ich das erste mal gehört – und bin spontan begeistert von der Idee. Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen beschäftige ich mich schon seit zwei Jahren immer wieder – und bin auch immer überzeugter. Mir ist bewusst, dass es sich hier um Zukunftsutopien handelt. Aber was wären wir ohne Utopien? Mir gefallen sie – und sie werden auch Eingang in meine Prüfungsessays finden. Was haltet ihr davon?

Jetzt aber der Link zum Podcast. Investiert die 30 Minuten – ich verspreche euch, dass es höööööchst spannend ist 🙂 Leider kann ich die Sendung nicht direkt verlinken, aber sie heißt:

Das Lebenszeitkonto – Zukunft der Arbeit (11/12)

Samstag, 13. Oktober 2012 08:30

Ihr findet sie unter: http://www1.swr.de/podcast/xml/swr2/wissen.xml

Oder natürlich in eurem RSS-Feed oder iTunes Store. Spannende Ohrlektüre!

(Und wenn es euch packt: Auch die anderen Teile der Serie „Zukunft der Arbeit“ sind sehr aufschlussreich!)