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Jahresrückblick 2015

Ich blogge ja sonst nicht viel – aber den Jahrerückblick lasse ich mir nicht nehmen – das ist so ein wuderbares Rückbesinnen. Und wie ich aus der Statistik entnehme auch bei euch recht beliebt.

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war dein Jahr?
Ganz schwierig. Hatte markerschütternde Tiefs. Aber auch gelernt, damit umzugehen – und insgesamt war ich tatsächlich einen Großteil des Jahres sehr ruhig und außergewöhnlich zufrieden. Das ist auch was wert, oder? Also eine 7.

2. Zugenommen oder abgenommen?
In etwa gleich viel – aber gewogen wird erst im Januar wieder 😉

3. Haare länger oder kürzer?
Länger. Unabsichtlich aber irgendwie auch okay so. Mal wieder wachsen lassen und dann wieder abschneiden.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Alles beim Alten: -0,75 – gerade kam eine neue Brille an und ich bin ganz verliebt. Ich habe den Gang zum Optiker nie leiden können, weil man da eine große Entscheidung in kurzer Zeit und ohne die Beratung von Freunden treffen muss. Das Bestellen und in Ruhe daheim rumprobieren liegt mir viel mehr!

5. Mehr Kohle oder weniger?
Gleich geblieben – mit hin und her hüpfenden Prozentzahlen im Job.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Derselbe Job, aber die Arbeit dort hat sich verbessert. Den Zweitjob habe ich daher kündigen können.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Puh. Ich glaube, ich gebe gerade ziemlich viel aus. Gerade der Geschenkekauf hat mir dieses Jahr einfach soviel Spaß gemacht…

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn ja, was?
Einen Roman in einer Buchbloggerverlosung. Und eine Yoga-DVD zum Muttertag für meine Mama. Meine vielen Versuche mit digitalen Adventskalender-Verlosungen blieben leider erfolglos.

9. Mehr bewegt oder weniger?
Mehr. Ich habe eine Yogaausbildung begonnen und demzufolge war ich pro Woche etwa an 6 von 7 Tagen auf der Matte. Ich hab das echt gebraucht – und brauche es noch immer.

10. Anzahl der Erkrankungen in diesem Jahr?
Nicht so viele – war ja ein schön warmes Jahr. Vielleicht ein, zwei Erkältungen und insgesamt halt immer mal wieder Neuro-Schübe. Aber ansonsten kann ich mich an nicht viel erinnern. Oft war es sogar so, dass das halbe Büro krank war und ich durchgehalten habe!

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Ehrlich gesagt das überlastete Handgelenk – das ist schon sehr lästig, wenn du viel Yoga machen möchtest…

12. Der hirnrissigste Plan?
Meinen Geburtstag an den vielleicht einzigen zwei kalten Tagen des ganzen Sommers auch noch ausgerechnet in den Bergen zu verbringen. Tja…

13. Die gefährlichste Unternehmung?
1 Woche im Dschungel ohne jeglichen Telefon/Handy/etc.-Emfang. Für mich schon relativ heavy. Aber habe ich natürlich überstanden…

14. Die teuerste Anschaffung?
Keine „Anschaffung“ im klassischen Sinne, sondern eher eine Investition – in den Beginn meiner Yogalehrerausbildung. Leider musste ich sie abbrechen, weil es für mich nicht mehr gestimmt hat. Aber ich hoffe, nächstes Jahr mein Plätzchen zu finden. Und ich habe zumindest für mich viel gelernt. Außerdem habe ich 170 Euro für einen Pullover ausgegeben, nachdem ich sehen konnte, wie toll er bei manomama.de produziert wird. Den muss ich jetzt eben ein Leben lang tragen 🙂

15. Das leckerste Essen?
Im Dschungel hat eine thailändische Familie für mich gekocht – das war natürlich der Hammer. Außerdem erinnere ich mich gerne an ein Käsefondue im Juli in Gerardmer mit Münster-Käse, Forelle in Mirabellen-Sauce im Tessin und des Mannes Spekulatius-Tiramisu!

16. Das beeindruckendste Buch?
War eines, das ich zuerst gar nicht lesen wollte. Ich hatte einen Vortrag bei einer Gruppe Senioren gehalten und zum Dank schenkte mir einer sein Lieblingbuch: „Im Keller“ von Jan Phillip Reemtsma – er schreibt über seine Entführung und was da unten in der Isolation mit seinem Verstand passiert. Finde es extrem beeindruckend, wie er so ein heftiges Erlebnis in Worte fassen kann.

17. Der ergreifendste Film?
„Verstehen Sie die Béliers?“ – was hab ich geweint, als die Tochter gesungen hat…

18. Die beste CD?
Das fällt mir ja jedes Jahr leicht, da ich mir pro Jahr höchtens eine kaufe… diesmal den Soundtrack zum oben genannten Film.

19. Das schönste Konzert?
Ich war leider auf keine Konzert dieses Jahr. Der Mann und ich hatten nur eines auf dem Plan – und stattdessen sind wir lieber früh ins Bett. Ups. Klingt nach einem Vorsatz fürs nächste Jahr, oder?

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Arbeit und Yoga

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Meiner kleinen Familie – dem Mann und Sukhi. Wir sind einfach nur noch mit kleiner weißer Fellnase komplett. Und mit Yoga.

22. 2015 zum ersten Mal gemacht?
Ein Zeitschriftendossier geschrieben, ehrenamtlich Kleider sortiert, an einem Yogaretreat teilgenommen, eine e-Book-Veröffentlichung geplant, Mantras gesungen, Mandalas gemalt, um ein mir wirklich nahestehendes Lebewesen getrauert, auf einer Intensivstation gebangt, eine Näherei besucht.

23. 2015 nach langer Zeit mal wieder gemacht?
Ein ehrliches Gespräch mit dem Chef geführt (mit gutem Ausgang), Urlaub mit einer Freundin.

24. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Citas Unfall.
Bangen um meinen Vater auf der Intensivstation.
Von einer Lehrerin enttäuscht zu werden.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Eine Freundin, die ganz am Boden war, dass sie ihre Masterarbeit doch noch schaffen wird. Und sie hat es geschafft!

26. Das schönste Geschenk, dass ich jemandem gemacht habe?
War eigentlich eher eine Kleinigkeit, aber sie hat für große Freude gesorgt: Hatte für ein Yogawochenende meiner Freundin, die keine Zeit mehr hatte und krank war, ein Vesper- und Survival-Paket geschnürt.

27. Das schönste Geschenk, dass mir jemand gemacht hat?
Das gerettete Leben von meinem Papa. Hat uns meine Mama geschenkt!

28. Der schönste Satz, den jemand zu dir gesagt hat?
„Das ist wirklich ein Nachschlagewerk für die Ewigkeit, was du da geschaffen hast.“

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
„Du bist unser persönliches Weihnachtswunder.“

30. Dein Wort des Jahres?
Yoga

31. Dein Unwort des Jahres?
Tod

32. Deine Lieblingsblogs des Jahres?
Leider gab es dieses Jahr keinen, der für mich wirklich herausgestochen ist – auch wenn ich viel in Blogs gelesen habe. Aber meistens waren halt nur 1 oder 2 Artikel für mich interessant dort.

33. Zum Vergleich: Verlinke dein Stöckchen vom vorigen Jahr!
Rückblick 2014

Yoga im Dschungel – mein heilendes Retreat

Es meditiert in mir

Es ist einfach, den Alltag beim Meditieren auszublenden, wenn man so fern vom Alltag ist.

Unser Wecker ist der Gibbon. Dieser Menschenaffe, der hoch oben in den Dschungelwipfeln wohnt und eigentlich nie zu sehen ist, ist das Maskottchen von Jungle Yoga im thailändischen Khao Sok National Park. Er klingt ein wenig wie eine übende Opernsängerin. So eine Mischung aus leicht verzweifelten und doch irgendwie freudig-erregten Stimmzittern. Manchmal zumindest. Ein andermal scheint der Ruf des Gibbons eher ein freudiges „Huhu“, dass sich langsam dem Kreischen einer Sirene annähert. Und wem das jetzt alles zu theoretisch ist: Die Pächter des Dschungelyogas haben ganz tolle Aufnahmen gemacht. Am besten ihr startet alle Sounds gleichzeitig, dann wisst ihr, welche Geräusche euch im Urwald umgeben.

Ganz schön laut, oder? Und trotzdem muss ich sagen: Ich bin noch nie so zur Ruhe gekommen, wie in dieser Woche im Urwald. Wir lebten auf dem Wasser – alle unsere Hütten, das Restaurant und auch die Yoga-Sala (also unser Übungsort) schwammen auf dem Wasser. Ich glaube, es war auch die Qualität des Wassers, die das Leben und das Yoga zu etwas Besonderem machten. Die Ruhe ist nämlich eigentlich ein Fließen: Alles fließt, alles bleibt in Bewegung – da kommen auch Dinge in dir in Bewegung, die bisher erstarrt waren.

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This is where the magic happens.

Soviel zum Ort. Mir fällt es schwer, meine Erfahrung in Worte zu fassen, weil so viel passiert ist und alles so tief ging. Ich glieder es deshalb einfach in einzelne Erfahrungen, die mich besonders berührt haben.

Kommunikation  – wir reden nicht schlecht über uns oder andere

Ihr kennt sicher diese gruppendynamischen Prozesse, die entstehen, wenn ein Haufen Wildfremder zusammenkommt, um zusammen etwas zu lernen oder zu unternehmen. Ganz schnell bildet sich heraus, wer welche Rolle einnimmt: der Freak, die Vorlauten, die Streber, die, die nur zusammenglucken, die Stillen… Natürlich war das auch im Dschungel nicht anders. Dennoch hat eine Regel, die uns gleich zu Beginn vermittelt wurde die Gruppenbildung ziemlich durcheinander gewürfelt: „Wir reden nicht schlecht über uns selbst oder über andere – seht es als Experiment.“ Und nach einer Woche muss ich sagen: Was für ein großartiges Experiment! Da ich mit meiner besten Freundin ein Bungalow teilte, hatten wir natürlich erschwerte Bedingungen und mussten unser gewöhnliches Tratschen anfangs unterdrücken. Und dann passierte wundervolles: Die zu lauten stellten sich Tage später als sehr nette, aber vielleicht etwas unsichere Personen heraus und drosselten automatisch ihre Lautstärke, die Streber fielen gar nicht mehr auf, weil jeder mit seiner Praxis beschäftigt war, die Abgeschotteten lernte man am Schluss doch auch noch kennen und der Freak war sowieso liebenswert. Wie viel es verändert, wie viel offener man selber bleibt, wenn man seine Vorurteile nicht laut ausspricht! Das hat mich wirklich erstaunt.

Und wie gut es tut, mal ausnahmsweise nicht schlecht über sich selbst zu reden, brauche ich wohl niemandem zu sagen, oder? Das ist Seelenbalsam pur.

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Du bist gut so wie du bist.

Yoga mit verbundenen Augen

Wir waren alle gespannt, wozu wir Augenbinden mit den Urwald bringen sollten. Vor allem da wir ansonsten ja recht stark eingeschränkt wurden in unserem Gepäck („Take as less as possible!“). Ein bisschen fürchtete ich mich davor, irgendwelche Vertrauensspielchen mit fremden Menschen machen zu müssen, weil ich mich nicht immer wohl damit fühle, andere anzufassen. Doch bei unserer Übung mit der Augenbinde ging es nur darum, dass wir uns wirklich mehr auf UNS SELNST konzentrieren und nicht von dem ablenken lassen, was neben unserer Matte passiert. Und wie fühlt sie sich nun an, die 2-Stunden-Praxis mit verbundenen Augen? Zum einen habe ich jegliches Zeitgefühl verloren – die Praxis war so schnell vorbei, dass ich der Lehrerin auch geglaubt hätte, wenn sie behauptete, wir hätten wir nur eine halbe Stunde geübt. Das lag auch daran, dass man wirklich extrem konzentriert zuhören musste. Schnell mal gucken, weil man etwas nicht ganz verstanden hatte, war eben nicht. Meine Gedanken hatten also auch nicht die geringste Chance woanders hinzuwandern. Wer absolut im „Hier und Jetzt“ Yoga üben will: einfach mal die Augen verbinden! Bei mir hatte es auch noch den positiven Effekt, dass ich das Vergleichen endlich ganz sein lassen konnte. Und plötzlich habe ich mich gefühlt, wie die Queen of Yoga – weil ich jede Übung eben genau so gut gemacht habe, wie ich sie konnte – ganz egal, was die anderen so trieben.

Wandern in Stille

Nach ein paar Tagen war unsere Gruppe so ein richtiger Chit-Chat-Verein. Wir kicherten, blödelten und tauschten all unsere bisherigen Lebenserfahrungen aus. Kein Essen ohne anregendes Gespräch! Und mitten in diese fröhliche Stimmung hinein, will uns unsere Yogalehrerin verklickern, dass Kommunikation zu viel Energie kostet und wir für einen Abend und eine Morgenwanderung komplett schweigen sollen. Ich war empört! Was soll denn das bringen? Und wieder hatte ich erschwerte Bedingungen, weil wir ja eben zu zweit im Bungalow waren – nicht einmal „gute Nacht“ sagen zu können und meine Freundin nicht auf die dicke Spinne im Bad aufmerksam machen zu dürfen – all das fiel mir enorm schwer. Und am nächsten Morgen bei der Wanderung fand ich es vor allem schade, dass uns unser Guide uns nur Dinge gezeigt hat, aber nichts dazu erzählen konnte – wenn wir doch schon so eine urwaldkundige Frau bei uns haben, hätte ich so gerne einfach mehr erfahren. Nein, so ein Schweige-Retreat wäre definitiv nichts für mich! Zumal ich es als Einzelkind ohnehin gewohnt bin, zu schweigen oder mich zurückzuziehen, wenn mir Gesellschaft zu viel wird. Ich schwatze nur, wenn ich auch Lust dazu habe oder einen Sinn darin sehe. Daher war der schönste Moment der Schweigeerfahrung für mich auch eindeutig das Brechen des Schweigens: Wir sassen in einer stockdunklen Tropfsteinhöhle auf dem Boden, schalteten unsere Taschenlampen aus – eine solche Schwärze und eine solche Stille hatte ich noch nie erlebt – meditierten ein paar Minuten und liessen dann ein „Om“ ertönen. Auch wenn das Schweigen selbst nichts für mich war, nehme ich doch gerne mit, was uns zum Ende des Schweigens ans Herz gelegt wurde: „Überlegt euch immer wieder bevor ihr etwas sagt: Ist es wahr? Ist es nötig? Und kann ich es auf nette Weise sagen?“

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Unser schwimmendes Dorf im Dschungel.

Das thailändische Neujahrsfest – Sawadi Sonkrang!

Die Thailänder begrüßen ihr neues Jahr mitten im April. Da wir ja im Dschungel „in the middle of nowhere“ waren, dachte ich schon, dass ich davon wohl gar nichts mitkriegen würde – aber glücklicherweise, hat uns die thailändische Crew voll in ihre Feierlichkeiten mit einbezogen. Es gab Geschenke (ein Holzwürfel, um die Akupunkturpunkte der Hand zu massieren), wir wurden angemalt mit einer wohlriechenden Kräuterpaste und natürlich das allerwichtigste: nassgespritzt. Also zuerst. Dann mit Wasser übergossen. Dann ins Wasser geschmissen. Dazu hat eine der Thailänderinnen gesungen und mit den Handgelenken und Hüften gekreist. Es war so schön mit anzusehen, wie plötzlich Crew und Urlauber jegliche Scheu voreinander verloren und miteinander blödelten. Zudem hat es mir unfassbar gut getan, dass Jahr einfach noch einmal neu zu beginnen, nachdem meines so schrecklich angefangen hatte. Und damit kommen wir auch gleich zum nächsten Punkt…

Den Schmerz loslassen

Zuhause habe ich mich oft gefragt, wie das funktionieren soll: Die Trauer um meine verlorene Hündin Cita zuzulassen und gleichzeitig den Schmerz loszulassen. Eine liebe Freundin hatte mir gesagt, dass der Schmerz automatisch geht, wenn man sich ihm neugierig zuwendet. Das sagt sich so leicht. Zuhause muss man ja auch funktionieren. Und nach wochenlangem Weinen verliert auch das Umfeld langsam aber sicher die Geduld und man verdrängt den Schmerz eben doch – es ist ja auch entspannender hart zu arbeiten als die ganze Zeit zu weinen – ganz ehrlich! Im Dschungel aber war es weder möglich noch nötig irgendwas zurückzuhalten. Schon bei den ersten Yogastunden sind die Tränen einfach still gekullert. Später dann habe ich viele schöne Gespräche geführt mit meinen Mityogis und den zwei Yogalehrerinnen. Besonders „meine“ mitgereiste Lehrerin war einfach großartig. Sie wusste was passiert war und hat sich Zeit für kleine Privatsessions mit mir genommen. Sie hat mir gezeigt, wo die traumatische Erfahrungen im Körper oft festsitzen (im Psoas nämlich) und wie man mit Hilfe von Zitterübungen auch die psychische Heilung unterstützen kann. Das alles – und auch die Zeit, die ich mir wieder und wieder zum Weinen und zum Aufschreiben meiner Trauer genommen habe – haben mir so unfassbar gut getan. Meine ganze Körperhaltung hat sich verändert. Meine Schultern waren nach vorne gekippt – „logisch, du versuchst dein Herz zu schützen“ – und andere körperliche Macken haben sich ebenfalls verstärkt. Tatsächlich stand ich nach einer Woche ganz anders da. Und es macht so viel aus, WIE man durchs Leben geht! Am letzten Tag dann, habe ich noch einmal angefangen zu weinen, weil wir kleine Kokosschiffchen mit Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen basteln sollten. Diese haben wir dann nachts – wieder unter thailändischem Gesang – aufs Wasser gleiten lassen. Als Zeichen für alles, was wir da lassen wollten. Für mich ein erneutes Abschiedritual. Nur diesmal habe ich mich nicht von meiner Cita – sondern von meinem Schmerz und meinen Schuldgefühlen verabschiedet.

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Was möchtet ihr hier lassen? Was nehmt ihr mit von dieser Woche?

Yin-Yoga

Zu guter Letzt habe ich auch noch einen Yogastil kennen gelernt, der für mich neu war und mir gezeigt hat, dass Yoga wirklich nicht immer sportlich sein muss. Meistens war es das nämlich auch im Retreat so. Aber 3,5 Stunden Yoga pro Tag ermüden auch, und so haben wir uns eines Abends eine 2-stündige Yin-Yoga-Session gegönnt. Dabei hält man jede Pose mehrere Minuten und die Posen sind meist nicht kraftvoll, sondern dehnend oder entspannend und nah am Boden. Überhaupt habe ich immer wieder gespürt, wie wichtig der Boden für mich ist. Denn nur, wer richtig geerdet ist, kann auch wieder gen Himmel wachsen.

Ich bin unglaublich dankbar, dass ich all dies genau jetzt erfahren durfte. Und Yoga nimmt nun noch einen viel wichtigeren Teil in meinem Leben ein, weil ich genau gespürt habe, wie richtig es für mich ist. Ich bin gespannt, wohin mich diese Reise führt.

Danke, Cita <3

IMG_6843Wenn Dinge zu Ende gehen, denken wir an ihren Anfang. Vielleicht ist das so, weil wir mit Anfängen besser umgehen können, als mit Dingen die enden. Besonders, wenn es wundervolle Dinge sind und das Ende viel zu früh kommt.

Seit du am vergangenen Freitag unsere Welt verlassen hast, meine Cita, muss ich jedenfalls ständig an die ersten Tage denken. An diesen Bildern halte ich mich fest. Ich hoffe, dass sie bleiben. Und dass sie die Bilder von deinem Unfall ersetzen werden. Irgendwann. Denn ich möchte dich als liebendes Eisbärchen in Erinnerung behalten.

Mein erstes Bild ist eines vom Juni vergangenen Jahres, als wir die Züchterin besuchten, um dich kennen zu lernen. Ich versuchte, nicht zu emotional zu werden. Mich nicht schon vor Ort zu entscheiden und zu verlieben, weil ich ja ach so vernünftig sein wollte. Erst im Anschluss sachliche Gespräche mit dem Mann führen. Wir das Für und Wider einer Bauchentscheidung besprechen. Was für ein absurder Gedanke eigentlich. Waren wir doch schon einmal so weit gekommen und saßen hier: streichelten dich! Und ich lies den Gedanken deshalb auch in dem Moment los, als ich dich, liebe Cita, von meinem Schoß auf den des Mannes setzte, und du ihn ganz vorsichtig beschnuppert hast – mit einem Blick der ihn direkt ins Herz traf. “ Oh. Du bist ja aber eine Charmeurin“, sagte er. Und irgendwie war es dann klar.

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Short dog, long hair.

Auf dem zweiten Bild in meiner Erinnerung sitzt du auf meinem Schoß. Und zwar auf der Rückbank in unserem Auto. Zuhause warten allein fünf Fressnäpfe, unzählige Spielsachen, flauschige Körbchen und Decken auf dich. Ganz ehrlich Cita: Du hast ausgesehen wie der typische Omahund, als wir dich holten. Das fast 30 Zentimeter lange Fell überall. Die Körperhaltung aufrecht und stolz wie bei einer Zuchtschau und dann diese fürchterliche rote Schleife, die dir die Haare aus der Stirn hielt. Aber das habe ich alles nicht gesehen. Bei mir kam nur an, dass du mich die ganze Fahrt über beobachtet – mit deinen riesigen dunklen Knopfaugen. Die kleine Zunge hing aus deinem Mund: Stresshecheln. Unter meine Vorfreude mischte sich ein schlechtes Gewissen, dass ich dich mit knapp über einem Jahr aus deinem Rudel herausnahm. Aber dort gab es für eine Hündin mit großem Charakter und kleinem Schönheitsfehler keinen Platz mehr. Und ich hatte so lange auf dich gewartet und gehofft. Ich habe dich ununterbrochen gestreichelt und mir selbst geschworen, dir zu zeigen, wie aufregend ein Hundeleben auch ausserhalb des Rudels sein kann. Mit dir alles zu entdecken. Dabei habe ich damals noch nicht einmal geahnt, wie wenig du bisher von der Welt gesehen hast. Dass du die Küche für deine Toilette und den Garten für den Rest der Welt gehalten hattest. Weißt du noch, als du das erste Mal eine Fährte aufnehmen konntest? Schnuppern und laufen, ohne dir dabei selbst auf das Fell zu treten? Von da an hast du dein Näschen fast gar nicht mehr von Boden entfernt. Ich hoffe, du würdest mir zustimmen, dass das den stressigen Friseurbesuch wert war.

Ja, wir haben deine Welt auf den Kopf gestellt – und ich bin so dankbar und glücklich, dass du mich von Anfang an zu deinem Anker, deiner Sicherheit in dieser neuen Welt gewählt hast. Und glaub uns: Du hast unser Leben kaum weniger verkehrt. Am Anfang haben wir kaum zu sprechen gewagt, weil wir nicht zu laut sein wollten. Wir lauschten stattdessen auf das Trappeln deiner Pfoten und flüsterten: „Wo ist sie jetzt?“ Dass du so unsicher warst, selbst vor dem Geräusch eines Rolladens zurückgezuckt bist, hat auch uns verunsichert. Besonders der Mann hat darunter gelitten, dass du ihn so beängstigend groß fandest, dass du sogar meintest, mich vor ihm beschützen zu müssen. Wir wollten so sehr alles richtig machen für dich! Das hat mich zu Beginn fast gelähmt. Ich erinnere mich an den leicht amüsierten Blick der Hundetrainerin, als sie uns das erste Mal erlebte und sich unsere Sorgen anhörte: Laufstreik. Alle vier Pfoten bremsend ausgestellt.  „Ja, woher soll sie sich auch sicher sein, dass sie mit euch mitkommen kann, wenn ihr da selber gar nicht so sicher seid?“, sagte sie. Wie recht sie hatte. Und die Arbeit begann.

Das verschlagene "das Sofa gehört nur mir"-Gesicht

Das verschlagene „das Sofa gehört nur mir“-Gesicht

Eigentlich hatte ich ja gedacht, dass wir nun dir etwas beibringen würden. Aber Cita, die Wahrheit ist: Du warst unsere Lehrerin. Du hast uns gezeigt, dass man nur mit Geduld und nur, wenn man selbst daran glaubt, etwas erreicht. Dass ruhig und souverän zu sein soviel mehr bringt, als  aufgeregt und laut. Du hast uns beigebracht, dass jeder Morgen, an dem man sich wieder sieht, ein Grund zur Freude ist. Und dass nichts – absolut gar nichts – ein Problem ist, so lange man nur in der Nähe der Liebsten ist. Wenn ich bei der Arbeit kurz vor dem durchdrehen war, habe ich zu dir geschaut und deine kleine Palme hat sofort rhythmisch hin- und herzuwedeln begonnen. So lange das so war, was sollte mir da passieren? Ich hatte  im Vorfeld große Angst davor, Verantwortung zu übernehmen. Doch kaum warst du da und hast mich gebraucht, war es für mich das Selbstverständlichste der Welt, für dich zu sorgen. Deine Bedürfnisse über meine zu stellen. Ich war stolz darauf. Ich war deine Mama. Das war eine neue Seite an mir und ich danke dir, dass ich sie durch dich kennen lernen durfte.

Und auch wenn du es gar nicht gerne gesehen hast, wenn der Mann und ich uns geküsst oder gestreichelt haben – und in diesem Moment weniger Aufmerksamkeit für dich hatten – hast du auch den Mann und mich sehr viel näher zusammengebracht. Du hast mir Seiten an ihm gezeigt, die ich immer vermutet hatte. Wenn er, der große Mann, sich stundenlang zu dir herunter auf den Boden kniete, um dir mühsam mit dem Klicker eine Rechtsrolle beizubringen. Wenn du ihm stundenlang spielerisch in die Hand beissen durftest, bis dort kleine blaue Flecken entstanden. Wenn er heim kam und ihr BEIDE wie Teenager gequiekt habt vor Wiedersehensfreude. Ja, dann habe ich ihn noch mehr geliebt als je zuvor. Weil wir dich gemeinsam so sehr liebten.

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Die schönsten Momente waren die, in denen wir beide gelächelt haben.

Cita, habe ich dir das oft genug gesagt? Aus Menschensicht, habe ich es vermutlich häufiger gesagt, als es die meisten für normal oder gesund halten würden. Aber was wissen schon Menschen. Du hast mir mit jedem Blick gesagt, dass du mich liebst. Und ich habe versucht, es so gut ich hinterher kam, zu beantworten. Ich bin sehr froh, dass ich es auch letzten Freitag, bei unserem morgendlichen Wachknuddelritual gesagt habe. Auch so etwas, was mir unglaublich fehlt. Und ein Bild, das ich behalten möchte: Ich schlürfe verschlafen aufs Sofa, um dort mit voller 3-Kilo-Wucht angesprungen zu werden, weil du schon so so lange neben dem Bett darauf gewartet hattest, dass ich endlich die Augen aufschlage, dich ansehe, kuscheln komme.

Das Bild, das ich aus deinen letzten Lebenswochen mitnehme, ist ein ganz anderes. Eine andere Cita. Und das nicht nur, weil du ein Schneenäschen warst. So heißen – auch das habe ich neu gelernt – Hunde deren Nase im Winter heller ist als im Sommer. Von deiner anfänglichen Unsicherheit war keine Spur mehr zu sehen. Ja, du bist uns ziemlich auf der Nase herumgetanzt – verzeih, wenn ich das so deutlich sagen muss. Auch hier denke ich wieder an unsere Hundetrainerin, die mir prophezeite, dass es bis zu einem halben Jahr dauern kann, bis der Hund wirklich angekommen ist, und man seinen wahren Charakter sieht. Dein wahrer Charakter war wild. Verspielt wie ein Welpe. Übermütig und selbstsicher. Auch weil du überzeugt davon warst, dass wir schon auf dich aufpassen würdest. Du hast riesengroße Hunde herausgefordert, um dich dann schnell hinter meinen Beinen zu verstecken. Wir waren so gespannt auf die kommenden Monate und hatten so große Lust darauf, mit dir zu arbeiten. Ich will dich nicht anlügen: Wir wären wohl strenger mit dir geworden. Aber nie böse – da kannst du dir sicher sein! Jetzt, da du auch Sprungkraft und Ausdauer aufgebaut hattest, wollten wir endlich lange Touren mit dir machen.  Und wir hatten schon überlegt, wie wir dich zum Rheinschwimmen überreden würden – natürlich mit Babyschlauchboot im Schlepptau, falls du müde werden würdest.

Foto 15.01.15 16 12 56Am letzten Freitag habe ich unterschätzt, wie unberechenbar deine Bewegungen und Ideen geworden sind. Ich hatte zu sehr die alte Cita im Kopf, die tapfer Würstchen und duftendes Futter ignorierte, nur um brav neben mir herzulaufen und mich anzusehen. Es tut mir so leid Cita. Ich höre wieder und wieder, dass es keine Schuld gibt, und dass dein Tod vielleicht einen höheren Zweck hatte. Aber welchen Zweck soll es gehabt haben, dir dein junges Leben zu entreissen und uns einander? Hat mich jemand gefragt, ob ich bereit bin, diesen Preis zu zahlen? Egal für was? Oder dich?

Jetzt weine ich schon wieder – und das wollte ich eigentlich nicht. Ich wollte, über die schönen Bilder sprechen, die mir bleiben. Und deshalb schließe ich jetzt. Und zwar damit, wie oft du mich zum Lachen gebracht hast. Hundebesitzer kennen das vielleicht: Man steht auf einer Wiese und lacht schallend über die neueste Idee des kleinen Begleiters. Und Spaziergänger laufen vorbei, gehen langsamer, weil sie wissen möchten, was so witzig ist. Sie entdecken aber nichts, was sie auch nur im geringsten komsich finden, und laufen schließlich kopfschüttelnd weiter. Zuletzt ist mir das mit dir vor zwei Wochen passiert. Du warst mit deiner Pfote aus deinem Mäntelchen geschlüpft und ich beschloss, es dir ganz auszuziehen, da es draussen viel wärmer war, als ich vermutet hatte. Doch kaum hatte ich dir den Mantel, der noch an der Flexileine hing, über den Kopf gezogen, hast du danach geschnappt. Und gezerrt wie ein Großer! Bis zum Leinenstopp. Dann rutschte dir der Mantel aus den Zähnen und surrte an der Leine zurück zu mir. Was für ein Spaß! Hinterhergejagt, zugepackt, rausgezerrt, weggesurrt – so ging das bestimmt zehn Minuten. Was ein tolles Spiel, was für eine Show, für ein Hündchen, das bisher weder apportieren noch jagen wollte!

IMG_20150215_142620Meine Cita. Auch kleine Hunde hinterlassen eine große Leere. Aber du hinterlässt so viel mehr. Ich danke dir für jeden Moment. Du wirst für immer in meinem Herzen sein. Mein Stinkerchen, mein Eisbärchen, mein Baby.

Fleißiges Mädchen

Am Wochenende saß ich vor meinem Lieblingscafé, las in einem wissenschaftlichen Buch und machte mir Notizen. Leckereien, nettes Personal, flauschige Kissen und Fleecedecken sorgen dafür, dass es einer der gemütlichsten Orte überhaupt ist. Zugegeben, mein Lieblingsplatz dort ist recht exponiert: Es ist ein Strandkorb, der am Rande der Fußgängerzone steht. Den ein oder anderen neugierigen Blick muss man also in Kauf nehmen.

Ich sah die ältere Frau, die direkt in meinem Korb schaute, zunächst nur aus dem Augenwinkel. Doch dann blieb sie stehen und streckte den Kopf zurück über den Rand in meinen Korb hinein. Als ich aufblickte, nickte sie anerkennend.

„Na, sie sind aber fleißig!“

„Ja, natürlich“, stammelte ich und suchte nach etwas, was ich hinzufügen konnte. Sollte ich ihr erklären, was ich da tat? Sollte ich betonen, dass es für junge Leute heute kein Wochenende mehr gab? Sollte ich ihr sagen, dass ich hier freiwillig las – das nichts für die Uni, sondern nur etwas für mich war? Stimmte das überhaupt?

Da ich nichts hinzufügte, verschwand die Frau nach einem erneuten Nicken. Was blieb, war der Schreck über mein Gefühl. Es war der Stolz einer Sechsjährigen, die von ihrer Großmutter für erledigte Hausaufgaben oder eine gute Note gelobt worden war. Und alles, was ich hatte hinzufügen wollen, wäre doch nichts anderes gewesen, als das Heischen nach weiterer Anerkennung, nach mehr Lob für meine exponierte Fleißigkeit.

Dabei bin ich erwachsen und erfahren genug, um zu wissen, dass Fleiß keine Tugend ist. Dass er häufig eine Falle ist, in die besonders Frauen tappen. Fleißige Bienchen, die arbeiten ohne sich aufzulehnen. Ich habe genug darüber gelesen und reflektiert. Bei einem Lob für die Fleißigkeit sollten daher alle Alarmglocken angehen.

Und je länger ich nun über die Strandkorbesituation nachdenke, desto unmöglicher finde ich das Verhalten der alten Frau. Der Kommentar dieser Dame war anmaßend. Ich bin eben NICHT ihr Enkelkind, sondern eine Fremde. Was gibt ihr das Recht, meine Samstagnachmittagtätigkeit zu beurteilen, ja implizit sogar Aussagen über mein Wesen zu machen?

Aber just in dem Moment, in dem eine ältere Dame mich lobt, ist all das unbedeutend. Ich schrumpfe zusammen auf mein kindliches Bedürfnis nach Anerkennung. Ich freue mich, ich werde rot. Und ich will danke sagen. Danke, Oma.

Keinen Konsum – Fasten 2014

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Regelmässige Lara-Laune-Lesende (welch Wortschöpfung!) kennen das ja schon. Zur Fastenzeit will ich mein Leben ändern. Nicht aus religiösen Gründen, sondern einfach, weil so ein bisschen Verzicht noch nie geschadet hat und ich daraus schon viel für mein Leben gewonnen habe. Zum Beispiel habe ich mich nach den letzten beiden Fastenperioden entschieden, dass ich wirklich kein Fleisch mehr brauche. Ich wollte schon als Teenager und danach eigentlich immer gerne Vegetarier sein, weil ich Tiere gerne habe. Aber geschafft habe ich es erst nach Ausprobierphasen, in denen ich gespürt habe, dass es wirklich geht.

Was ich sein lasse…

Dieses Jahr schraube ich an meinem Konsumverhalten herum. Die Dinge, die mir zuerst im Weg gestanden sind, dich ich unbedingt haben wollte, habe ich nun einfach vorbestellt. So will ich mir für meine abgegebene Diplomarbeit ein Armbändchen von Tiffanys gönnen. Und zur am Donnerstag erreichten Jogging-Stufe (30 Minuten am Stück – ich blogge bald noch darüber) gibt es für mich eine Pulsuhr, die ich soeben bestellt habe. Das ist ein bisschen tricksen, das gebe ich zu. Aber ohne diese Tricks hätte ich mich ganz gegen die Erfahrung entschieden – und das wäre doch auch schade.

Konsumfasten – für alle, die das noch nicht bei der zauberhaften Frau Buchsaiten gelesen haben – heißt im Grunde, dass man sieben Wochen lang auf alles verzichtet, was man nicht isst oder zur dringenden Körperpflege benötigt. Das wird für mich hart – denn ich bin doch überzeugte Gelegenheitskäuferin. Und Gelegenheiten wird es sicher viele geben in den kommenden Wochen. Auf ein Superschnäppchen zu verzichten tut mir als Halbschwäbin in der Seele weh. Aber genau dieses unbedachte Zugreifen will ich beobachten und mich da besser kennen lernen. Wie schwer fällt es mir, das einfach sein zu lassen? Welche inneren Bedürfnisse befriedige ich mit Spontaneinkäufen? Und natürlich: Lassen die sich nicht anders befriedigen?

Eine Ausnahme wird es geben: Ich gehe kommende Woche auf meine allererste Buchmesse – und wenn ich da ein tolles Buch kaufen und signieren lassen kann, werde ich das tun. Wie schwer oder leicht mir und den anderne TeilnehmerInnen der Verzicht auf Konsum fällt, könnt ihr übrigens auch auf Twitter nachlesen unter #Konsumfasten.

Auch ein bisschen Ernährungswandel gehört für mich wieder zum Fasten. Dieses Jahr:

  • Nur eine Süßigkeit pro Tag
  • Guarana statt Kaffee und Schwarztee (hemmt nämlich auch die Eisenaufnahme nicht)
  • Alkohol nur einmal die Woche

Was ich stattdessen tue…

  • Yoga. Jeden Tag. Wenn es nicht auf die Matte reichen sollte, dann doch zumindest ein paar Minuten Meditation.
  • Schreiben. Ob für den Blog, am Roman, Artikel für Zeitschriften oder einfach nur ein paar Gedanken in den Notizblock. Auch das: täglich.
  • Laufen. Wie gesagt – dazu mehr, wenn ich am Donnerstag tatsächlich mein erstes Ziel erreicht habe. Hier gilt: 3 mal die Woche.

Ich freue mich sehr, wenn ihr mich wieder bei meiner Fasterei begleitet! Und vielleicht regt ja das ein oder andere aus meiner Liste noch mehr Leute an? Morgen, Mittwoch, geht es los. Man darf noch einsteigen und die Regeln bestimmt jeder für sich selbst!

Der Mann mit dem Vogel und ohne Spuren

Als du klein warst, hast du deine Spielsachen kaputt gemacht und in den Bach geworfen. Du hast deine Eltern zur Verzweiflung getrieben. Auch weil du so anders warst als dein Bruder, der fleißig lernen und das erste Familienmitglied mit Hochschulabschluss werden sollte. „Der hat halt ein kleines Vögelchen “, sagten die Leute über dich. Diagnostiziert hat damals niemand, welches Vögelchen dir da im Kopf saß.

Ich habe das nicht gewusst – nicht gespürt. Denn Kindern ist es egal, ob sich jemand seltsam verhält. Sie finden es sogar toll, wenn Erwachsene anders sind, nicht so ernst. Ich weiß nicht viel über dich, weil der familiäre Kontakt abriss, als ich Teenager war. Aber ich weiß noch, dass ich gerne mit dir gespielt habe – auch wenn du manchmal über die Stränge geschlagen hast. Auch das habe ich nur gemerkt, weil andere Erwachsene erschrocken aussahen.

Manchmal sind Beerdigungen der Zeitpunkt, an dem man zum ersten Mal hört, wieviel ein Verwandter getan hat. Man erfährt, dass Großonkel bei jedem Wetter viele Kilometer zur Arbeit gelaufen sind und in wie vielen Vereinen der eigene Opa aktiv war, bevor er es nicht mehr sein konnte. Deine Beerdigung hingegen war kahl. Deine Frau weinte um sich selbst. Deine Familie wirkte unbeholfen – hatten doch die meisten jahrelang keinen oder fast keinen Kontakt zu dir gehabt.

Der größte Kranz kam von deinen Arbeitskollegen. Der einzige Nachruf ebenso. Sie schätzten deine Zuverlässigkeit, erzählten sie. Auch wenn es über dich „nicht viel zu sagen gebe“. Ein Mitarbeiter eben, der über 20 Jahre ungelernt Kartons verpackt und Lager einräumt hat.

Kann ein Mensch so unauffällig leben? Ich wünsche dir, dass du Spuren hinterlassen hast, die ich sehen kann. Ich wünsche dir auch, dass du dort, wo du jetzt bist, vielleicht besser hinpasst. Ich hoffe, du fühlst dich wohl – bei den Vögeln.

Jahresrückblick 2013

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war dein Jahr?
Eine 8. Das hatte ich ja auch so vorhergesagt, oder? 🙂

2. Zugenommen oder abgenommen?
Bisschen fies, dass diese Frage immer so um diese Zeit kommt. Aber ehrlich gesagt: Ich stand seit Wochen nicht mehr auf der Waage und habe da jetzt auch gerade überhaupt keine Lust drauf. Gefühlt vielleicht ein bis zwei Kilo mehr. Leben macht eben hunrig.

3. Haare länger oder kürzer?
Länger. Bin jetzt wieder eine Langhaarblondine. Und wie jedes Mal, wenn das passiert, wird mir plötzlich total langweilig, ich schnippele am Pony rum und trage Hüte. 2014 möchte ich mir Curlformer zulegen – die neue Art der Lockenwickler ohne Hitze. Dann sehe ich wenigstens ab und zu anders aus.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Habe mir dieses Jahr eine Sonnenbrille mit Stärke zugelegt und dabei festgestellt: alles exakt beim Alten geblieben (-0,75).

5. Mehr Kohle oder weniger?
Mehr.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Besseren!

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Bisher war ja gar kein Geld da zum Ausgeben. Dieses Jahr habe ich also genossen, dass es mal mehr war und das auch gerne ausgegeben.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn ja, was?
Gewinnspiele: ein schickes Lesezeichen beim Buchblog um die Ecke und das geniale Buch von „Manomama“ Sina Trinkwalder bei Lovelybooks. Außerdem: Stipendium für einen spannenden Nachdiplomstudiengang und neuen Job – ach, und Lebenserfahrung sowieso.

9. Mehr bewegt oder weniger?
Schwierig zu sagen. Das Laufen bin ich erstmal falsch angegangen, halte mich jetzt aber seit einigen Wochen an einen Anfängerlaufplan und seither macht es Spaß. Yoga kommt allerdings wegen dem Laufen zu kurz. Und das geht ja eigentlich gar nicht. Yoga ist fast so wichtig wie Atmen. Muss also überdenken, wie ich beides in meinen Alltag integrieren kann.

10. Anzahl der Erkrankungen in diesem Jahr?
Zwei Erkältungen, einmal Erkältung mit Erschöpfungsfieber, einige Male Migräne.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Schlimm war eigentlich nur, dass die Erkältungen zu hartnäckig waren. Ich langweile mich im Bett einfach zu Tode! Aber insgesamt bin ich wirklich sehr zufrieden: Seit ich meine Ernährung umgestellt habe – also seit zwei Jahren – bin ich so viel seltener krank.

12. Der hirnrissigste Plan?
Im 6er-Zimmer in Brüssel zu übernachten. Ich bin einfach keine 20 mehr und ich HASSE es mich nachts an meinen Wertsachen festklammern zu müssen und mindestens zwei Schnarcher im Raum zu haben, zu denen ich keinerlei emotionale Verbindung hege.

13. Die gefährlichste Unternehmung?
Rollerfahrt in Vietnam. Aber das sah schlimmer aus, als es tatsächlich war. Radler, Autofahrer, Busse und Roller folgen nämlich nur einer einzigen Verkehrsregel: Wir geben aufeinander Acht. Das sieht dann zwar aus, wie ein wildgewordener Fischschwarm – aber habt ihr schon mal gesehen, dass in einem Fische ineinander krachen? Eben.

14. Die teuerste Anschaffung?
Eine wirklich große Anschaffung gab es nicht. Aber ich habe mir recht häufig Klamotten geleistet in diesem Jahr. Zusammengenommen komme ich damit vermutlich auf den größten Betrag, zumal auch zwei neue Kostüme für die Arbeit dabei waren.

15. Das leckerste Essen?
Ich habe dieses Jahr sehr oft sehr gut gegessen!
Vietnamesische Straßenküche: Man setzt sich an den Straßenrand auf Plastikstühle, zeigt auf irgendwas und nimmt noch einen frischgepressten Saft dazu. Foodorgasm garantiert. Und das für umgerechnet gerade mal zwei bis drei Euro.
Casa St. Antonio in Porto/Portugal: Von außen gesehen und sofort gewusst, dass es ein Geheimtipp ist. Nur durch Zufall einen Tisch bekommen. Der Kellner sah und verwirrt an und fragt, woher wir von diesem Laden wüssten. Dann gab es hausgemachten Sangria und Tapas mit Geschichten und ohne Bestellung. So lange, bis wir Stopp sagten. Unfassbar lecker. Allerdings müssen Vegetarier kurzzeitig vergessen, dass sie welche sind. Kostenpunkt: etwa 20 Euro für 2 Personen.
Indisch-Kochkurs an der VHS: Gemeinsam haben alle Kursteilnehmer sieben Gerichte gekocht – nach dem Familienrezept unserer Lehrerin. Wir wurden dabei sehr streng kontrolliert. Aber es hat dafür dann auch wirklich fantastisch geschmeckt. Kostenpunkt: 20 Euro pro Person – Reste durften mitgenommen werden – genauso wie die Rezepte.

16. Das beeindruckendste Buch?
„Sie kam und blieb“ von Simone de Beauvoir. Aber da ich dieses Jahr das erste mal die Goodreads Reading Challenge mitgemacht habe und 54,5 Bücher verdrückt habe, war wirklich viel Bewegendes dabei.

17. Der ergreifendste Film?
„Marley &me“. Mal ganz im Ernst: Die können doch den Hund nicht einfach sterben lassen? Furchtbar traurig.
18. Die beste CD?
„In a world like this“ von den Backstreet Boys. War jetzt klar, oder? Aber auch als Fan ist man nicht mit jedem Album zufrieden. Doch dieses ist eines der Besten, dass sie je gemacht haben. Und es ist auch das erste BSB-Album, dass an der Kasse mit einer anerkennenden Nicken quitiert wurde. „Hab es gestern schon gehört – ist wirklich gut!“ So der Verkäufer. Männlich.
19. Das schönste Konzert?
Ich war nur auf einem Konzert. Das war aber tatsächlich sehr schön: ein Rezital mit Anne-Sophie Mutter.

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Gefühlt: pendeln nach Zürich!
21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Schwimmen im und Grillen am Rhein. Natürlich hing das auch mit der Gesellschaft zusammen.

22. 2013 zum ersten Mal gemacht?
Ich freue mich sagen zu können: eine ganze Menge! Als da wäre:
Gemüse angepflanzt – auf dem eigenen Balkon! Gut, ich habe zwar monatelang die giftigen Paprikablätter gegessen, weil ich sie für Spinat gehalten habe, aber abgesehen davon lief es echt gut.
Mich mit internationalen Konflikten beschäftigt. Schlimm ist die Welt…
Wellnesstage auf Kosten der Krankenkasse (nennt sich Präventionsurlaub – zum Beispiel zu buchen unter http://www.akon.de).
Nur mit meiner Mama einige Tage verreist.
Mit einer Kräuterkur entgiftet.
Ein paar Worte vietnamesisch gesprochen.
Im Zürisee geschwommen.
In der Mittagspause gejoggt.
Eine Dienstreise mit morgens hinfliegen und abends zurück.
Die UNO und die EU besucht.
Etwas ganz allein und pi mal Daumen auf der Nähmaschine genäht.
Meine eigene Kurzgeschichte als Hörbuchveröffentlichung gehört – ein Wahnsinnsgefühl!

Und last but not least: Kopfstand ohne Wand.
23. 2013 nach langer Zeit mal wieder gemacht?
Jemanden, der mir sehr sympathisch war, gefragt, ob wir nicht befreundet sein möchten. Man verlernt sowas ja. Aber der Mut hat sich gelohnt. Habe nun endlich eine Freundin im Reallife gefunden, die auch mein Internetleben versteht – und ein ganz ähnliches führt.
24. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Bei der Arbeit zwischen die Fronten gestellt zu werden.
Von einem mir sehr nahestehenden Menschen angezweifelt zu werden.
Post vom Rechtsanwalt.
25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Dass es nicht an den äußeren Umständen liegt, ob man zufrieden ist.

26. Das schönste Geschenk, dass ich jemandem gemacht habe?
Dem Mann zum Jahrestag eine Segwaytour durch Porto. (Das hat er mir gerade grinsend eingesagt.)

27. Das schönste Geschenk, dass mir jemand gemacht hat?
Ein Flug nach Vietnam.

28. Der schönste Satz, den jemand zu dir gesagt hat?
„Vielen Dank für Ihre engagierte Arbeit. Man spürt eine tolle Energie, seit Sie da sind.“
29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
„Ich bin so froh, dass du wieder da bist.“ (Immer und immer wieder zur Rückkehrerfreundin aus den USA.)

30. Dein Wort des Jahres?
Endlich!

31. Dein Unwort des Jahres?
Konflikt

32. Deine Lieblingsblogs des Jahres?
Egal, was die Wurzelfrau macht – ob sie dichtet, singt oder DIY-Bastelanleitungen gibt, man spürt ihre Lebensfreude mit jedem Eintrag.
33. Zum Vergleich: Verlinke dein Stöckchen vom vorigen Jahr!
Rückblick 2012.