Archiv der Kategorie: Leise Lebenstipps

Von Null auf 30 in vier Monaten – Fitnessziel erreicht

Als wir letzten Sommer auf die wundervolle Blümlisalp krakselten stellte ich fest, dass ALLE, die ich zu dieser Wanderung eingeladen hatte, eine bessere Kondition hatten als ich. Und das, obwohl ich doch so viel und so fleißig Yoga machte. Das war unangenehm – vor allem als Organisatorin dieses Trips. Aber was soll ich sagen? Sportlich war ich noch nie. Fitness stets ein weit entferntes Ziel.

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Ich heute. Direkt nach meinem ersten 30-Minuten-Lauf.

Dann erzählte mir eine Arbeitskollegin davon, dass sie – die ein Leben lang keinen Sport gemacht hat – sich plötzlich daran nervte, dass sie so außer Atem war, wenn sie zur Tram (für die Deutschen: zur Straßenbahn) rennen musste. Also begann sie mit dem Joggen. Ganz sanft, Schritt für Schritt. Und inzwischen rennt sie eine halbe Stunde. Ich war fasziniert und fühlte mich verstanden.

Mit einem fixen Plan zu trainieren liegt mir – da gibt es kein Entkommen. Die Termine sind gesetzt und wenn ich mir mal etwas vornehme, dann beisse ich mich da – meistens – auch durch. Also begann ich mit dem Lauftraining nach dem absoluten Anfängerplan von lauftipps.ch.

Dabei wechseln sich Laufsequenzen mit Gehsequenzen ab – und die Laufsequenzen werden immer länger. Trainiert wird 3 mal die Woche. Schon das erste Intervall mit 2 Minuten Joggen brachte mich völlig aus der Puste! Und dann nach einigen Tagen zickten auch noch die Knie herum. „Langsamer! Weniger! Längere Pausen!“, sagten Freunde, die es wissen mussten. Wie mich das nervte! Ich hatte doch einen Plan! Aber ich war brav und lief wirklich immer erst dann weiter, wenn das Knie nicht mehr schmerzte. Offenbar musste sich mein Körper auch erst einmal an diese neue Last gewöhnen.

Der dreiwöchige Vietnamurlaub brachte mich weiter in Verzug – denn dort zu joggen, war wirklich kein Spaß – ich habe es wenige Male durchgezogen und danach stundenlang Staub ins Taschentuch gehustet. Zurück zu Hause musste ich also wieder etwas zurückspringen in meinem Trainingsplan. Aber immerhin – dann kam nichts mehr in den Weg und ich konnte mein Training durchziehen.

Heute war es soweit! Ich bin das erste Mal 30 Minuten am Stück gelaufen. Ein tolles Gefühl! Auch wenn ich zwischendurch immer wieder stark daran zweifelte durchzuhalten, war ich doch am Ende kaum rot im Gesicht und stoppte nach exakt 30 Minuten und 6 Sekunden meinen Lauf mit dem Gefühl „also ein bisschen weiter hätte ich schon noch können…“

Die schönste Belohnung für mein Training hatte ich bereits vergangenes Wochenende: Nach sieben Jahren stand ich das erste Mal wieder einige Stunden auf den Skiern – und hatte danach KEINEN Muskelkater. Wenn das nicht für meinen neuen Fitnessstand spricht? So kenne ich mich wirklich nicht! Ob ich wohl auf meine „alten Tage“ noch sportlich werde?

Denn morgen oder übermorgen sollte dann auch meine zweite Belohnung in meiner Packstation liegen. Eine Pulsuhr! (Bestellt VOR dem Konsumfasten ;-))Ich mache weiter. Und im zweiten Trainingsplan – der mich ganz allmählich Richtung 60 Minuten Joggen führt – muss ich dann auch auf meinen Puls achten. Das wird mir ohnehin nicht schaden – denn in letzter Zeit bin ich sehr ehrgeizig geworden und immer noch schneller gelaufen.

Das Laufen tut mir gut – besonders bei der Arbeit in der Mittagspause genieße ich es wenigstens einmal am Tag in der Sonne zu sein. Und es ist toll auch im Winter draussen zu sein ohne zu frieren. Nur zur Gewichtsreduktion führt die Lauferei bei mir irgendwie nicht. Im Gegenteil: Ich habe Heißhunger – und zwar immer! So habe ich bereits 2 Kilo zugenommen. Aber ich hoffe jetzt einfach, dass mein Körper da schon irgendwie weiß, was er tut und sich das auch wieder normalisiert.

Vielleicht habe ich ja auch euch ein bisschen Lust gemacht – es ist tatsächlich möglich Laufen zu lernen – auch für Unsportliche wie mich 🙂

„Du machst das gut – und ich sehe es!“

Vergangene Woche hat meine direkte Vorgesetzte um einen Gesprächstermin mit mir gebeten. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber Termine bei/m ChefIn heißen für mich: Es gibt Ärger oder einen Umbruch. Ein wenig nervös war ich also heute schon, als so weit sein sollte, schon.

Buddha-AntenneDann wollte sie wissen, wie es mir geht. Ob ich mich wohl fühle, ob ich mir vorstellen kann länger zu bleiben und ob es noch etwas gibt, was wir anders gestalten könnten, damit es für mich wirklich passt. Es war ein sehr angenehmes Gespräch und ich habe mich gefreut, dass sie sich zwischen all ihren anderen Aufgaben Zeit für mich genommen hat – zumal es wirklich keinen aktuellen Anlass dazu gab. Dafür habe ich mich bedankt und was sie erwiderte, hat mich sehr berührt:

„Ich hätte das Gespräch gerne auch schon früher geführt. Menschen, die ihre Sache sehr gut machen und keinen Anlass für Sorgen oder Ärger geben, laufen Gefahr keine Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich wollte dir einfach sagen: Ich sehe es! Und ich bin sehr froh, dass wir dich haben.“

Ich fand das wunderschön und nachahmenswert! Wann habt ihr zuletzt jemandem dafür gedankt, dass etwas einfach gut läuft? Dass er es euch nicht schwer macht? Probiert es aus! Ich verspreche euch, ihr werdet überraschte Blicke und Freude ernten 🙂

Auf Tuchfühlung mit den Wildkräutern – mein Seminarbericht

So abwechselungsreich ist mein Salat seit dem Wildkräuterkurs

So abwechselungsreich ist mein Salat seit dem Wildkräuterkurs

Kleine, herzförmige Blätter am Boden sind die ersten Frühlingsboten. Bald schon kommen gelbe Blüten nach. „Aber die eigentlich Kraft liegt unter der Erde“, sagt Victoria und lockert mit einem kleinen Spaten den Boden. Dann zieht sie die Wurzeln heraus und streift vorsichtig die Erde ab. Winzige Kartöffelchen kommen zum Vorschein. „Stellt euch vor, wie bei einem starken Regenguss plötzlich hunderte dieser Wurzeln frei lagen – die Menschen dachten, der Himmel hätte ihnen Nahrung geschickt.“ Nahrung, die sie gesund hielt. Die Pflanze, die gerade im Wildkräuterkurs der Wegwarte begutachtet wird, heißt Scharbockskraut und steckt voller Vitamin C. Dieses wiederum schützte vor Skorbut. Und „Scharbock“ war die altertümliche Bezeichnung der Vitaminmangelkrankheit.

Persönliches Seminarziel: Speiseplanerweiterung und Ruhe

Ob Gundermann, Knoblauchrauke oder Spitzwegerich: Mein Hauptziel, als ich mich beim Wildkräuterseminar von Victoria Günter-Pavel und Karl Raczek anmeldete, war, die Leckereien unserer Wiesen und Wälder künftig selbst erkennen und meine Speisen damit zu verfeinern. Nebenziel: Ruhe. Einfach mal drei Tage entspannen fernab vom Alltag. Und diese Entspannung beginnt eigentlich schon vor Kursbeginn, als ich einem Arbeitgeber nach dem anderen mitteilte, dass ich ihm schönen Odenwald vermutlich keinen Handyempfang haben werde.

Aber die Seminare der Wegwarte bieten noch mehr. Es geht auch darum, den Körper zu entgiften und besser kennen zu lernen, die eigenen Ernährungsgewohnheiten – und vielleicht auch ein bisschen die Lebensgewohnheiten – zu überdenken und den Kontakt zur Natur zu spüren.

Der Tag beginnt mit Öl im Mund

Ein Seminartag beginnt dabei äußerst unangenehm: Mit einem Esslöffel Sonnenblumenöl, der zehn Minuten im Mund bleiben und durch die Zähne gesaugt werden soll. Dieses kaltgepresste Öl schmeckt widerlich – unterstützt aber den Entgiftungsprozess und soll rundherum die Gesundheit stärken. Genauso wie das Wasser mit Heilerde, das direkt nach dem Ölkauen getrunken wird. Ich merke vor allem eines: Der unangenehme Geschmack, den man oft nach dem Aufstehen im Mund hat, ist sofort weg. Zudem löst sich der Schleim. Es muss also etwas dran sein an der reinigenden Wirkung des Öls. (Hier habe ich mehr Informationen zum Ölkauen gefunden).

Nach dem Sammeln wird gewaschen und sortiert.

Nach dem Sammeln wird gewaschen und sortiert.

Anschließend gewinnt der Tag für mich enorm: Beim gemeinsamen Yoga mit viel Feueratem werde ich richtig wach, um dann mit einem Teil der Gruppe Brennnesseln fürs Frühstück zu sammeln. Ja, richtig gelesen: Brennnesseln. Außer mir scheint jeder in diesen drei Tagen eine Beziehung zur Pflanze aufzubauen, die es ihm erlaubt, die Brennnesselspitzen ganz ohne Schutz abzuzupfen. Ich hingegen verbrenne mir sogar DURCH meine Handschuhe die Finger. Manchmal ist es eben kein einfacher Weg, an die Heilkräfte der Natur zu kommen. Zudem schmecken Brennnesseln für mich leider nach nicht viel mehr als nach als Heu. Dass Brennnesseln aber wirken, spüre ich sofort, als ich sie – durch den Fleischwolf gedrückt – in meinem Müsli esse: Meine Wangen glühen und ich habe fürchterlichen Durst.

Trinken, trinken und nochmals trinken

Überhaupt die Sache mit dem Trinken: Beim Entgiften ist Kopfweh eine häufige Nebenerscheinung. Und nur eines verspricht Milderung: Literweise Wasser zu trinken. Immer und immer wieder. Viele aus unserer Gruppe, inklusive mir, sind es nicht einmal gewohnt, die empfohlenen 1,5 Liter täglich zu sich zu nehmen. Um tatsächlich auf drei bis vier Liter am Tag zu kommen, lassen wir uns immer wieder ermahnen – mal von unserem dröhnenden Kopf, mal von Victoria und Karl.

Eine Wiese ist nicht nur eine Wiese!

Am Nachmittag findet dann das Herzstück unseres Kurses statt. Wie neugierige Kaninchen kauern wir im Grünen um Victoria herum und lauschen ihren Geschichten über Heilkräfte und Legenden, die mit den einzelnen Pflanzen verbunden ist. Bald schon sieht für mich keine Wiese mehr wie die andere aus. Überall erkenne ich Pflänzchen wieder, pflücke und nasche. Anschließend sammeln wir für den großen Salat zum Abendessen.

Von Säuren und Basen

Der Salat, in dem sich all unsere Kräuter tummeln, bildet das Hauptnahrungsmittel unseres Tages. Dazu hat Karl Raczek Beilagen zubereitet, die entweder basisch, oder neutral sind. Kartoffeln, Gerste oder Quinoa zum Beispiel. So soll der Entgiftungsprozess richtig in Gang gebracht werden und die durch unsere „normale“ Ernährung meist übersäuerten Körper sollen sich erholen können. (Da ich nicht noch einmal alles erzählen möchte, was schon oft gesagt wurde: Hier ein guter Artikel zum Säure-Basen-Haushalt.)

Aus Wildkräutern lassen sich auch fantastische Torten machen.

Aus Wildkräutern lassen sich auch fantastische Torten machen.

Am Abend haben wir ein ruhiges Programm – wir massieren uns gegenseitig die Füße, entgiften weiter mit warmen Leberwickeln und gehen vor allem früh ins Bett.

Was meine Entgiftungserscheinungen angeht habe ich Glück: Mich plagen Kopfweh, mein Gesicht ist plötzlich ein pickliger Streuselkochen, mein Schweiß riecht streng und ich muss viel schlafen. Andere entgiften plötzlicher und schmerzvoller: mit Bauchkrämpfen, Tränen, Übergeben.

Ist es das wert? Ja!

Die eigentlichen Früchte meiner Entgiftungsarbeit und meiner Zeit mit mir selbst ernte ich erst zuhause: Ich habe seit Monaten nicht mehr so viel Energie gespürt wie in den Tagen nach der Kur. Ich stehe wieder gerne auf – ich sprudle vor Ideen. Vor dem Seminar hatte ich wochenlang an der Schwelle zu einer Erkältung gestanden, die nicht so recht ausbrechen wollte, deren Kopfweh und Müdigkeit aber meine ständigen Begleiter waren. Diese Erscheinungen sind wie weggeblasen.

Aber nicht nur körperlich hat mir die Zeit gut getan. Ich bringe eine Gelassenheit gegenüber meiner unsicheren beruflichen Situation mit, die ich so von mir nicht kenne. Und die ich mir hoffentlich lange Zeit erhalten kann. Dazu haben auch die vielen guten Gespräche geführt, die ich mit den Kursteilnehmerinnen und Leitern hatte. Die Stimmung in diesen Tagen war sehr offen und einfühlsam und nicht nur einmal habe ich gehört, dass es für mich besonders wichtig sei, den Kopf auch mal auszuschalten und mehr auf die innere Stimme zu hören. Keine leichte Aufgabe für eine Akademikerin – aber ich habe die Ohren nun auch nach Innen gespitzt.

Und natürlich bin ich seit meinem Seminar immer wieder mit einem Sammelkörbchen im Freien anzutreffen.

Mehr über die Wildkräuterseminare der Wegwarte findet ihr hier unter www.weg-warte.ch

Wenn ihr jetzt am liebsten selbst suchen gehen möchtet: Ich habe relativ wenige Internetseiten gefunden, mit einer Übersicht an Kräutern. Hier ein Beispiel. Es gibt aber eine recht gute Wildkräuterapp fürs iPhone. Sie heißt „iPan Kräuter“ . Aber natürlich ersetzt nichts den Gang mit einem Kenner ins Grüne, damit ihr die Kräuter auch wirklich einmal seht und riecht. Und wenn ihr unsicher seid, gilt sowieso immer: lieber stehenlassen!

Unverblümte Kaufempfehlung für Yogis und Yoginis – die Jade-Matte

Dass die neue Matte zum Meditationskissen passt ist natürlich reiner Zufall 😉

Ich habe mir etwas Teures gekauft. Und das kommt bei mir wirklich sehr selten vor. Nicht nur, weil das Budget dafür eigentlich nicht vorhanden ist, sondern auch, weil ich einfach sehr schwäbisch erzogen worden bin. Ich habe gelernt, dass man nur lange genug suchen muss, dann findet man auch etwas günstiges, was genauso gut ist wie die Luxusversion. Aber es gibt natürlich Ausnahmen. Und deshalb bin ich jetzt Besitzerin einer JadeYoga Harmony Professional in Orchid. (Ich würde sie wunderbar fliederfarben nennen…)

Dass ich mir in meinem neuen Yogastudio, wo ich seit drei Monaten regelmäßiger Gast bin, soviel mehr zutraue als daheim, im Unisport oder auch in anderen Studios, liegt vor allem an dieser Matte. Ich rutsche nicht mehr ab. Hände und Füße kleben an dieser Matte wie Geckofinger an der Wand! Und ich habe mit anderen Matten wirklich schon viel probiert, Handtücher drüber, immer wieder waschen… Vielleicht bin ich einfach so ein Schisser, dass ich gerade in den Asanas, in denen der Bodenhalt so wichtig wäre immer langsam wegrutsche – dementsprechend verkrampft bin ich dann auch.

Eine Struktur, die auch schwitzende Hände und Füße hält

Also habe ich Geld in die Hand genommen und mir diese Matte gekauft. Um mögliche Nachahmer vorzuwarnen: Sie ist richtig, richtig schwer. Also wirklich etwas für Zuhause – nicht für auf Reisen. Dadurch liegt sie aber auch gut am Boden. Außerdem riecht sie nach Gummi. Das soll sich irgendwann verflüchtigen – aber unsere Studiomatten sind schon lange im Einsatz und werden nach jeder Stunde mit Wasser und Teebaumöl gereinigt (eine Sitte, die es nur in Schweizer Yogastudios gibt, habe ich mir sagen lassen…). Sie riechen immer noch etwas. Aber sonst ist sie wirklich großartig. Weich genug, dass ich sie nicht umknicken muss, für die Übungen auf den Knien balanciert, aber auch nicht so dick, dass man bei Balanceübungen daneben stehen muss. Ausserdem ist sie – für die Ökos unter den Yogis – aus Naturgummi und für jede verkaufte Matte wird ein Baum gepflanzt.

Dafür ist der Spaß nicht billig. Aus Amerika importiert, kostet sie in Deutschland 59 Euro plus Versand. In der Schweiz zahlt man 85,90 CHF. Aber wenn ihr in ein Studio geht und jetzt auch angefixt seid, fragt doch mal euren Yoga-Coach. Die bekommen häufig Rabatt. Ich hatte Glück und habe meine für 65 CHF bekommen „weil sie schon so lange rumsteht“. Da kommt halt doch wieder die Schnäppchen liebende Schwäbin in mir durch.

Das war es auch schon. Ich gehe wieder auf die Matte. Namasté!

Gesellschaftliche Zukunftsutopie in 30 Minuten

Im Dezember schreibe ich meine Bachelor-Prüfungsessays. Ich bin also derzeit am Einlesen in die Themen. Fast stündlich entdecke ich neue Zusammenhänge und Fakten, die mich so sehr fesseln, dass ich darüber bloggen und mit euch diskutieren möchte. Aber ich muss mich beherrschen – schließlich liegt noch ein ordentliches Pensum vor mir, dass ich wirklich nur bewältigen kann, wenn ich mich brav an meinen Lernplan halte. Umso erfreuter war ich, als ich heute zufällig auf einen SWR2-Wissens-Podcast gestoßen bin, der sehr sehr viel davon enthält, was mich zur Zeit beschäftigt.

Kurz damit ihr bescheid wisst: zwei meiner Prüfungsthemen stehen bereits fest. Daher konzentriere ich mich jetzt zum einen auf die Situation von Working Poor in Deutschland und der Schweiz und zum anderen auf Antifeminismus und neue Feminismus-Bewegungen in Deutschland seit 2006 (am Beispiel von Eva Hermans Eva-Prizip und dem Buch „Wir Alphamädchen“). Das Thema im dritten Fach steht noch aus.  Meine bisherigen Themen haben eine größere Schnittstelle, als mir bei der Auswahl bewusst war. So sind Frauen besonders häufig auch Working Poor, weil a) die „typischen Frauenberufe“ sehr schlecht bezahlt sind und b) besonders viele Alleinerziehende betroffen sind. Und das sind ja meist Frauen.

Das faszinierende am diesem hervorragenden Beitrag von SWR2-Wissen ist, dass gleich ein Lösungsvorschlag für viele geschlechtsspezifische Probleme und den Arbeitsmarkt mitgeliefert wird. Vom Lebenszeitkonto habe ich das erste mal gehört – und bin spontan begeistert von der Idee. Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen beschäftige ich mich schon seit zwei Jahren immer wieder – und bin auch immer überzeugter. Mir ist bewusst, dass es sich hier um Zukunftsutopien handelt. Aber was wären wir ohne Utopien? Mir gefallen sie – und sie werden auch Eingang in meine Prüfungsessays finden. Was haltet ihr davon?

Jetzt aber der Link zum Podcast. Investiert die 30 Minuten – ich verspreche euch, dass es höööööchst spannend ist 🙂 Leider kann ich die Sendung nicht direkt verlinken, aber sie heißt:

Das Lebenszeitkonto – Zukunft der Arbeit (11/12)

Samstag, 13. Oktober 2012 08:30

Ihr findet sie unter: http://www1.swr.de/podcast/xml/swr2/wissen.xml

Oder natürlich in eurem RSS-Feed oder iTunes Store. Spannende Ohrlektüre!

(Und wenn es euch packt: Auch die anderen Teile der Serie „Zukunft der Arbeit“ sind sehr aufschlussreich!)

Entdeckungen im Kleinstadtleben

„Du weißt schon, dass du Stadtleute nicht aufs Land kriegst? Dich wird keiner mehr besuchen!“

„Wie? Bist du etwa schwanger?“

So in etwa lauteten die Reaktionen, als ich aus dem schönen Basel hinaus in eine Kleinstadt vor den Toren Basels gezogen bin. Es war schlicht das liebe Geld, das mich zum Umzug bewegte und die Tatsache, dass zwei Studierende in einer Großstadt gemeinsam keine Wohnung erhalten. Offenbar sind wir ein zu großes Risiko für Vermieter. Und ja, das Leben scheint schon manchmal arg weit weg hier draußen. Aber ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen und muss sagen, es gibt einige Dinge, die ich hier wiederentdeckt habe. Und genau diese Dinge machen das Leben auch in einer Kleinstadt lebenswert.

1. Der Wochenmarkt

Jeden Samstag kaufen wir unser Gemüse bei Bauern aus der Region auf dem Marktplatz. Das ist alles andere als Fast-Food. Die pflegen nämlich ihr „Schwätzchen“ mit jedem einzelnen Kunden. Wartezeit für einen Salatkopf: mindestens 15 Minuten.  Das mag zwar wie eine willkommene Entschleunigung meines hektischen Lebens klingen, aber Himmel, was hat das meine Geduld schon strapaziert! Bis ich dann plötzlich selbst an der Reihe war, das erkennende: „O hallo, was darf es denn diesmal sein?“ hinter dem Stand ertönte und ich zum Abschied sogar noch einen Apfel mit auf den Weg bekommen habe – kostenlos für Stammkunden.

2. Die Stadtbücherei

Was habe ich als Kind, kaum konnte ich die ersten Wörter entziffern, meinen Ausleihausweis überstrapaziert. Buch um Buch wurde unter der Bettdecke mit Taschenlampe verschlungen – und das alles kostenlos, denn ich war ja noch Schülerin und sollte daher gefördert werden! Vor lauter Amazon und Unibibliothek habe ich in den vergangenen Jahr(zehnt)en völlig vergessen, dass es etwas so Schönes wie Stadtbüchereien gibt. Der Bibliothekar meiner neuen Heimatkleinstadt hat sich fast überschlagen vor Hilfsbereitschaft, als eine junge Frau bei ihm für 7 Euro im Jahr eine Mitgliedschaft haben wollte. Seither schleppe ich Stapel hin und her. All meine fixen neuen Hobbyideen – erstmal ein Buch leihen. Das Urlaubsziel? Den Reiseführer kann man auch leihen. Langeweile im Auto? Hörbuch leihen! Nix im Fernsehen? Sogar anspruchsvolle Filme gibt es hier.

3. Second-Hand-Klamotten

Zugegeben: wahrscheinlich gibt es in einer Großstadt mehr Second-Hand-Läden als in meiner Kleinstadt. Nur bin ich in einer Großstadt gar nicht erst auf die Idee gekommen, diese auch zu nutzen. Das lag daran, dass mich überall Boutiquen und Modeketten anbrüllten.  Da habe ich die kleinen Hinweisschilder auf Second-Hand-Läden in Hinterhöfen meist übersehen. Und wenn ich mich doch mal in einen verirrte, waren alle tragbaren Sachen in kleinen Größen längst weg – in Sachen Mode gibt es eben viel ausgefuchstere junge Damen als mich – mit Spürnase für den richtigen Zeitpunkt und den richtigen Laden. Hier in der Kleinstadt aber bringen ganz normale Menschen sehr geliebte Kleidungsstücke, die ihnen leider zu eng geworden sind, in den einzigen Second-Hand-Laden der Stadt. Auch ich habe das getan. Und als ich vor einigen Tagen meinen Verkaufserlös abholte (immerhin 23 Euro für eine Tüte voller Klamotten, die ich ohnehin nicht mehr tragen konnte), erzählte mir die Verkäuferin ganz aufgeregt folgende Geschichte:

„Ach, sie waren doch die mit dem roten Abendkleid! Stellen Sie sich vor – das wollten so viele Frauen probieren! Aber ich hab immer gesagt: nein, das ist zu schmal – das probieren Sie nicht, sie machen mir das noch kaputt! Ja, wissen Sie, da muss ich schon aufpassen. Bei so einem schönen Kleid! Aber dann kam ein ganz junges superschmales Mädchen. Und die wird das Kleid jetzt bei ihrem Abiball tragen und ist total glücklich!“

Es ist mir nicht leicht gefallen, mich von dem roten Kleid zu trennen, dass mich auf viele Hochzeiten und in Musicals begleitet hat. Aber jetzt bin ich sehr froh, dass ich es getan habe. Und mit einem Teil des Erlöses habe ich dann selbst noch zugeschlagen und Kleidern ein zweites Leben verpasst.

4. Trimm-dich-Pfad/Vita Parcours

Zehn Minuten Fußmarsch von unserer Wohnung und wir sind mitten im Grünen. Und in diesem grünen Dickicht habe ich doch tatsächlich einen alten Trimm-Dich-Pfad entdeckt! Der mit den blauen Schildern! Ich weiß nicht, wer sich noch erinnert, aber das war einmal DER Fitnesshype für die Massen. Inzwischen haben den Parcours aber die meisten Gemeinden verfallen lassen. Sicherlich sind auch die meisten Übungen längst überholt und neueste sportmedizinische Erkenntnisse sagen: bloß nicht! Trotzdem hat es Spaß gemacht mit dem Mann mal wieder genau die 20 Stationen zu turnen, die ich als Kind so oft mit meinen Eltern durchlaufen habe. Und noch immer sind manche der Übungen ein absolutes Mysterium für mich! Wer mir erklären kann, wie die auf dem Foto abgebildete Übung funktioniert – für den lasse ich mir einen exklusiven Preis einfalllen!

Soweit meine Kleinstadtimpressionen. Der Mann hat übrigens eine andere Theorie, warum ich mich hier recht wohlfühle. Er meint, in mir würde ein ziemlich großer Spießer wohnen, der schon lange darauf hofft, endlich ausbrechen zu dürfen. Er hat natürlich unrecht. Hoffe ich.

Rezept: Bärlauchpesto – herrlich stinken im Frühjahr!

Nur weil Pesto wahnsinnig gut schmeckt und im Supermarkt in der Gourmetabteilung steht, heißt das noch lange nicht, dass sie schwierig zuzubereiten ist. Im Grunde ist es fast lächerlich einfach – und trotzdem verfehlt selbstgemachte Pesto bei Gästen selten den Wow-Effekt. Nachdem ich bei Twitter ein Foto meiner diesjährigen Bärlauchpesto geteilt habe, erreichte mich der Wunsch auch das Rezept zu teilen. Aber gerne doch:

–          Ein dickes Bund Bärlauch waschen und grob hacken. (Vorsicht beim selber sammeln: die Blätter sehen den giftigen Maiglöckchenblättern ähnlich. Und wenn Bärlauch bereits blüht, schmeckt er nicht mehr. Bärlauch gibt es zur Zeit auch in guten Supermärkten frisch.)

–           Pinienkerne oder Mandeln rösten, hacken und zugeben. Oder bereits geriebene Mandeln verwenden. Menge: etwa drei Esslöffel.

–          Geriebener Parmesan dazu (etwa 50 Gramm).

–          Gutes Olivenöl drüber kippen und alles zusammen pürieren.

–          Soviel Öl hinzu geben, bis die Konsitenz stimmt, soviel Salz und Pfeffer, bis es mundet. Wer möchte gibt noch einen Spritzer Zitronensaft hinzu.

Et voilà! Schmeckt herrlich an Pasta, als Würze in Aufläufen und Salaten oder sogar als Brotaufstrich. Gut mit Öl bedeckt und in einem geschlossenen Gefäß im Kühlschrank hält sich die Pesto außerdem sehr gut.

En guete! (Schweizerdeutsch für: Guten Appetit)