Fleißiges Mädchen

Am Wochenende saß ich vor meinem Lieblingscafé, las in einem wissenschaftlichen Buch und machte mir Notizen. Leckereien, nettes Personal, flauschige Kissen und Fleecedecken sorgen dafür, dass es einer der gemütlichsten Orte überhaupt ist. Zugegeben, mein Lieblingsplatz dort ist recht exponiert: Es ist ein Strandkorb, der am Rande der Fußgängerzone steht. Den ein oder anderen neugierigen Blick muss man also in Kauf nehmen.

Ich sah die ältere Frau, die direkt in meinem Korb schaute, zunächst nur aus dem Augenwinkel. Doch dann blieb sie stehen und streckte den Kopf zurück über den Rand in meinen Korb hinein. Als ich aufblickte, nickte sie anerkennend.

„Na, sie sind aber fleißig!“

„Ja, natürlich“, stammelte ich und suchte nach etwas, was ich hinzufügen konnte. Sollte ich ihr erklären, was ich da tat? Sollte ich betonen, dass es für junge Leute heute kein Wochenende mehr gab? Sollte ich ihr sagen, dass ich hier freiwillig las – das nichts für die Uni, sondern nur etwas für mich war? Stimmte das überhaupt?

Da ich nichts hinzufügte, verschwand die Frau nach einem erneuten Nicken. Was blieb, war der Schreck über mein Gefühl. Es war der Stolz einer Sechsjährigen, die von ihrer Großmutter für erledigte Hausaufgaben oder eine gute Note gelobt worden war. Und alles, was ich hatte hinzufügen wollen, wäre doch nichts anderes gewesen, als das Heischen nach weiterer Anerkennung, nach mehr Lob für meine exponierte Fleißigkeit.

Dabei bin ich erwachsen und erfahren genug, um zu wissen, dass Fleiß keine Tugend ist. Dass er häufig eine Falle ist, in die besonders Frauen tappen. Fleißige Bienchen, die arbeiten ohne sich aufzulehnen. Ich habe genug darüber gelesen und reflektiert. Bei einem Lob für die Fleißigkeit sollten daher alle Alarmglocken angehen.

Und je länger ich nun über die Strandkorbesituation nachdenke, desto unmöglicher finde ich das Verhalten der alten Frau. Der Kommentar dieser Dame war anmaßend. Ich bin eben NICHT ihr Enkelkind, sondern eine Fremde. Was gibt ihr das Recht, meine Samstagnachmittagtätigkeit zu beurteilen, ja implizit sogar Aussagen über mein Wesen zu machen?

Aber just in dem Moment, in dem eine ältere Dame mich lobt, ist all das unbedeutend. Ich schrumpfe zusammen auf mein kindliches Bedürfnis nach Anerkennung. Ich freue mich, ich werde rot. Und ich will danke sagen. Danke, Oma.

Von Null auf 30 in vier Monaten – Fitnessziel erreicht

Als wir letzten Sommer auf die wundervolle Blümlisalp krakselten stellte ich fest, dass ALLE, die ich zu dieser Wanderung eingeladen hatte, eine bessere Kondition hatten als ich. Und das, obwohl ich doch so viel und so fleißig Yoga machte. Das war unangenehm – vor allem als Organisatorin dieses Trips. Aber was soll ich sagen? Sportlich war ich noch nie. Fitness stets ein weit entferntes Ziel.

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Ich heute. Direkt nach meinem ersten 30-Minuten-Lauf.

Dann erzählte mir eine Arbeitskollegin davon, dass sie – die ein Leben lang keinen Sport gemacht hat – sich plötzlich daran nervte, dass sie so außer Atem war, wenn sie zur Tram (für die Deutschen: zur Straßenbahn) rennen musste. Also begann sie mit dem Joggen. Ganz sanft, Schritt für Schritt. Und inzwischen rennt sie eine halbe Stunde. Ich war fasziniert und fühlte mich verstanden.

Mit einem fixen Plan zu trainieren liegt mir – da gibt es kein Entkommen. Die Termine sind gesetzt und wenn ich mir mal etwas vornehme, dann beisse ich mich da – meistens – auch durch. Also begann ich mit dem Lauftraining nach dem absoluten Anfängerplan von lauftipps.ch.

Dabei wechseln sich Laufsequenzen mit Gehsequenzen ab – und die Laufsequenzen werden immer länger. Trainiert wird 3 mal die Woche. Schon das erste Intervall mit 2 Minuten Joggen brachte mich völlig aus der Puste! Und dann nach einigen Tagen zickten auch noch die Knie herum. „Langsamer! Weniger! Längere Pausen!“, sagten Freunde, die es wissen mussten. Wie mich das nervte! Ich hatte doch einen Plan! Aber ich war brav und lief wirklich immer erst dann weiter, wenn das Knie nicht mehr schmerzte. Offenbar musste sich mein Körper auch erst einmal an diese neue Last gewöhnen.

Der dreiwöchige Vietnamurlaub brachte mich weiter in Verzug – denn dort zu joggen, war wirklich kein Spaß – ich habe es wenige Male durchgezogen und danach stundenlang Staub ins Taschentuch gehustet. Zurück zu Hause musste ich also wieder etwas zurückspringen in meinem Trainingsplan. Aber immerhin – dann kam nichts mehr in den Weg und ich konnte mein Training durchziehen.

Heute war es soweit! Ich bin das erste Mal 30 Minuten am Stück gelaufen. Ein tolles Gefühl! Auch wenn ich zwischendurch immer wieder stark daran zweifelte durchzuhalten, war ich doch am Ende kaum rot im Gesicht und stoppte nach exakt 30 Minuten und 6 Sekunden meinen Lauf mit dem Gefühl „also ein bisschen weiter hätte ich schon noch können…“

Die schönste Belohnung für mein Training hatte ich bereits vergangenes Wochenende: Nach sieben Jahren stand ich das erste Mal wieder einige Stunden auf den Skiern – und hatte danach KEINEN Muskelkater. Wenn das nicht für meinen neuen Fitnessstand spricht? So kenne ich mich wirklich nicht! Ob ich wohl auf meine „alten Tage“ noch sportlich werde?

Denn morgen oder übermorgen sollte dann auch meine zweite Belohnung in meiner Packstation liegen. Eine Pulsuhr! (Bestellt VOR dem Konsumfasten ;-))Ich mache weiter. Und im zweiten Trainingsplan – der mich ganz allmählich Richtung 60 Minuten Joggen führt – muss ich dann auch auf meinen Puls achten. Das wird mir ohnehin nicht schaden – denn in letzter Zeit bin ich sehr ehrgeizig geworden und immer noch schneller gelaufen.

Das Laufen tut mir gut – besonders bei der Arbeit in der Mittagspause genieße ich es wenigstens einmal am Tag in der Sonne zu sein. Und es ist toll auch im Winter draussen zu sein ohne zu frieren. Nur zur Gewichtsreduktion führt die Lauferei bei mir irgendwie nicht. Im Gegenteil: Ich habe Heißhunger – und zwar immer! So habe ich bereits 2 Kilo zugenommen. Aber ich hoffe jetzt einfach, dass mein Körper da schon irgendwie weiß, was er tut und sich das auch wieder normalisiert.

Vielleicht habe ich ja auch euch ein bisschen Lust gemacht – es ist tatsächlich möglich Laufen zu lernen – auch für Unsportliche wie mich 🙂

Keinen Konsum – Fasten 2014

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Regelmässige Lara-Laune-Lesende (welch Wortschöpfung!) kennen das ja schon. Zur Fastenzeit will ich mein Leben ändern. Nicht aus religiösen Gründen, sondern einfach, weil so ein bisschen Verzicht noch nie geschadet hat und ich daraus schon viel für mein Leben gewonnen habe. Zum Beispiel habe ich mich nach den letzten beiden Fastenperioden entschieden, dass ich wirklich kein Fleisch mehr brauche. Ich wollte schon als Teenager und danach eigentlich immer gerne Vegetarier sein, weil ich Tiere gerne habe. Aber geschafft habe ich es erst nach Ausprobierphasen, in denen ich gespürt habe, dass es wirklich geht.

Was ich sein lasse…

Dieses Jahr schraube ich an meinem Konsumverhalten herum. Die Dinge, die mir zuerst im Weg gestanden sind, dich ich unbedingt haben wollte, habe ich nun einfach vorbestellt. So will ich mir für meine abgegebene Diplomarbeit ein Armbändchen von Tiffanys gönnen. Und zur am Donnerstag erreichten Jogging-Stufe (30 Minuten am Stück – ich blogge bald noch darüber) gibt es für mich eine Pulsuhr, die ich soeben bestellt habe. Das ist ein bisschen tricksen, das gebe ich zu. Aber ohne diese Tricks hätte ich mich ganz gegen die Erfahrung entschieden – und das wäre doch auch schade.

Konsumfasten – für alle, die das noch nicht bei der zauberhaften Frau Buchsaiten gelesen haben – heißt im Grunde, dass man sieben Wochen lang auf alles verzichtet, was man nicht isst oder zur dringenden Körperpflege benötigt. Das wird für mich hart – denn ich bin doch überzeugte Gelegenheitskäuferin. Und Gelegenheiten wird es sicher viele geben in den kommenden Wochen. Auf ein Superschnäppchen zu verzichten tut mir als Halbschwäbin in der Seele weh. Aber genau dieses unbedachte Zugreifen will ich beobachten und mich da besser kennen lernen. Wie schwer fällt es mir, das einfach sein zu lassen? Welche inneren Bedürfnisse befriedige ich mit Spontaneinkäufen? Und natürlich: Lassen die sich nicht anders befriedigen?

Eine Ausnahme wird es geben: Ich gehe kommende Woche auf meine allererste Buchmesse – und wenn ich da ein tolles Buch kaufen und signieren lassen kann, werde ich das tun. Wie schwer oder leicht mir und den anderne TeilnehmerInnen der Verzicht auf Konsum fällt, könnt ihr übrigens auch auf Twitter nachlesen unter #Konsumfasten.

Auch ein bisschen Ernährungswandel gehört für mich wieder zum Fasten. Dieses Jahr:

  • Nur eine Süßigkeit pro Tag
  • Guarana statt Kaffee und Schwarztee (hemmt nämlich auch die Eisenaufnahme nicht)
  • Alkohol nur einmal die Woche

Was ich stattdessen tue…

  • Yoga. Jeden Tag. Wenn es nicht auf die Matte reichen sollte, dann doch zumindest ein paar Minuten Meditation.
  • Schreiben. Ob für den Blog, am Roman, Artikel für Zeitschriften oder einfach nur ein paar Gedanken in den Notizblock. Auch das: täglich.
  • Laufen. Wie gesagt – dazu mehr, wenn ich am Donnerstag tatsächlich mein erstes Ziel erreicht habe. Hier gilt: 3 mal die Woche.

Ich freue mich sehr, wenn ihr mich wieder bei meiner Fasterei begleitet! Und vielleicht regt ja das ein oder andere aus meiner Liste noch mehr Leute an? Morgen, Mittwoch, geht es los. Man darf noch einsteigen und die Regeln bestimmt jeder für sich selbst!

Der Mann mit dem Vogel und ohne Spuren

Als du klein warst, hast du deine Spielsachen kaputt gemacht und in den Bach geworfen. Du hast deine Eltern zur Verzweiflung getrieben. Auch weil du so anders warst als dein Bruder, der fleißig lernen und das erste Familienmitglied mit Hochschulabschluss werden sollte. „Der hat halt ein kleines Vögelchen “, sagten die Leute über dich. Diagnostiziert hat damals niemand, welches Vögelchen dir da im Kopf saß.

Ich habe das nicht gewusst – nicht gespürt. Denn Kindern ist es egal, ob sich jemand seltsam verhält. Sie finden es sogar toll, wenn Erwachsene anders sind, nicht so ernst. Ich weiß nicht viel über dich, weil der familiäre Kontakt abriss, als ich Teenager war. Aber ich weiß noch, dass ich gerne mit dir gespielt habe – auch wenn du manchmal über die Stränge geschlagen hast. Auch das habe ich nur gemerkt, weil andere Erwachsene erschrocken aussahen.

Manchmal sind Beerdigungen der Zeitpunkt, an dem man zum ersten Mal hört, wieviel ein Verwandter getan hat. Man erfährt, dass Großonkel bei jedem Wetter viele Kilometer zur Arbeit gelaufen sind und in wie vielen Vereinen der eigene Opa aktiv war, bevor er es nicht mehr sein konnte. Deine Beerdigung hingegen war kahl. Deine Frau weinte um sich selbst. Deine Familie wirkte unbeholfen – hatten doch die meisten jahrelang keinen oder fast keinen Kontakt zu dir gehabt.

Der größte Kranz kam von deinen Arbeitskollegen. Der einzige Nachruf ebenso. Sie schätzten deine Zuverlässigkeit, erzählten sie. Auch wenn es über dich „nicht viel zu sagen gebe“. Ein Mitarbeiter eben, der über 20 Jahre ungelernt Kartons verpackt und Lager einräumt hat.

Kann ein Mensch so unauffällig leben? Ich wünsche dir, dass du Spuren hinterlassen hast, die ich sehen kann. Ich wünsche dir auch, dass du dort, wo du jetzt bist, vielleicht besser hinpasst. Ich hoffe, du fühlst dich wohl – bei den Vögeln.

„Du machst das gut – und ich sehe es!“

Vergangene Woche hat meine direkte Vorgesetzte um einen Gesprächstermin mit mir gebeten. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber Termine bei/m ChefIn heißen für mich: Es gibt Ärger oder einen Umbruch. Ein wenig nervös war ich also heute schon, als so weit sein sollte, schon.

Buddha-AntenneDann wollte sie wissen, wie es mir geht. Ob ich mich wohl fühle, ob ich mir vorstellen kann länger zu bleiben und ob es noch etwas gibt, was wir anders gestalten könnten, damit es für mich wirklich passt. Es war ein sehr angenehmes Gespräch und ich habe mich gefreut, dass sie sich zwischen all ihren anderen Aufgaben Zeit für mich genommen hat – zumal es wirklich keinen aktuellen Anlass dazu gab. Dafür habe ich mich bedankt und was sie erwiderte, hat mich sehr berührt:

„Ich hätte das Gespräch gerne auch schon früher geführt. Menschen, die ihre Sache sehr gut machen und keinen Anlass für Sorgen oder Ärger geben, laufen Gefahr keine Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich wollte dir einfach sagen: Ich sehe es! Und ich bin sehr froh, dass wir dich haben.“

Ich fand das wunderschön und nachahmenswert! Wann habt ihr zuletzt jemandem dafür gedankt, dass etwas einfach gut läuft? Dass er es euch nicht schwer macht? Probiert es aus! Ich verspreche euch, ihr werdet überraschte Blicke und Freude ernten 🙂

Jahresrückblick 2013

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war dein Jahr?
Eine 8. Das hatte ich ja auch so vorhergesagt, oder? 🙂

2. Zugenommen oder abgenommen?
Bisschen fies, dass diese Frage immer so um diese Zeit kommt. Aber ehrlich gesagt: Ich stand seit Wochen nicht mehr auf der Waage und habe da jetzt auch gerade überhaupt keine Lust drauf. Gefühlt vielleicht ein bis zwei Kilo mehr. Leben macht eben hunrig.

3. Haare länger oder kürzer?
Länger. Bin jetzt wieder eine Langhaarblondine. Und wie jedes Mal, wenn das passiert, wird mir plötzlich total langweilig, ich schnippele am Pony rum und trage Hüte. 2014 möchte ich mir Curlformer zulegen – die neue Art der Lockenwickler ohne Hitze. Dann sehe ich wenigstens ab und zu anders aus.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Habe mir dieses Jahr eine Sonnenbrille mit Stärke zugelegt und dabei festgestellt: alles exakt beim Alten geblieben (-0,75).

5. Mehr Kohle oder weniger?
Mehr.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Besseren!

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Bisher war ja gar kein Geld da zum Ausgeben. Dieses Jahr habe ich also genossen, dass es mal mehr war und das auch gerne ausgegeben.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn ja, was?
Gewinnspiele: ein schickes Lesezeichen beim Buchblog um die Ecke und das geniale Buch von „Manomama“ Sina Trinkwalder bei Lovelybooks. Außerdem: Stipendium für einen spannenden Nachdiplomstudiengang und neuen Job – ach, und Lebenserfahrung sowieso.

9. Mehr bewegt oder weniger?
Schwierig zu sagen. Das Laufen bin ich erstmal falsch angegangen, halte mich jetzt aber seit einigen Wochen an einen Anfängerlaufplan und seither macht es Spaß. Yoga kommt allerdings wegen dem Laufen zu kurz. Und das geht ja eigentlich gar nicht. Yoga ist fast so wichtig wie Atmen. Muss also überdenken, wie ich beides in meinen Alltag integrieren kann.

10. Anzahl der Erkrankungen in diesem Jahr?
Zwei Erkältungen, einmal Erkältung mit Erschöpfungsfieber, einige Male Migräne.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Schlimm war eigentlich nur, dass die Erkältungen zu hartnäckig waren. Ich langweile mich im Bett einfach zu Tode! Aber insgesamt bin ich wirklich sehr zufrieden: Seit ich meine Ernährung umgestellt habe – also seit zwei Jahren – bin ich so viel seltener krank.

12. Der hirnrissigste Plan?
Im 6er-Zimmer in Brüssel zu übernachten. Ich bin einfach keine 20 mehr und ich HASSE es mich nachts an meinen Wertsachen festklammern zu müssen und mindestens zwei Schnarcher im Raum zu haben, zu denen ich keinerlei emotionale Verbindung hege.

13. Die gefährlichste Unternehmung?
Rollerfahrt in Vietnam. Aber das sah schlimmer aus, als es tatsächlich war. Radler, Autofahrer, Busse und Roller folgen nämlich nur einer einzigen Verkehrsregel: Wir geben aufeinander Acht. Das sieht dann zwar aus, wie ein wildgewordener Fischschwarm – aber habt ihr schon mal gesehen, dass in einem Fische ineinander krachen? Eben.

14. Die teuerste Anschaffung?
Eine wirklich große Anschaffung gab es nicht. Aber ich habe mir recht häufig Klamotten geleistet in diesem Jahr. Zusammengenommen komme ich damit vermutlich auf den größten Betrag, zumal auch zwei neue Kostüme für die Arbeit dabei waren.

15. Das leckerste Essen?
Ich habe dieses Jahr sehr oft sehr gut gegessen!
Vietnamesische Straßenküche: Man setzt sich an den Straßenrand auf Plastikstühle, zeigt auf irgendwas und nimmt noch einen frischgepressten Saft dazu. Foodorgasm garantiert. Und das für umgerechnet gerade mal zwei bis drei Euro.
Casa St. Antonio in Porto/Portugal: Von außen gesehen und sofort gewusst, dass es ein Geheimtipp ist. Nur durch Zufall einen Tisch bekommen. Der Kellner sah und verwirrt an und fragt, woher wir von diesem Laden wüssten. Dann gab es hausgemachten Sangria und Tapas mit Geschichten und ohne Bestellung. So lange, bis wir Stopp sagten. Unfassbar lecker. Allerdings müssen Vegetarier kurzzeitig vergessen, dass sie welche sind. Kostenpunkt: etwa 20 Euro für 2 Personen.
Indisch-Kochkurs an der VHS: Gemeinsam haben alle Kursteilnehmer sieben Gerichte gekocht – nach dem Familienrezept unserer Lehrerin. Wir wurden dabei sehr streng kontrolliert. Aber es hat dafür dann auch wirklich fantastisch geschmeckt. Kostenpunkt: 20 Euro pro Person – Reste durften mitgenommen werden – genauso wie die Rezepte.

16. Das beeindruckendste Buch?
„Sie kam und blieb“ von Simone de Beauvoir. Aber da ich dieses Jahr das erste mal die Goodreads Reading Challenge mitgemacht habe und 54,5 Bücher verdrückt habe, war wirklich viel Bewegendes dabei.

17. Der ergreifendste Film?
„Marley &me“. Mal ganz im Ernst: Die können doch den Hund nicht einfach sterben lassen? Furchtbar traurig.
18. Die beste CD?
„In a world like this“ von den Backstreet Boys. War jetzt klar, oder? Aber auch als Fan ist man nicht mit jedem Album zufrieden. Doch dieses ist eines der Besten, dass sie je gemacht haben. Und es ist auch das erste BSB-Album, dass an der Kasse mit einer anerkennenden Nicken quitiert wurde. „Hab es gestern schon gehört – ist wirklich gut!“ So der Verkäufer. Männlich.
19. Das schönste Konzert?
Ich war nur auf einem Konzert. Das war aber tatsächlich sehr schön: ein Rezital mit Anne-Sophie Mutter.

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Gefühlt: pendeln nach Zürich!
21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Schwimmen im und Grillen am Rhein. Natürlich hing das auch mit der Gesellschaft zusammen.

22. 2013 zum ersten Mal gemacht?
Ich freue mich sagen zu können: eine ganze Menge! Als da wäre:
Gemüse angepflanzt – auf dem eigenen Balkon! Gut, ich habe zwar monatelang die giftigen Paprikablätter gegessen, weil ich sie für Spinat gehalten habe, aber abgesehen davon lief es echt gut.
Mich mit internationalen Konflikten beschäftigt. Schlimm ist die Welt…
Wellnesstage auf Kosten der Krankenkasse (nennt sich Präventionsurlaub – zum Beispiel zu buchen unter http://www.akon.de).
Nur mit meiner Mama einige Tage verreist.
Mit einer Kräuterkur entgiftet.
Ein paar Worte vietnamesisch gesprochen.
Im Zürisee geschwommen.
In der Mittagspause gejoggt.
Eine Dienstreise mit morgens hinfliegen und abends zurück.
Die UNO und die EU besucht.
Etwas ganz allein und pi mal Daumen auf der Nähmaschine genäht.
Meine eigene Kurzgeschichte als Hörbuchveröffentlichung gehört – ein Wahnsinnsgefühl!

Und last but not least: Kopfstand ohne Wand.
23. 2013 nach langer Zeit mal wieder gemacht?
Jemanden, der mir sehr sympathisch war, gefragt, ob wir nicht befreundet sein möchten. Man verlernt sowas ja. Aber der Mut hat sich gelohnt. Habe nun endlich eine Freundin im Reallife gefunden, die auch mein Internetleben versteht – und ein ganz ähnliches führt.
24. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Bei der Arbeit zwischen die Fronten gestellt zu werden.
Von einem mir sehr nahestehenden Menschen angezweifelt zu werden.
Post vom Rechtsanwalt.
25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Dass es nicht an den äußeren Umständen liegt, ob man zufrieden ist.

26. Das schönste Geschenk, dass ich jemandem gemacht habe?
Dem Mann zum Jahrestag eine Segwaytour durch Porto. (Das hat er mir gerade grinsend eingesagt.)

27. Das schönste Geschenk, dass mir jemand gemacht hat?
Ein Flug nach Vietnam.

28. Der schönste Satz, den jemand zu dir gesagt hat?
„Vielen Dank für Ihre engagierte Arbeit. Man spürt eine tolle Energie, seit Sie da sind.“
29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
„Ich bin so froh, dass du wieder da bist.“ (Immer und immer wieder zur Rückkehrerfreundin aus den USA.)

30. Dein Wort des Jahres?
Endlich!

31. Dein Unwort des Jahres?
Konflikt

32. Deine Lieblingsblogs des Jahres?
Egal, was die Wurzelfrau macht – ob sie dichtet, singt oder DIY-Bastelanleitungen gibt, man spürt ihre Lebensfreude mit jedem Eintrag.
33. Zum Vergleich: Verlinke dein Stöckchen vom vorigen Jahr!
Rückblick 2012.

Ich klackere, also bin ich? Die Psychologie meiner Schuhwahl

„Du trägst ja hohe Schuhe!“

„Wer ich? Quatsch, schau mal!“ Ich ziehe mein Knie Richtung Kinn, damit meine Freundin die nur zwei Zentimeter hohen Absätze besser sehen kann.

„Ach ja, stimmt. Aber die klackern. Und das hast du doch sonst auch nicht, oder?“

Ich laufe mit meiner ehemaligen Mitbewohnerin zum Mittagessen und ihr Nachhaken bringt mich ins Grübeln. Sie hat Recht – egal ob damals in ihrer Wohnung, oder sonst irgendwo – Schuhe, die Lärm machen, trage ich selten. Allerdings hatte ich sie fast immer an den Füßen, wenn ich zu Brötchengeber XY ging. Was geht da in meinem Unterbewusstsein vor?

Über hohe Schuhe habe ich mir ja hier schon einmal Gedanken gemacht. Ich mag sie nicht, weil ich darauf wackliger bin, als in normalen Schuhen. Warum sollte ich mich instabiler zeigen, als ich bin? Das hat für mich auch einen klitzekleinen feministischen Aspekt: Ich will die Rolle der staksigen, unsicheren Frau nicht spielen, die manche Männer sexy finden, weil sie sich selbst daneben besonders stark fühlen. (Mehr dazu auch im Blog von Schriftsteller1.) Das heißt selbstverständlich nicht, dass man mich NIE in hohen Schuhen sieht. Schließlich verkleide ich mich auch gerne – so lange ich die Dinger bald wieder ausziehen darf.

Klackern = schöne Frau?

Vor einige Monaten eilte ich zum Baumarkt und griff dafür hektisch ins Schuhregal – farblich passten die Schuhe, aber es waren eben jene zwei-Zentimeter-Klackerschuhe, die ich auch beim Mittagessen mit meiner Freundin trug – eine ungewohnte Wahl für den Baumarktbesuch. Die Wirkung überraschte mich: Fast alle Männer im Baumarkt drehten sich um, als sie das Klack-Klack-Klack hörten. Viele lächelten mich an. Ich bin sehr oft im Baumarkt – aber so ist mir das noch nie passiert. Ich fragte meinen Freund, was das denn sei mit den Männern und dem Geklacker. Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht warum, aber wenn es klackert, rechne ich auch mit einer hübschen Frau.“

Das Erlebnis hat mir vor allem eines klar gemacht: Wer Lärm macht fällt auf. Und zwar, ob sie will, oder nicht. Einfach mal unauffällig irgendwo durchschleichen oder geräuschlos aus dem Raum verschwinden – all das ist nicht mit Klackerschuhen nicht möglich. Und wenn man klackernd zur Bahn rennt, können die Blicke richtig unangenehm werden. Das könnte ein Grund sein, warum ich – unbewusst – tatsächlich eher selten zu diesen Schuhen greife. Denn selbst, wenn mir morgens einmal nach Auffallen zumute ist, könnte es doch sein, dass ich abends lieber unsichtbar sein möchte. Wenn ich es mir so genau überlege, wähle ich tatsächlich eher an jenen Tagen, an denen ich mich stark und hübsch fühle solche Schuhen. Trage ich Klackerschuhe so habe ich höchstwahrscheinlich einen selbstbewussten Tag. Wenn es tatsächlich mehr Frauen so geht wie mir, würde mich auch nicht weiter erstaunen, dass der Mann bei dem Geräusch auch an eine schöne Frau denkt. Denn: Wer selbstsicher ist, ist schön.

Verstecken? Unmöglich!

Aber fühlte ich mich tatsächlich jeden Tag stark und selbstbewusst, wenn ich zu Brötchengeber XY ging? Das ist eher unwahrscheinlich. Allerdings war XY der einzige meiner – bis vor kurzem noch vier – Arbeitgeber, an dem ich mich jeden Tag in einer Sitzung behaupten musste – gegenüber den mir vorsitzenden Männern. Ich glaube, dass mein Unterbewusstsein mich jeden XY-Arbeitstag zu den Klackerschuhen greifen ließ, um besonders großes Selbstvertrauen vorzutäuschen. Das sorgte dafür, dass ich mich gar nicht erst verstecken und unauffällig verhalten konnte. Und glaubt mir, ich habe es versucht: An so manchem Tag habe ich die Schuhwahl bereut und versucht auf Zehenspitzen zu trippeln, um nicht auf den klackernden Absatz zu treten.

Inzwischen arbeite ich nicht mehr bei XY. Ich freue mich darüber, dass ich  bei meinem neuen Arbeitgeber auch auf leisen Gummisohlen gehört werde.