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Zuhören – oder lachen

Neulich an der Coop-Kasse:

Ich packe eilig meine Mittagessenutensilien in meine Tasche und sehe aus dem Augenwinkel, wie die Kassiererin den Kassenzettel abreisst, um ihn mir zu reichen.

„Danke, brauche ich nicht“, erwidere ich.

Dann hebe ich den Kopf und sehe, wie mich zwei Augen verunsichert und etwas ungläubig anblicken.

Was war schief gegangen?

Nunja, die Kassiererin hatte ihre übliche Reihenfolge unterbrochen und mich eben nicht gefragt, ob ich die Quittung brauche, sondern mir einen „wunderschönen Tag“ gewünscht.

Mein „Danke, brauche ich nicht“ kam da vielleicht ein klitzekleines Bisschen schroff rüber. Oder aber die Kassiererin war schlicht neidisch auf jemanden wie mich, der gute Wünsche gar nicht nötig hat, weil er auch so gute Tage hat.

Jedenfalls habe ich nun immer etwas zu lachen, wenn ich an diese Situation denken muss. Und dadurch wird tatsächlich jeder Tag ein bisschen besser.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderschönen Tag!

Hundeerziehung ist, wenn die Nachbarn nicht mehr mit dir reden

Große Liebe

Große Liebe

Ende August ist mein größter Wunsch in Erfüllung gegangen und Cita trat in mein Leben. Seither gibt es viele durchflauschte Stunden, sehr viel Glück, aber natürlich auch stressige Momente und Unsicherheiten. Wie das eben so ist, wenn man für ein anderes Lebewesen Verantwortung übernimmt und alles unbedingt richtig machen will.

Das fängt schon bei der Erziehung an. Da ich keine Hundeerfahrung und auch keinen Kontakt zu anderen Herrchen und Frauchen in meiner Stadt hatte, habe ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen und eine Hundetrainerin ausgewählt, die sehr gut zu mir passt. Die Wellenlänge stimmt und sie beobachtet mich und Cita liebevoll und streng.

Eine Regel, die sie mir auf den Weg gab, war den Kontakt mit anderen Hunden an der Leine erst einmal zu meiden. Weil Cita dazu tendiert, sich  machomäßig aufzuführen – besonders den Hunden gegenüber, die etwa 5 mal so groß sind wie sie. Ich war schockiert, als ich das hörte. Nicht einmal schnuppern sollte sie dürfen? Gar nie nicht? „Jetzt zieh das einfach mal vier Wochen durch – dann kann es schon ganz anders aussehen“, meinte meine Trainerin. Und Google sei Dank, wusste ich auch schon bald, dass die „kein Kontakt an der Leine“-Regel viele gute Gründe hat. Dass die Körpersprache der Hunde eingeschränkt ist und daher die Kommunikation mit anderen nicht funktioniert zum Beispiel. (Mehr dazu steht hier.)

Guten Mutes beschloss ich die Regel umzusetzen und erklärte auch meinen Nachbarn, deren Hunde bisher ausgiebig an Cita schnüffeln durften, dass das jetzt erstmal ein Ende habe. Aber sie könnten gerne mit mir die paar Meter zum Feld mitkommen, wo unsere Hunde gemeinsam frei herumspringen und spielen dürfen. Ich redete mir den Mund fusselig, als ich ihre enttäuschten Gesichter sah.

„Aber mein Hund tut doch nix!“

„Ja, aber MEINER zickt.“

„Ach, macht meinem nichts aus.“

„Das mag sein – aber sie gewöhnt es sich an und dem nächsten Hund macht es vielleicht schon etwas aus…“ Und so weiter und so fort.

Als ich den Hündeler-Nachbarn das nächste Mal begegnete, standen sie schon in einer Gruppe zusammen und tuschelten. Schließlich nahmen sie mich ins Gebet. „Also das ist doch neumodisch. Meine Schule macht das ja ganz anders.“

„Ich verstehe das ja, wenn das ihre Trainerin sagt, aber überlegen sie doch mal…“

Wieder ließ ich mich auf Diskussionen ein. Erst als eine Nachbarin meinte, ich würde meinen Hund „sozial isolieren“, nur weil ich auf Kontakt ohne Leine bestünde, wurde es mir zu bunt, und ich verdrückte mich mit einem kurzen „einen schönen Tag noch.“

Anschließend brummte ich nur noch „kein Kontakt an der Leine!“, wenn mir jemand entgegenkam. Manchmal war das aber auch gar nicht nötig, weil sich meine Schandtat herumgesprochen hatte und mir bisher fremde Menschen zu ihren Hunden sagten „nein, du darfst da nicht hin – der darf keinen Kontakt haben.“  Die besagten Nachbarn erwiderten keinen Gruß mehr und zogen auch in einer lokalen Tierfreunde-Gruppe auf Facebook über mich und meine Trainerin her.

Die vier Wochen sind jetzt  um und waren sehr wirksam, so dass ich Cita jetzt auch an der Leine wieder mit ausgesuchten Hunden schnüffeln und pfoteln lassen kann. Die Nachbarn haben davon natürlich nichts mitgekriegt – sie wechseln bei einer Begegnung noch immer die Straßenseite.

Grenzgänger-Geschichten: Vorurteil über eure Vorurteile

Als Grenzgängerin hat man es manchmal nicht leicht. So sehr man sich auch bemüht, angepasst und unsichtbar zu sein als Deutsche in der Schweiz – manchmal geht das einfach nicht. Zum Beispiel wenn man mit einem deutschen Kennzeichen zum Schweizer Arbeits- oder Studienort fährt. Irgendwo muss das Auto schließlich auch abgestellt werden, und natürlich möchten wir, genau so wie auch unsereSchweizer Kollegen auch, einen der raren weißen Parkplätze haben. Denn nur auf diesen darf man unbegrenzt und kostenlos stehen bleiben. Den Schweizerinnen und Schweizern liefern wir damit einen Grund mehr die Deutschen zu hassen: „Sie nehmen uns die Parkplätze weg!“ Ihr glaubt nicht, welch böse Blicke ich schon aus Fenstern und von Fußgängern erntete, wenn ich mein Auto nach langer Suche auf einem solchen Parkplatz im Wohngebiet abstellte.

Als ich diese Woche auf einem dieser begehrten Parkplätze stand und mich abends möglichst unauffällig zu meinem Auto schlich, passierte das, was früher oder später unvermeidlich war: Es sprang nicht mehr an. Die Ursache war schnell gefunden: Ich hatte das Licht nicht ausgeschalten und die Batterie war leer. Dummerweise stand ich am Ende einer abgelegenen Sackgasse – ich konnte also nicht darauf hoffen, dass jemand vorbeifahren würde, den ich um Hilfe bitten könnte. Panisch rief ich den Mann an.

„Ich steh im Nirgendwo! Was soll ich denn machen? Ich kann doch nicht bei Leuten klingeln und sie bitten, ihr Auto zu holen und zu überbrücken. Die hassen mich doch eh schon alle.“

Der Mann widersprach nicht und wir heckten gemeinsam einen Plan aus, der gleich mehrere Phasen und viele, viele Kilometer beinhaltete:

  • Er würde mit der Bahn zu seiner Mutter fahren, um ihr Auto auszuleihen.
  • Er würde zu mir fahren, um zu überbrücken.
  • Wir würden mit zwei Autos zu seiner Mutter fahren, um das Auto abzugeben.
  • Wir würden zu uns nach Hause fahren.

Klingt kompliziert? Ist es auch. Und dennoch schien es so viel einfacher und angenehmer als irgendwo zu klingeln. Doch kaum war der Plan geschmiedet, fuhr ein Auto am mir vorbei und stellte sich direkt vor mich. Ich würgte den Mann ab und hoffte das Beste. Ich wurde zur kleinsten Person der Welt, als ich neben dem Auto stand und darauf wartete, dass jemand ausstieg. In meine Bitte flochte ich viele Entschuldigungen ein und noch mehr „eventuell“, „vielleicht“ und „das wäre wirklich freundlich von Ihnen“. So wie ich es in der Schweiz gelernt hatte. Er grinste nur und meinte „Keine Frage.“

Schließlich stellte der junge Mann auch noch sein Überbrückungskabel zur Verfügung, weil ich an meines nicht heran kam (der Kofferraum öffnet sich nur mit Zentralverriegelung und die geht nicht ohne Batterie – großartige Konstruktion). Den Rest machte er im Grunde auch alleine – trotz seines schicken Anzugs, war er es, der im Motorraum herum spielte – ich wirkte schlicht zu unsicher mit den Polen und Kabeln.  Seine Hilfsbereitschaft schien absolut natürlich und obwohl er natürlich ins Hochdeutsche rutschte und mein Nummernschild sah, hatte ich keine Sekunde das Gefühl, dass es ihn stören könnte, dass ich vor seinem Haus einen weißen Parkplatz besetze.

Ich schämte mich plötzlich sehr. Ich hatte Vorurteile gehabt. Vorurteile, dass er Vorurteile haben würde. Ich hatte jeden Schweizer und jede Schweizerin in den Topf „hasst wahrscheinlich Deutsche“ geworfen, nur weil ich einige solche Erfahrungen gemacht habe. Wie schön, dass der Überbrücker mein Bild wieder etwas gerader rücken konnte.

Alltagsironie: Meine Rollersturzanekdote

Es war ja nicht so, dass mein Vater mich noch gewarnt hätte: Ja niemals Roller fahren, wenn es glatt sein könnte. Aber es war früh am Morgen, ich hatte es eilig und wer mit dem Fahrstuhl einfach nur in die Tiefgarage fährt, sieht ja auch gar nicht, dass es draußen schneit.

Jedenfalls passierte es schon in der zweiten Kurve – noch in Sichtweite von Zuhause. Der Roller rutschte einfach so unter mir weg und der Versuch ihn mit Knien und Füßen schon im Fall wieder aufzurichten scheiterte. Da lag ich – auf der eisigen Straße mitsamt Roller am Boden.

Voller Adrenalin riss ich das Gefährt wieder nach oben (wer hätte gedacht, dass ich soviel Kraft habe?) und wollte schon weiterfahren, da standen zwei Männer vor mir und redeten auf mich ein: „Geht es dir wirklich gut? Zeig mal deine Knie? Bist du ganz sicher, dass du weiterfahren willst?“

Ich stand wohl unter Schock, denn mein einziger Gedanke war: Ich muss zur Arbeit! Also stammelte ich: „Jaja, ist eben nur ein bisschen glatt heute…“

Plötzlich blickten die Männer schuldbewusst zu Boden: „Wir sind ja dran – wir können nur nicht überall gleichzeitig sein.“

Verwirrt schaute ich auf und suchte mit meinem Blick nach dem Fahrzeug, aus dem die Männer gestiegen waren, um mich zu versorgen. Es war ein Streufahrzeug.