Danke, Cita <3

IMG_6843Wenn Dinge zu Ende gehen, denken wir an ihren Anfang. Vielleicht ist das so, weil wir mit Anfängen besser umgehen können, als mit Dingen die enden. Besonders, wenn es wundervolle Dinge sind und das Ende viel zu früh kommt.

Seit du am vergangenen Freitag unsere Welt verlassen hast, meine Cita, muss ich jedenfalls ständig an die ersten Tage denken. An diesen Bildern halte ich mich fest. Ich hoffe, dass sie bleiben. Und dass sie die Bilder von deinem Unfall ersetzen werden. Irgendwann. Denn ich möchte dich als liebendes Eisbärchen in Erinnerung behalten.

Mein erstes Bild ist eines vom Juni vergangenen Jahres, als wir die Züchterin besuchten, um dich kennen zu lernen. Ich versuchte, nicht zu emotional zu werden. Mich nicht schon vor Ort zu entscheiden und zu verlieben, weil ich ja ach so vernünftig sein wollte. Erst im Anschluss sachliche Gespräche mit dem Mann führen. Wir das Für und Wider einer Bauchentscheidung besprechen. Was für ein absurder Gedanke eigentlich. Waren wir doch schon einmal so weit gekommen und saßen hier: streichelten dich! Und ich lies den Gedanken deshalb auch in dem Moment los, als ich dich, liebe Cita, von meinem Schoß auf den des Mannes setzte, und du ihn ganz vorsichtig beschnuppert hast – mit einem Blick der ihn direkt ins Herz traf. “ Oh. Du bist ja aber eine Charmeurin“, sagte er. Und irgendwie war es dann klar.

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Short dog, long hair.

Auf dem zweiten Bild in meiner Erinnerung sitzt du auf meinem Schoß. Und zwar auf der Rückbank in unserem Auto. Zuhause warten allein fünf Fressnäpfe, unzählige Spielsachen, flauschige Körbchen und Decken auf dich. Ganz ehrlich Cita: Du hast ausgesehen wie der typische Omahund, als wir dich holten. Das fast 30 Zentimeter lange Fell überall. Die Körperhaltung aufrecht und stolz wie bei einer Zuchtschau und dann diese fürchterliche rote Schleife, die dir die Haare aus der Stirn hielt. Aber das habe ich alles nicht gesehen. Bei mir kam nur an, dass du mich die ganze Fahrt über beobachtet – mit deinen riesigen dunklen Knopfaugen. Die kleine Zunge hing aus deinem Mund: Stresshecheln. Unter meine Vorfreude mischte sich ein schlechtes Gewissen, dass ich dich mit knapp über einem Jahr aus deinem Rudel herausnahm. Aber dort gab es für eine Hündin mit großem Charakter und kleinem Schönheitsfehler keinen Platz mehr. Und ich hatte so lange auf dich gewartet und gehofft. Ich habe dich ununterbrochen gestreichelt und mir selbst geschworen, dir zu zeigen, wie aufregend ein Hundeleben auch ausserhalb des Rudels sein kann. Mit dir alles zu entdecken. Dabei habe ich damals noch nicht einmal geahnt, wie wenig du bisher von der Welt gesehen hast. Dass du die Küche für deine Toilette und den Garten für den Rest der Welt gehalten hattest. Weißt du noch, als du das erste Mal eine Fährte aufnehmen konntest? Schnuppern und laufen, ohne dir dabei selbst auf das Fell zu treten? Von da an hast du dein Näschen fast gar nicht mehr von Boden entfernt. Ich hoffe, du würdest mir zustimmen, dass das den stressigen Friseurbesuch wert war.

Ja, wir haben deine Welt auf den Kopf gestellt – und ich bin so dankbar und glücklich, dass du mich von Anfang an zu deinem Anker, deiner Sicherheit in dieser neuen Welt gewählt hast. Und glaub uns: Du hast unser Leben kaum weniger verkehrt. Am Anfang haben wir kaum zu sprechen gewagt, weil wir nicht zu laut sein wollten. Wir lauschten stattdessen auf das Trappeln deiner Pfoten und flüsterten: „Wo ist sie jetzt?“ Dass du so unsicher warst, selbst vor dem Geräusch eines Rolladens zurückgezuckt bist, hat auch uns verunsichert. Besonders der Mann hat darunter gelitten, dass du ihn so beängstigend groß fandest, dass du sogar meintest, mich vor ihm beschützen zu müssen. Wir wollten so sehr alles richtig machen für dich! Das hat mich zu Beginn fast gelähmt. Ich erinnere mich an den leicht amüsierten Blick der Hundetrainerin, als sie uns das erste Mal erlebte und sich unsere Sorgen anhörte: Laufstreik. Alle vier Pfoten bremsend ausgestellt.  „Ja, woher soll sie sich auch sicher sein, dass sie mit euch mitkommen kann, wenn ihr da selber gar nicht so sicher seid?“, sagte sie. Wie recht sie hatte. Und die Arbeit begann.

Das verschlagene "das Sofa gehört nur mir"-Gesicht

Das verschlagene „das Sofa gehört nur mir“-Gesicht

Eigentlich hatte ich ja gedacht, dass wir nun dir etwas beibringen würden. Aber Cita, die Wahrheit ist: Du warst unsere Lehrerin. Du hast uns gezeigt, dass man nur mit Geduld und nur, wenn man selbst daran glaubt, etwas erreicht. Dass ruhig und souverän zu sein soviel mehr bringt, als  aufgeregt und laut. Du hast uns beigebracht, dass jeder Morgen, an dem man sich wieder sieht, ein Grund zur Freude ist. Und dass nichts – absolut gar nichts – ein Problem ist, so lange man nur in der Nähe der Liebsten ist. Wenn ich bei der Arbeit kurz vor dem durchdrehen war, habe ich zu dir geschaut und deine kleine Palme hat sofort rhythmisch hin- und herzuwedeln begonnen. So lange das so war, was sollte mir da passieren? Ich hatte  im Vorfeld große Angst davor, Verantwortung zu übernehmen. Doch kaum warst du da und hast mich gebraucht, war es für mich das Selbstverständlichste der Welt, für dich zu sorgen. Deine Bedürfnisse über meine zu stellen. Ich war stolz darauf. Ich war deine Mama. Das war eine neue Seite an mir und ich danke dir, dass ich sie durch dich kennen lernen durfte.

Und auch wenn du es gar nicht gerne gesehen hast, wenn der Mann und ich uns geküsst oder gestreichelt haben – und in diesem Moment weniger Aufmerksamkeit für dich hatten – hast du auch den Mann und mich sehr viel näher zusammengebracht. Du hast mir Seiten an ihm gezeigt, die ich immer vermutet hatte. Wenn er, der große Mann, sich stundenlang zu dir herunter auf den Boden kniete, um dir mühsam mit dem Klicker eine Rechtsrolle beizubringen. Wenn du ihm stundenlang spielerisch in die Hand beissen durftest, bis dort kleine blaue Flecken entstanden. Wenn er heim kam und ihr BEIDE wie Teenager gequiekt habt vor Wiedersehensfreude. Ja, dann habe ich ihn noch mehr geliebt als je zuvor. Weil wir dich gemeinsam so sehr liebten.

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Die schönsten Momente waren die, in denen wir beide gelächelt haben.

Cita, habe ich dir das oft genug gesagt? Aus Menschensicht, habe ich es vermutlich häufiger gesagt, als es die meisten für normal oder gesund halten würden. Aber was wissen schon Menschen. Du hast mir mit jedem Blick gesagt, dass du mich liebst. Und ich habe versucht, es so gut ich hinterher kam, zu beantworten. Ich bin sehr froh, dass ich es auch letzten Freitag, bei unserem morgendlichen Wachknuddelritual gesagt habe. Auch so etwas, was mir unglaublich fehlt. Und ein Bild, das ich behalten möchte: Ich schlürfe verschlafen aufs Sofa, um dort mit voller 3-Kilo-Wucht angesprungen zu werden, weil du schon so so lange neben dem Bett darauf gewartet hattest, dass ich endlich die Augen aufschlage, dich ansehe, kuscheln komme.

Das Bild, das ich aus deinen letzten Lebenswochen mitnehme, ist ein ganz anderes. Eine andere Cita. Und das nicht nur, weil du ein Schneenäschen warst. So heißen – auch das habe ich neu gelernt – Hunde deren Nase im Winter heller ist als im Sommer. Von deiner anfänglichen Unsicherheit war keine Spur mehr zu sehen. Ja, du bist uns ziemlich auf der Nase herumgetanzt – verzeih, wenn ich das so deutlich sagen muss. Auch hier denke ich wieder an unsere Hundetrainerin, die mir prophezeite, dass es bis zu einem halben Jahr dauern kann, bis der Hund wirklich angekommen ist, und man seinen wahren Charakter sieht. Dein wahrer Charakter war wild. Verspielt wie ein Welpe. Übermütig und selbstsicher. Auch weil du überzeugt davon warst, dass wir schon auf dich aufpassen würdest. Du hast riesengroße Hunde herausgefordert, um dich dann schnell hinter meinen Beinen zu verstecken. Wir waren so gespannt auf die kommenden Monate und hatten so große Lust darauf, mit dir zu arbeiten. Ich will dich nicht anlügen: Wir wären wohl strenger mit dir geworden. Aber nie böse – da kannst du dir sicher sein! Jetzt, da du auch Sprungkraft und Ausdauer aufgebaut hattest, wollten wir endlich lange Touren mit dir machen.  Und wir hatten schon überlegt, wie wir dich zum Rheinschwimmen überreden würden – natürlich mit Babyschlauchboot im Schlepptau, falls du müde werden würdest.

Foto 15.01.15 16 12 56Am letzten Freitag habe ich unterschätzt, wie unberechenbar deine Bewegungen und Ideen geworden sind. Ich hatte zu sehr die alte Cita im Kopf, die tapfer Würstchen und duftendes Futter ignorierte, nur um brav neben mir herzulaufen und mich anzusehen. Es tut mir so leid Cita. Ich höre wieder und wieder, dass es keine Schuld gibt, und dass dein Tod vielleicht einen höheren Zweck hatte. Aber welchen Zweck soll es gehabt haben, dir dein junges Leben zu entreissen und uns einander? Hat mich jemand gefragt, ob ich bereit bin, diesen Preis zu zahlen? Egal für was? Oder dich?

Jetzt weine ich schon wieder – und das wollte ich eigentlich nicht. Ich wollte, über die schönen Bilder sprechen, die mir bleiben. Und deshalb schließe ich jetzt. Und zwar damit, wie oft du mich zum Lachen gebracht hast. Hundebesitzer kennen das vielleicht: Man steht auf einer Wiese und lacht schallend über die neueste Idee des kleinen Begleiters. Und Spaziergänger laufen vorbei, gehen langsamer, weil sie wissen möchten, was so witzig ist. Sie entdecken aber nichts, was sie auch nur im geringsten komsich finden, und laufen schließlich kopfschüttelnd weiter. Zuletzt ist mir das mit dir vor zwei Wochen passiert. Du warst mit deiner Pfote aus deinem Mäntelchen geschlüpft und ich beschloss, es dir ganz auszuziehen, da es draussen viel wärmer war, als ich vermutet hatte. Doch kaum hatte ich dir den Mantel, der noch an der Flexileine hing, über den Kopf gezogen, hast du danach geschnappt. Und gezerrt wie ein Großer! Bis zum Leinenstopp. Dann rutschte dir der Mantel aus den Zähnen und surrte an der Leine zurück zu mir. Was für ein Spaß! Hinterhergejagt, zugepackt, rausgezerrt, weggesurrt – so ging das bestimmt zehn Minuten. Was ein tolles Spiel, was für eine Show, für ein Hündchen, das bisher weder apportieren noch jagen wollte!

IMG_20150215_142620Meine Cita. Auch kleine Hunde hinterlassen eine große Leere. Aber du hinterlässt so viel mehr. Ich danke dir für jeden Moment. Du wirst für immer in meinem Herzen sein. Mein Stinkerchen, mein Eisbärchen, mein Baby.

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15 Antworten zu “Danke, Cita <3

  1. Ich weine mit dir.
    Um diesen Verlust, um diese große verlorene Liebe.

    Es tut mir so unfassbar leid für dich.
    Ich wünsche dir, dass du dir nicht nur die Bilder, sondern auch das von Cita Gelernte erhältst!

    Fühl dich ganz fest umarmt.

  2. Liebe Lara,
    auch mir tut es so leid. Als ich diese traurige Nachricht vor Tagen bei Instagram las, war ich so sehr geschockt – und das, obwohl ich dich eigentlich nicht persönlich kenne. Aber die Liebe zu Cita, die Freude, die ihr beiden miteinander erlebt habt, die war auf jedem einzelnen Bild sichtbar, spürbar und ich habe mich immer mit euch gefreut.

    Ich wünschte, ihr hättet noch so viel mehr Zeit miteinander gehabt!

    • Danke, liebe Jess. Das hätte ich mir auch so sehr gewünscht. Die Sachen, die man nicht miteinander erlebt hat, schmerzen noch mehr als die, die man nicht MEHR erlebt. Vieles ging einfach noch nicht, weil sie nicht so weit war, oder noch nicht Sommer war. Und ich habe richtig gespürt, wie sich die Kleine auch gefreut hat, dass es endlich wieder wärmer wird. Der Mann und ich trösten uns ein bisschen damit, dass sie vieles, was wir mit ihr vorhatten, wahrscheinlich erst einmal nur mit störrischem Blick hingenommen hätte. Und dann lächeln wir. Unsere trotzköpfige Couchpotatoe…

  3. Ach liebe Lara ♥

    ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Man hat auf Instagram so sehr gespürt, wie sehr du sie geliebt hast, Als dann die traurige Nacht unter dem Foto stand, konnte ich es kaum glauben. Ich fühle so sehr mit dir und wünsche dir, dass die schönen Erinnerungen dir Kraft geben ♥

    Dicke Umarmung, auch wenn wir uns kaum kennen…
    Sandra

    • Danke, liebe Sandra. Wenn so etwas passiert, kann man es nicht fassen. Dabei gewesen zu sein hilft nicht. Die Bestätigung vom Tierarzt hilft nicht. Das Wegräumen der Sachen hilft nicht. Man WILL es einfach nicht glauben. Aber das verzögert im Grunde nur den Schmerz. Denn unterbewusst warten wir wohl immer noch darauf, dass sie wieder neben uns auftaucht und uns erwartungsvoll anblickt…

      • Ja.. ♥ ich kann das so gut nachfühlen, es wird eine Weile dauern bis du diesen intensiven Schmerz nicht mehr ganz so heftig verspürst.. wir sind für dich da, wenn du darüber schreiben möchtest, tu es einfach. Es ist nur allzu nachvollziehbar…

        *lieberDrücker*

  4. Liebe Lara,

    es tut mir sooo leid und eigentlich weiß ich gar nicht was sagen soll. Mir kamen auch die Tränen beim Lesen.
    Ich weiß wie es ist, wenn man sein liebstes Tier verliert und es ist einfach schlimm.
    Ich fühle mit dir und wünsche dir und dem Mann ganz viel Kraft für diese Zeit.
    So blöd es sich auch anhört, mit der Zeit wird es besser. Die guten Erinnerung sind die, die Zählen.
    Alles Liebe,
    Anni

    • Danke liebe Anni. Ich erlebe das so zum ersten Mal. Also ja – Hase und Hamster und so, das war auch schlimm – aber ein Hund ist doch noch einmal etwas ganz anderes. Sie war ja wirklich immer und überall bei mir. Und fehlt jetzt bei jedem Schritt…

  5. Liebe Lara,

    fühl dich auch hier nochmals fest gedrückt. Ich fühle so unfassbar mit dir! Auch wenn ich dich nicht persönlich kenne, habe ich mit Freuden deine Begeisterung und Liebe auf Instagram zu Cita begleitet und war total geschockt, als ich das Bild auf Instagram entdeckte.
    Ich wünsche dir, dass du irgendwann nur noch die guten Erinnerungen behalten wirst und die schrecklichen Bilder damit ausgelöscht werden können.
    Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn ein liebes Tier und ein treuer Begleiter plötzlich nicht mehr da ist. Diese unfassbare Leere…

    Alles Liebe
    Corinna

    • Liebe Corinna, vielen Dank für deine lieben Worte. Wie bist du denn umgegangen mit dieser Leere? Ich suche irgendwie Konzepte. Auch wenn ich ja schon vermute, dass es so etwas gar nicht gibt… Wunschdenken eben…

      • Leider gibt es kein Konzept oder Rezept dafür. Die Leere ist lange Zeit geblieben, aber mir haben die Erinnerungen geholfen und Fotos, die ich immer bei mir trage. Bis heute.

  6. Sandra Matteotti

    Ich weine nun auch – wie schon so oft in den letzten Tagen. Ich habe Cita nie kennengelernt – leider, wir hatten es geplant. Aber ich wusste, wie sehr du dich auf sie gefreut hast, wusste, wie du sie liebtest. Das sprach aus allen deinen Bildern, allen deinen Worten. Gibt es einen höheren Sinn oder Zweck eines solchen Todes? Ich für mich denke nicht. Das Leben wird gelebt und es endet. Da ist kein Sinn und kein Zweck dahinter. Wir legen beides hinein, um mit dem Schweren umgehen zu können. Und das hat sicher auch gute Seiten. Schlussendlich ist es das Leben. Und das Leben ist Sinn in sich.
    Das Leben ist immer unberechenbar und so sind es Lebewesen. Wir versuchen, das Beste zu geben. Und das muss reichen. Wenn es nicht so kommt, wie wir uns wünsche – wie nun bei dir – suchen wir nach Schuld. Aber die gibt es nicht. Was bleibt, ist die Trauer.
    Als mein Kater vor drei Jahren starb, kriegte ich zu hören, wie ich denn erst trauere, wenn ein mensch stürbe, ich übertreibe… Mein Leben war in Stücken, der Boden aufgegangen. Ich habe es auch schreibend verarbeitet.
    Und weisst du was? Es kamen auch Zeiten, da lachte ich bei Erinnerungen, da war ich gerührt von seiner Liebe, die er mir zeigte, dem Halt, den ich in ihm hatte. Das ist, was bleibt.
    Ich wünsche dir von Herzen alles Liebe! Fühl dich umarmt!

    • Liebe Sandra.
      Deine Gedanken helfen mir sehr in diesen Tagen. Ich danke dir sehr dafür. Vor allem der Gedanke, dass Schuld nur für ein Konzept ist, das wir der Welt überstülpen wollen, um sie zu verstehen. Ich bin ein schlimmer Kopfmensch. Ich muss Dinge immer begreifen. Aber diesmal funktioniert das nicht. Und ich glaube, dass ich zum ersten Mal fast besser damit klar komme, dass etwas keinen Sinn macht. Denn jeder Sinn ist gleichzeitig unverschämt. Nichts, absolut gar nichts, würde rechtfertigen, dass meine Cita sterben musste. Ich meine, selbst, wenn irgendetwas passiert wäre, dass ich sie hätte weggeben müssen – was für mich wirklich nur in Frage gekomme wäre, wenn es ihr bei mir gar nicht mehr gut gegangen wäre und ich gar nicht daran hätte ändern können – hätte ich einige Menschen gewusst, die sie liebevoll aufnehmen würden und bei denen es ihr viele Jahre sehr gut gegangen wäre.

      Ich glaube, ich habe großes Glück, was die Menschen um mich herum angeht. Bisher hat noch niemand meine Trauer für übertrieben gehalten. Im Gegenteil. Gestern haben wir uns mit einem Ritual verabschiedet – ein Blatt den Bach herunter treiben lassen, weiße Rosen und eine Kerze aufgestellt und uns Geschichten von Cita erzählt. Eine liebe Freundin – und „Patentante“ von Cita hat mir dann ein Trauerbuch geschenkt mit Zitaten und viel Platz für eigene Bilder und Gedanken. Titel: „Mehr als nur ein Hund“. Und genau so ist es doch. Ich habe auch diese Momente, wo ich über die Erlebnisse mit Cita lachen kann. Aber sie wechseln sich eben mit sehr dunklen Wellen und nächtlichen Alpträumen ab. Es ist ein innerliches Ringen. Und ich bin langsam erstaunt, dass ich immer noch weinen kann.

      Danke für alles!!! Und bitte kraul Carusos Bauch ganz liebevoll von mir…

      • Sandra Matteotti

        Das mach ich – und er streckt dir jederzeit den Bauch hin, wenn du das Bedürfnis hast.

        Wie ich dir sagte: Die Zeit heilt keine Wunden – das finde ich doof. Aber: Mit der Zeit ändert sich das Verhältnis von Lachen über schöne Momente und Trauer über den Verlust. Am Anfang ist nur Verlust. Dann kommt ein bisschen Lachen, dann wird das Lachen mehr, der Verlust kleiner, und so geht es weiter.

        Ich habe nach drei Jahren dann und wann (ganz selten) noch Tränen in den Augen beim Gedanken an Pascha (meinen Kater), aber das ist sicher nicht mehr lebensprägend. Das war am Anfang ganz anders.

        Bei mir zog ja 2 Wochen nach Paschas Tod Schiller ein. Meine Exschwiegermutter erfuhr von Paschas Tod und kam: „Ich weiss, was dir der bedeutet hat, ich schenke dir einen gleichen.“ Der erste Gedanke: „Der ist unersetzlich.“ Der zweite: „Ist er, ja, aber ohne einen Begleiter im Leben kann ich nicht.“ Schiller war der dritte Kater, den ich besuchte. Und der Fall war sofort klar.“ Nur: Der war gar nicht wie Pascha. Ein kleiner Rührmichnichtan. Da Pascha Hund in Katzenkörper war, war nun (endlich – nach Jahren des überlegens) klar: Ein Hund muss her. Caruso kam – von der besten Zucht ever. Heute, drei Jahre später, ist Schiller genauso anhänglich wie Pascha war, ich habe nun zwei.

        Das meine Antwort auf deine Frage früher an jemanden: Wie füllst du die Leere. Bei mir kamen neue Mitbewohner. Sie ersetzten nie Pascha, der hat noch heute seinen eigenen Platz in meinem Herzen, aber sie gaben mir eine neue Aufgabe und einen neuen Inhalt. Und ab und an erinnert mich Schiller sehr an Pascha. Er wird immer ähnlicher. Klar ziehen wir Vergleiche. Aber nie verliert Schiller da irgendwie. Er ist eine ganz eigene Persönlichkeit. Und noch immer kein Ersatz, aber eine ganz grosse Freude im Leben.

        Das war mein Weg, das muss nicht deiner sein. Wichtig finde ich, positiv weiter zu gehen. Löcher im Leben müssen gefüllt werden mit Neuem. Das heisst nicht, das Alte vergessen, aber es heisst, sein Leben wieder (er)füllen. Die Erinnerung hat dabei immer Platz.

        Kleine letzte Bemerkung: Ich habe ein Scheidungskind. Das geht jedes zweite WE zum Papa. Und ja, selbst nach vielen Jahren fehlt es mir an den Wochenenden. Was mir geholfen hat, diese Leere zu überbrücken: Ich machte ganz bewusst Dinge, die mit Kind nicht gehen. Und geniesse, dass sie gehen. Das erste Mal war es ein Reinfall. Das zweite mal – na ja… aber mittlerweile klappt es ganz gut 😉

        Du siehst – das sind meine hilflosen Versuche…

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