Archiv der Kategorie: Notizbuch

Lern-Notizblock: Working Poor… Moment mal, darf ich das überhaupt?

Ich bin die, die in die Bibliothek unters Dach gezogen ist und dort wilde Plakate malt…

Soeben hatte ich meinen gesamten Prüfungsessay zum Thema Working Poor in der Schweiz und Deutschland in dieses Feld kopiert. Ich habe auch überlegt, meine vollständige Literaturliste gleich noch anzuhängen, damit ihr weiterlesen könnt, wenn es euch interessiert. Ich war gespannt auf eure Kommentare und die Anmerkungen, was ich übersehen hätte, oder was noch unklar geblieben ist.

Dann kam mir plötzlich ein schrecklicher Gedanke: Selbst wenn der tatsächliche Essay aufgrund der noch unbekannten Fragestellung wahrscheinlich anders aussieht, könnte ich vielleicht Plagiatsprobleme bekommen, wenn eine Frau unter anderem Namen das schon alles einmal so ähnlich im Internet geschrieben hat, oder? Da ich mir mein Studium mühsam vom Mund abgespart habe, macht mir das nun doch Angst. Ich will nicht am Schluss noch scheitern, weil ich meine eigenen Gedankengänge kopiere oder so. Ich finde es schrecklich traurig, aber ich glaube, meinen Aufsatz kann ich wirklich erst dann mit euch teilen, wenn ich mein Zeugnis in der Hand halte – das ist dann wohl so im März 2013. Daher bekommt ihr heute nur mein Mindmap zum Thema, sowie meinen Schlussabsatz, in dem ich kurz zusammenfasse, was ich getan habe. Wenn jemand jetzt schon mehr lesen möchte, kann man das ja vielleicht innerhalb einer kleineren Öffentlichkeit verwirklichen 🙂

Entschuldigt.
Und nun das Fazit:

„Ich habe anhand des Phänomens der Working Poor (WP) gezeigt, dass Arbeit nicht mehr vor Armut schützt. Mithilfe qualitativer Studien aus Deutschland und der Schweiz konnte ich veranschaulichen, dass die Situation der WP enorm komplex und daher differenziert zu betrachten ist. WP sind unterschiedlich gut ausgestattet, was soziales und kulturelles Kapital angeht, und haben daher auch unterschiedlich gute Chancen den (vorübergehenden) Mangel des ökonomischen Kapitals auszugleichen. Sie sind „drinnen und draußen“ in unserer Gesellschaft, sie sind inkludiert UND exkludiert. Die „Fordern und Fördern“-Maßnahmen der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik können manchen Menschen helfen, bei anderen verschlimmern sie die Situation sogar noch. Ein möglicher Ausweg könnte sein, Erwerbsarbeit und Einkommen voneinander abzukoppeln – beispielsweise über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.“

Lern-Notizblog: Die Blogosphäre – ein Luhmannsches System?

Mir raucht der Kopf und Schuld ist mal wieder Niklas Luhmann. Er fasziniert mich ja mit seiner Systemtheorie – sonst hätte ich ihn nicht als theoretischen Grundlagengeber für mein Thema „(Neue) Medien und Wissenschaft“ gewählt. Immerhin hatten auch nicht viele Soziologen den Mut zu behaupten, sie hätten eine Supertheorie geschaffen – eine, die sich auf jede soziale Tatsache anwenden lässt. Wenn dem so ist, müssten sich doch auch Weblogs mit der Systemtheorie erklären lassen. Genau dieses Experiment wage ich in diesem Blogpost. Ich beziehe mich zunächst nochmal kurz darauf, was ich bisher gemacht habe, gehe dann auf die Systemtheorie und ihre Bedeutung für Medien und Wissenschaft ein und versuche anschließend – das ist der hoch experimentelle Teil – Weblogs als System zu beschreiben – also die Theorie von Luhmann auf mein Prüfungsgebiet zu übertragen.

Im vorangegangen Blogeintrag habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie sich Wissenschaftkommunikation durch Blogs verändern könnte. Bei meiner Recherche bin ich vor allem auf solche Texte gestoßen, die Weblogs als Chance für die Wissenschaftskommunikation sehen. Auch als Korrektiv dessen, was durch die Medien in Augen der Wissenschaftler als „zu populitisch“ dargestellt wurde. Ein Beispiel für einen solchen Blogeintrag findet ihr hier. Ein Wissenschaftler beschwert sich über die Bezeichung „Gottesteilchen“ für das Higgs-Boson. Laut Marc Scheloske ist das Bedürfnis der WissenschaftlerInnen,Berichte der Massenmedien zu kommentieren, ein häufiger Einstieg in die Blogosphäre.

Aber warum ärgern sich Wissenschaftler eigentlich so über populistische Berichterstattung? Sollten sie nicht froh darüber sein, dass sich JournalistInnen darüber Gedanken machen, wie man ihre Erkenntnisse einfach und spannend formuliert? Auf eine eher praktische Betrachtung des Problems werde ich noch kommen (nächster Blogeintrag). Jetzt aber erkläre ich das rein theoretisch – mit Luhmanns Systemtheorie. Achtung, angschnallt, harter Tobak!

Luhmanns Systemtheorie – stark verkürzt und vereinfacht 🙂

Laut Niklas Luhmann besteht unsere Gesellschaft aus unzähligen Systemen. Diese definieren sich durch den Unterschied System/Umwelt. Systeme bestehen aber nicht aus Menschen oder Organisationen sondern aus Kommunikationen. So kann ich, wie ich hier gerade sitze, Studentin, Schreiberling, Teil einer Familie oder eben Bloggerin sein. Mit mir haben die Systeme gar nicht so viel zu tun – sondern nur mit meinen Kommunikationen in diesen Systemen. Durch Kommunikationen erhalten sich Systeme und grenzen sie sich auch nach Aussen, zu ihrer Umwelt hin, ab. Beispiele für Teilsysteme unserer Gesellschaft (die widerum auch ein System ist), sind „Wirtschaft“, „Politik“ und eben auch „Wissenschaft“ und „Medien“, die ich ja hier genauer betrachten werde. Diese Systeme erfüllen unterschiedliche Funktionen für die Gesellschaft und füreinander. Laut Dahinden wird beispielsweise die Funktion der Wissenschaft, den Fortschritt für das Gemeinwohl voranzutreiben. Die Funktion der Medien könnte sein, Informationen zu selektieren, zu verarbeiten und einer breiten Masse zur Verfügung zu stellen. Diese Funktion wird häufig als Demokratie unterstütztend angesehen – nur wer gut informiert ist, kann sich auch Meinungen bilden und diese äußern.

Allerdings stehen die Medien auch unter Manipulationsverdacht. Zwar wüssten wir laut Luhmann „alles, was wir wissen“ aus den Massenmedien – gleichzeitig würden wir ihnen aber nicht wirklich trauen. Dies sei ein Effekt der funktionalen Differenzierung.  Die Systeme verarbeiten Irritationen aus der Umwelt, indem sie Komplexität reduzieren. Sie geben intersystemischen Sinn, indem sie aus vielen Möglichkeiten nur gewisse auswählen. Und da hat eben jedes System seine eigene Vorgehensweise. Die Medien unterschieden, ob etwas eine „Information“ oder eine „Nichtinformation“ ist. Dies wird an systeminternen Kriterien gemessen, die sich am bisherigen Informationsstand orientieren. Das ist zum Beispiel die Zeit. Wenn etwas das erste Mal erwähnt wird, ist es neu und somit eine Information. Damit können die Medien arbeiten. Die Nicht-Informationen werden nicht weiterverarbeitet. Auch Wichtigkeit und damit Erinnerungswürdigkeit kann dazu führen, dass etwas als Information verarbeitet wird. Die Information wird dann in anderen Programmen des Systems kategorisiert (zum Beispiel verschiedenen Ressorts zugeordnet) und bearbeitet.

Diese Codes und Programme sind in jedem System unterschiedlich. So lautet der binäre Code des Systems Wissenschaft zum Beispiel richtig/falsch. Somit interpretiert jedes System seine Umwelt nach anderen Regeln. Luhmann ist mit seiner Systemtheorie daher auch dem Konstruktivismus zuzuordnen: Jedes System konstruiert sich seine Realität. Die einzig richtige, von jedem gleich zu erfahrende Realität gibt es nach Luhmann nicht.

Nun leben wir aber in einer Gesellschaft, in der Erkenntnisse aus der Wissenschaft als besonders nah an der „wirklichen“ Realität angesehen werden. Daher glaubt eine große Masse an Menschen in unserer Gesellschaft, dass der Code richtig/falsch ein objektiver ist und nicht ein systemspezifischer und damit ebenfalls eine Konstruktion.  Wenn WissenschaftlerInnen dann über „populistische“ Berichterstattung klagen, die aufgrund anderer Konstruktionen und Codes entstanden ist, glaubt die Öffentlichkeit, dass die Wissenschaftler „näher“ an der Realität sind als die Medien.

Die Blogosphäre als System

Laut Luhmann bilden sich Systeme, um Komplexität zu reduzieren. Schauen wir uns aber einmal die Blogosphäre an, so entsteht zunächst der Eindruck, dass durch die Kommunikation von tausenden von Bloggern und ihrer Vernetzung erst Komplexität ensteht. Allerdings reduzieren Weblogs für sich gesehen eben auch Komplexität. Indem sie zunächst wieder einen binären Code anwenden, mit dem sie Umwelteinflüsse filtern.  Ich nenne diesen Code relevant/irrelevant. Wobei diese Begriffe nicht absolut zu sehen sind! Wie bereits erwähnt konstruiert sich jedes System seine eigene Realität. Wenn also für Blogger xy und seine Öffentlichkeit seine Urlaubsfotos durchaus relevant sind, mögen sie es für Blogger yz schon nicht mehr sein. Und schwierig wird es immer dann, wenn Relevanzkriterien aus einem anderen System angwandt werden. Deshalb reden Journalisten, wie Christian Katzenbach in seinem Buch Weblogs und ihre Öffentlichkeiten zeigt, sehr oft abfällig über Weblogs. Sie messen diese anhand eingener Kriterien. Was für einen Blogger relevant ist – muss für einen Journalisten noch lange keine Information sein! Genauso wie etwas, was für einen Wissenschaftler als richtig gilt, noch lange nicht für die klassischen Massenmedien eine „Information“ sein muss.

Ist also jedes Weblog – inklusive seiner Kommunikation und Vernetzung als einzelnes System zu betrachten? Ich denke, das ist möglich. Man kann aber noch weiter gehen und die Gesamtheit aller Blogs – die Blogosphäre – als System betrachten. Darauf komme ich ebenfalls in Anlehung an Katzenbach. Er hat gezeigt, dass aus den vielen kleinen Öffentlichkeiten durchaus auch eine größere von gesellschaftlicher Relevanz entstehen kann. Dies geschieht nicht nur durch gegenseitige Vernetzung, Verlinkung, Track-Backs und Pings, die es möglich machen eine ganze Kette an Kommunikation nachzuverfolgen. Dies geschieht auch, indem sich eine Hierarchie in der Blogosphäre herausbildet und Routinen sowie Regeln entstehen mit denen sich das System Blogosphäre von der Umwelt abgrenzt. So werden manche Blogger von der Blogosphäre nicht anerkannt, da sie sich nicht an die Routinen halten, die zur Blogrezeption gehören. Das sind zum Beispiel Authentizität und Persönlichkeit (man muss etwas von sich preisgeben, wenn man bloggt), Regelmäßigkeit, Dialog mit den Kommentierenden und eben die genannte Verlinkung. Pilotversuche von Massenmedien oder Wirtschaftsunternehmen innerhalb ihres Internetauftritt zu bloggen scheitern für gewöhnlich, wenn sie sich nicht an diese Kommunikationskriterien halten. Innerhalb des Systems Blogosphäre würde ich also nicht nur ein Programm ansiedeln, dass nach dem binären Code relevant/irreleant auswählt, sondern auch noch Unterprogramme, die beispielsweise checken, ob ein Blog authentisch ist. Wenn ja, wird er weiter verarbeitet im Sinne von verlinkt, verwiesen, kommentiert.

Dabei kann die Blogosphäre durchaus auch wieder Irritationen an die Umwelt und die anderen Systeme abgeben. So geschehen beipielsweise bei der Vorratsdatenspeicherung. Laut Katzenbach haben die Demonstrationen außerhalb des Netzes gegen diesen Gesetzentwurf der deutschen Bundesregierung erst dann richtig an Fahrt und an Teilnehmerzahlen gewonnen, als das Thema in der Blogosphäre populär wurde. Allerdings musste auch erst ein prominenter Blogger darauf hinweisen, damit die Verlinkung und Kommentierung richtig in Schwung kam- in der Blogosphäre sind wir also keinesfalls alle gleichwertig.

Im genannten Beispiel provozierte die Blogosphäre eine Irritation im System Politik, auf die diese – nach ihren systemimmanenten Logiken – reagierte. Auch auf andere Systeme wirkt die Blogosphäre ein: Auf das System der Massenmedien beispielsweise dadurch, dass viele Journalisten inzwischen in Blogs auf Themensuche gehen oder erspüren wollen, was viele Menschen beschäftigt. Eine Wirkung auf das System Wissenschaft könnte ich mir ebenfalls vorstellen, wenn tatsächlich in Blogs unfertige Modelle vorgestellt und diskutiert werden. Vielleicht bringen die Kommentare bloggende WissenschaftlerInnen auf eine neue Idee, die dann wieder nach dem Code richtig/falsch bewertet wird.

Welche Funktion erfüllen Weblogs für die Gesellschaft?

Woran ich noch etwas knabbere ist die Frage, welche gesellschaftliche Funktion Weblogs einzeln oder in ihrer Gesamtheit erfüllen. Damit ich sie zum Luhmannschen System erklären kann, brauche ich eine Funktion für die anderen Bereiche der Gesellschaft. Als reines Korrektiv zu den Massenmedien mag ich sie nicht sehen. Laut Katzenbach setzen Blogs nämlich sehr oft ähnliche Schwerpunkte wie Massenmedien, bewerten nur anders. Sie sind also kein reines Korrektiv, höchstens eine Ergänzung. Eine Idee, die ich mir aus folgendem Blogartikel leihe, aber noch überdenken muss, ist, dass  Weblogs die Kommunikation wahrscheinlicher machen. Laut Luhmann besteht Kommunikation aus drei Teilen. Der eigentlichen Information, dem Mitteilen und dem Verstehen. Verstehen ist so gemeint, dass eine Antwort folgen kann – nicht unbedingt eine Zustimmung. Erst diese Antwortmöglichkeit macht die Kommunikation komplett. Da heute jeder mit wenigen Klicks ein Weblog generieren kann, dessen „Information“ dann einfach „mitgeteilt“ wird, würde ich tatsächlich behaupten, dass die ersten beiden Teile der Kommunikation wahrscheinlicher geworden sind. Aber wie sieht es mit dem Verstehen aus? Dafür muss ein Weblog erst einmal wahrgenommen werden – und das wird mit der Fülle der Blogs immer schwieriger. Nicht umsonst gibt es Weblog-Kurse für Unternehmen und Wissenschaftler, die ihnen zeigen sollen, wie sie verhindern, dass ihr Inhalt ein ungelesener Monolog wird! Und gerade im Bezug auf die Wissenschaft, stelle ich mir das besonders schwierig vor, da WissenschaftlerInnen ja auch noch komplexe Inhalte präsentieren wollen. Weniger populistisch als in den Massenmedien. Und dennoch ein Blog-Publikum finden möchten, dass sowohl versteht, als auch im binären Code entscheidet, dass sie diese Information interessant finden. Nur dann wird kommentiert und/oder verlinkt.

Was meint ihr? Welche gesellschaftliche Funktion erfüllen Weblogs? Ich bin auch für Kritik dankbar, was meine Darstellung der Luhmann-Theorie und meine Anwendung angeht. Sie ist wohl recht gewagt…

PS: Es gibt erstaunlich viele Youtube-Videos, in denen Luhmann die Systemtheorie erklärt – und ulkige Brillen trägt. Nur falls jetzt jemand Blut geleckt haben sollte 😉

Lern-Notizblock: Sind Weblogs Marktplätze auf denen wir mit Wissenschaftlern etwas aushandeln?

Wissenschaft und Medien als Black Boxes – nachgestellt in meiner Küche

Voilà, darf ich vorstellen? Mein noch fehlendes Prüfungsthema steht fest. Die große Überschrift wäre  wohl „das Verhältnis von Wissenschaft und Medien“. Genauer gesagt  geht es mir darum, die Schwierigkeit in der Zusammenarbeit dieser unterschiedlichen Funktionssysteme (erklär ich alles noch – Systemtheorie nach Luhmann und so) aufzuzeigen, und die Frage zu beantworten, wie Kommunikationsformen des Web 2.0. diesen Konflikt verändern. Lösen sie ihn auf? Verstärken Sie ihn vielleicht noch? Meine Arbeitsthese lautet, dass das Web 2.0. momentan irgendwie beides macht. Dabei werde ich mich auf Wissenschaftsblogs konzentrieren.

Aber fangen wir am Anfang an, nämlich bei der Frage…

Warum müssen WissenschaftlerInnen überhaupt in die Medien?

Wissenschaft dringt in immer mehr Lebensbereiche ein. Hat man früher noch von einer Seife vor allem erwartet, dass sie die Haut reinigt, wird man heute mit Studien versorgt, die ihre Wirksamkeit bestätigen. Hat man früher noch erwartet, dass ein Joghurt irgendwie satt macht, so will man heute aktive Darmbakterien darin finden. Und zwar mindestens rechtsdrehend. Wir schweben in einem seltsamen Zustand zwischen großer Wissenschaftsgläubigkeit und Zweifel an der Wissenschaft. Denn die Überzeugung, dass die Wissenschaft unfehlbar ist, haben wir verloren. Und wir möchten auch immer mehr mitdiskutieren, wenn die Wissenschaft so viele unserer Lebensbereiche berührt. In Sachen Embryonenforschung und Gentechnik legt die Bevölkerung ein Veto ein, gegen die  Verwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse – aus Angst vor möglichen Folgen. Hatte Wissenschaft einmal den gesellschaftlichen Auftrag den Fortschritt zum Wohle aller und mit den Mitteln aller (durch öffentliche Finanzierung) den voranzutreiben, so müssen WissenschaftlerInnen heute ihre Arbeit immer mehr legitimatisieren.

Wie sieht eine mögliche Zusammenarbeit mit den Medien aus?

Kommunikationswissenschaftler Urs Dahinden stellt drei wunderbar bildhafte Modelle vor, wie Wissenschaftskommunikation aussehen kann. Die Blackbox im Elfenbeinturm, das Glashaus und den Marktplatz. Die Namen sagen es schon: Beim ersten Modell wird kaum nach Aussen kommuniziert – dies ist auch nicht nötig aufgrund des großen Vertrauens. Das System Wissenschaft ist abgeschlossen und funktioniert nach seiner eigenen Logik – so bleibt beispielsweise viel Zeit für aufwändige Peer-Review-Verfahren (Gegenchecken von Kollegen, wieder und wieder testen), bevor Ergebnisse an die Öffentlichkeit gelangen. Dieses Modell der Black-Box gerät in die Krise, wenn Ergebnisse keine Akzeptanz finden oder die Wissenschaft ihren gesellschaftlichen Auftrag nicht mehr erfüllt, weil sie beispielsweise im Interesse von Unternehmen und nicht mehr für die Allgemeinheit forscht. Das passiert, wenn Forschungsgelder aus der Privatwirtschaft kommen. Mit dem Rechtfertigungsdruck, öffnet sich die Wissenschaft für mehr Transparenz – sie sitzt im Glashaus. Durch gezielte Information wird versucht, die Akzeptanz zu gewinnen und das Informationsdefizit der BürgerInnen auszugleichen. In diesem Modell gewinnen PR-Arbeit und Kommunikation mit den Medien an Bedeutung. Allerdings kann man von aussen nur „hineinschauen“ in das System – noch nicht mitentscheiden oder mitagieren. Beim Marktplatz ist das anders. Dort wird mitgeredet und gemeinsam ausgehandelt – so soll es zu einer demokratisch legitimierten und ökonomisch sinnvollen Wissenschaft kommen. Allerdings verlangt dies beiden Seiten auch sehr viel ab: nämlich Wissen und Kommunikationsvermögen.

Wo stehen wir heute?

Urs Dahinden meint, dass der Elfenbeinturm an Bedeutung verliert und hält für wahrscheinlich, dass Glashaus und Marktplatz parallel existieren werden. In diesem Blogbeitrag über Wissenschaftskommunikation im Web 2.0. spricht Jan Schirmund von der Blackbox mit Gucklöchern. Über (beispielsweise) Blogs bekomme die Öffentlichkeit nicht nur einen Einblick in die Arbeit von Wissenschaft und Medien – nämlich wenn Wissenschaftler und Journalisten bloggen. Sie könnten auch selbst, in diese Gucklöcher hineinleuchten und etwas in den Blackboxen verändern dadurch. Mit ihren Kommentaren und Ideen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das für ein passendes Bild halte. Nehmen wir nochmal die drei Modelle von Dahinden. Hinausschauen und hineinleuchten, könnte man auch in einen Glaskasten. Die Interaktion, die stattfindet und die Schirmund als etwas sehr positives sieht, weil die Wissenschaft dadurch „effizienter, transparenter und demokratischer“ werden kann, spricht eher für das Modell des Markplatzes. Ich denke Schirmund und Dahinden sprechen hier von der gleichen Art des Aushandelns.

Im Vortrag von Marc Scheloske, der Wissenschaftsbetriebe in Sachen Kommunikation berät, wird den Bloggern empfohlen tatsächlich schon Einblick in Ideen und Gedanken zu geben. Einen Einblick in ihren Schaffensprozess – und diesen auch im Dialog mit den Kommentierenden zu besprechen. Es kommt also zur Aushandlung, lange bevor es ein Ergebnis gibt, das eine Pressemittelung an die klassischen Medien wert wäre.

Allerdings glaube ich, dass diese Aushandlung überschätzt wird. Wie demokratisch ist diese Diskussion, die in den Kommentaren von Wissenschaftsblogs geführt wird? Diskutiert hier nicht nur eine sehr gut informierte Minderheit mit? Und hat diese Minderheit wirklich einen Einfluss auf Entscheidungen in der Wissenschaft?  Und können Blogs oder Microblogs nicht auch negative Effekte haben für die Wissenschaft? Sollten vielleicht manche Ergebnisse wirklich erst eine gewisse Spruchreife erreicht haben, bevor sie nach Außen gelangen?

Mit diesen Fragen beschäftige ich mich in den nächsten Tagen und werde versuchen zu zeigen, dass es einen grundlegenden Konflikt gibt zwischen Medien und der Wissenschaft gibt. Diesen kann ich bis dahin hoffentlich anschaulich mit der Systemtheorie von Luhmann erklären, ohne mich völlig in deren Details zu verlieren. Dass Web 2.0.-Instrumente diesen Konflikt ganz auflösen können, glaube ich nicht.

Ihr werdet mein Notizblock!

Das Chaos auf meinem Lernschreibtisch – in meinem Kopf sieht es nicht viel besser aus. Jetzt helft ihr mir ordnen!

Ich habe mir schon länger überlegt, ob mir dieser Blog nicht auch irgendwie beim Lernen helfen kann. Eine Art Notizblock für die Gedanken, die mich beschäftigen, die neuen Erkenntnisse, die ich gewonnen habe. Die Argumentationslinien, die ich zeichnen will. Zum einen möchte ich nicht, dass der Blog bis zu meiner Prüfung leer bleibt. Zum anderen soll es mir beim Sortieren helfen. Bisher hat mich der Gedanke abgehalten, dass das Schreiben hier ja doch auch wieder Zeit braucht. Und immerhin habe ich derzeit allen Freunden eine Absage erteilt, dass es ein Sozialleben erst wieder nach den Prüfungen geben wird.

Und dann bin ich, zufällig bei der Recherche auf einen Vortrag von Marc Scheloske gestoßen, in dem sich mehrere Wissenschaftsblogger dafür aussprechen, Blogs auch als Notizblock oder Lernplattform zu benutzen. Zum einen, weil wertvolle Kommentare kommen können, zum anderen, weil das schnelle, pointierte Formulieren hilft, zielgerichteter zu forschen und wissenschaftlich, aber dennoch spannend zu schreiben.

Dafür braucht es vor allem eines: Mut auch Fehler zu machen. Unperfekte Texte abzuliefern, unfertige Gedanken. Mir fällt dies, gerade, da ich ja auch beruflich mit Texten zu tun habe, unfassbar schwer. Ich feile an Blogeinträgen, wie an Texten, die ich meinem Arbeitgeber vorlegen würde. Dabei sollte dies doch eigentlich der Ort sein, an dem ich mich austoben darf, oder? Wo ich – sogar unter Pseudonym – endlich mal unperfekt sein darf. Was ich auf Twitter kann, nämlich  schnell und unüberlegt meine authentische Gedanken heraus zu posaunen (ihr leidet dann unter den Rechtschreibfehlern…), gelingt mir hier so ganz und gar nicht.

Nun nutze ich die Gelegenheit für ein Experiment. Weil es zeitlich begrenzt ist, habe ich mehr Mut. Mitte Dezember sind meine Prüfungen vorbei. Bis dahin gibt es regelmäßigere und skizzenhaftere Einträge. Ich hoffe, ihr habt Lust darauf, zu erfahren, womit mein Gehirn in dieser Lernzeit spielt. Und um nun wirklich gleich in die Stimmung zu kommen, lese ich noch zwei Texte und formuliere schon den  ersten Notizbucheintrag. Denn inzwischen steht auch mein letztes Thema für die Bachelorprüfung fest.

(Verrät sie das Thema nicht? Nein, verrät sie nicht – sie hofft, ihr lest dann morgen wieder rein…)