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Dinge nacheinander tun

Heute morgen habe ich ein Experiment gewagt. Statt zuerst den PC einzuschalten und in der weiten Welt der sozialen Netzwerke, im Plausch mit Freunden via Skype und beim Lesen der ein oder anderen Newsseite langsam aufzuwachen und nebenher anzufangen etwas aufzuräumen, dann schließlich in Zeitverzug zu kommen, nur noch huschhusch duschen zu können und die Hälfte einzupacken zu vergessen, habe ich versucht die Dinge nacheinander zu tun.

Erst duschen. Dann schminken. Dann aufräumen. Denn Aufräumen war meine wichtigest Aufgabe für diesen Morgen. Und selbst beim Aufräumen wollte ich einen Schritt nach dem anderen machen: Erst die ganzen Klamotten wegräumen, dann die halbvollen Taschen ausräumen und dann Sofa zusammenklappen und Schreibtisch wischen. Klingt das für euch normal? Dann beneide ich euch von Herzen.

Ich tue Dinge gleichzeitig. Alle auf einmal. Und da das Zeitfenster begrenzt und Dinge gleichzeitig zu tun nicht sehr effektiv ist, sieht es am Ende vom Tag oft so aus, als hätte ich gar nichts gemacht – obwohl ich den ganzen Tag sehr geschäftig war. Aber ich habe es nie anders gelernt. Ich motiviere mich durch den ständigen Wechsel selbst. Und beim heutigen Experiment habe ich erst festgestellt, wie schwierig es für mich ist, die Dinge hintereinander zu tun. Ich habe im Grunde nur 90 Minuten aufgeräumt. Aber danach lag ich völlig erschöpft auf dem Sofa und wünschte mir, der Tag sei schon wieder vorbei und ich dürfte zurück ins Bett. Ich habe mich durch diese 90 Minuten quälen müssen, wie andere Menschen sich durch 90 Minuten Bauch-Beine-Po. Ständig wollte ich abschweifen. Etwas anderes sortieren, lieber schonmal das Altpapier wegbringen – ja ich einmal hatte ich sogar Taschen in der Hand, um etwas einkaufen zu gehen, dessen Fehlen mir plötzlich sehr wichtig vorkam (war es nicht). Ich musste mich immer wieder daran erinnern, was ich da tue und mich ermahnen auch dabei zu bleiben. Genau das hat es so anstrengend gemacht – es war ein innerer Kampf.

Jetzt sieht mein Zimmer toll aus. Aber ich bin völlig am Ende. Und ich frage mich, ob ich den Kampf gegen mich selbst nun gewonnen oder verloren habe.

Liebe Busfahrer – mein Leben ist voll super organisiert – ehrlich jetzt!

Auf der Buslinie zu meiner neuen Arbeitsstelle – wo ich mir bis Ende des Jahres völlig sinnlos meine Energiereserven aufbrauche – muss man mich für den chaotischsten Menschen der Welt halten. Ich gebe zu: Die Indizien sprechen tatsächlich gegen mich. In den vergangenen Wochen haben Busfahrer und Mitfahrende Folgendes beobachten dürfen:

1. Lara verliert ihre Busfahrkarte irgendwo in der Fußgängerzone, wühlt aber die ganze 20-minütige Fahrt in ihrer riesigen Handtasche und verspricht: „Ich hab sie gleich!“ Der Busfahrer lässt sie dann kopfschüttelnd aussteigen. „Bringen Sie sie halt das nächste Mal mit!“

2. Schussel haben ja manchmal großes Glück – deshalb bekommt Lara ihre Busfahrkarte von einem anonymen Finder zurück (DANKE)! Am nächsten Morgen läuft sie gemütlich zum Bus, der ihr leider schon entgegen kommt. Falsch auf die Uhr geschaut? Der Busfahrer interpretiert die entgleitenden Gesichtszüge richtig und hält wenige Meter weiter unplanmäßig. Das überhebliche Grinsen und die anklagenden Blicke als Lara schließlich atemlos auf den Sitz sinkt, kennt sie schon. Denn in diesen zwei Wochen Buserlebnis hat sie es

3. noch nie geschafft die Busfahrkarte bereits in der Hand zu halten, als sie eingestiegen ist – egal wie lange sie bereits an der Haltestelle saß und

4. beim Ausstieg nie die Jacke angehabt, oder gar alle Bücher und den Laptop in der Tasche verstaut. Stattdessen wurde alles irgendwie chaotisch unter den Arm geklemmt. Der hektische Blick zurück auf den Sitz, ob auch nichts vergessen wurde, ließ so manchen vermuten, dass Lara hier das erste Mal aussteigt. Was natürlich Blödsinn ist. Die Haltestelle kommt nur immer genau so plötzlich wie Weihnachten.

A propos Weihnachten. Genau dieses Fest ist in diesem Jahr ein hervorragendes Beispiel dafür ,wie wunderbar organisiert ich bin. Wir schreiben den 2. Dezember und mir fehlt nur noch ein einziges Geschenk – dies wird morgen besorgt mit dem zu Beschenkenden. Und das obwohl ich derzeit 100 Prozent und mehr arbeite, studiere, mich nachts bewerbe und in den wenigen freien Minuten versuche liebevolle Freundin zu sein. Welch Organisationsaufwand das mit sich bringt, das brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Und dennoch würde ich es zu gerne mal all jenen ins Gesicht reiben, die mein Buschaos mit einem verächtlichen Lächeln strafen.

Aber wahrscheinlich bin ich auch einfach nur neidisch. Liebe noch nicht existente Blogleser. Wie schafft ihr es auf Bus- und Zugfahrten und während Wartezeiten an Haltestellen zu lesen und zu arbeiten und trotzdem im richtigen Moment ÖV-konform zumindest soweit zu funktionieren, dass der Fahrplan nicht euretwegen eine Verzögerung erfährt?