Jahresrückblick 2015

Ich blogge ja sonst nicht viel – aber den Jahrerückblick lasse ich mir nicht nehmen – das ist so ein wuderbares Rückbesinnen. Und wie ich aus der Statistik entnehme auch bei euch recht beliebt.

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war dein Jahr?
Ganz schwierig. Hatte markerschütternde Tiefs. Aber auch gelernt, damit umzugehen – und insgesamt war ich tatsächlich einen Großteil des Jahres sehr ruhig und außergewöhnlich zufrieden. Das ist auch was wert, oder? Also eine 7.

2. Zugenommen oder abgenommen?
In etwa gleich viel – aber gewogen wird erst im Januar wieder 😉

3. Haare länger oder kürzer?
Länger. Unabsichtlich aber irgendwie auch okay so. Mal wieder wachsen lassen und dann wieder abschneiden.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Alles beim Alten: -0,75 – gerade kam eine neue Brille an und ich bin ganz verliebt. Ich habe den Gang zum Optiker nie leiden können, weil man da eine große Entscheidung in kurzer Zeit und ohne die Beratung von Freunden treffen muss. Das Bestellen und in Ruhe daheim rumprobieren liegt mir viel mehr!

5. Mehr Kohle oder weniger?
Gleich geblieben – mit hin und her hüpfenden Prozentzahlen im Job.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Derselbe Job, aber die Arbeit dort hat sich verbessert. Den Zweitjob habe ich daher kündigen können.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Puh. Ich glaube, ich gebe gerade ziemlich viel aus. Gerade der Geschenkekauf hat mir dieses Jahr einfach soviel Spaß gemacht…

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn ja, was?
Einen Roman in einer Buchbloggerverlosung. Und eine Yoga-DVD zum Muttertag für meine Mama. Meine vielen Versuche mit digitalen Adventskalender-Verlosungen blieben leider erfolglos.

9. Mehr bewegt oder weniger?
Mehr. Ich habe eine Yogaausbildung begonnen und demzufolge war ich pro Woche etwa an 6 von 7 Tagen auf der Matte. Ich hab das echt gebraucht – und brauche es noch immer.

10. Anzahl der Erkrankungen in diesem Jahr?
Nicht so viele – war ja ein schön warmes Jahr. Vielleicht ein, zwei Erkältungen und insgesamt halt immer mal wieder Neuro-Schübe. Aber ansonsten kann ich mich an nicht viel erinnern. Oft war es sogar so, dass das halbe Büro krank war und ich durchgehalten habe!

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Ehrlich gesagt das überlastete Handgelenk – das ist schon sehr lästig, wenn du viel Yoga machen möchtest…

12. Der hirnrissigste Plan?
Meinen Geburtstag an den vielleicht einzigen zwei kalten Tagen des ganzen Sommers auch noch ausgerechnet in den Bergen zu verbringen. Tja…

13. Die gefährlichste Unternehmung?
1 Woche im Dschungel ohne jeglichen Telefon/Handy/etc.-Emfang. Für mich schon relativ heavy. Aber habe ich natürlich überstanden…

14. Die teuerste Anschaffung?
Keine „Anschaffung“ im klassischen Sinne, sondern eher eine Investition – in den Beginn meiner Yogalehrerausbildung. Leider musste ich sie abbrechen, weil es für mich nicht mehr gestimmt hat. Aber ich hoffe, nächstes Jahr mein Plätzchen zu finden. Und ich habe zumindest für mich viel gelernt. Außerdem habe ich 170 Euro für einen Pullover ausgegeben, nachdem ich sehen konnte, wie toll er bei manomama.de produziert wird. Den muss ich jetzt eben ein Leben lang tragen 🙂

15. Das leckerste Essen?
Im Dschungel hat eine thailändische Familie für mich gekocht – das war natürlich der Hammer. Außerdem erinnere ich mich gerne an ein Käsefondue im Juli in Gerardmer mit Münster-Käse, Forelle in Mirabellen-Sauce im Tessin und des Mannes Spekulatius-Tiramisu!

16. Das beeindruckendste Buch?
War eines, das ich zuerst gar nicht lesen wollte. Ich hatte einen Vortrag bei einer Gruppe Senioren gehalten und zum Dank schenkte mir einer sein Lieblingbuch: „Im Keller“ von Jan Phillip Reemtsma – er schreibt über seine Entführung und was da unten in der Isolation mit seinem Verstand passiert. Finde es extrem beeindruckend, wie er so ein heftiges Erlebnis in Worte fassen kann.

17. Der ergreifendste Film?
„Verstehen Sie die Béliers?“ – was hab ich geweint, als die Tochter gesungen hat…

18. Die beste CD?
Das fällt mir ja jedes Jahr leicht, da ich mir pro Jahr höchtens eine kaufe… diesmal den Soundtrack zum oben genannten Film.

19. Das schönste Konzert?
Ich war leider auf keine Konzert dieses Jahr. Der Mann und ich hatten nur eines auf dem Plan – und stattdessen sind wir lieber früh ins Bett. Ups. Klingt nach einem Vorsatz fürs nächste Jahr, oder?

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Arbeit und Yoga

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Meiner kleinen Familie – dem Mann und Sukhi. Wir sind einfach nur noch mit kleiner weißer Fellnase komplett. Und mit Yoga.

22. 2015 zum ersten Mal gemacht?
Ein Zeitschriftendossier geschrieben, ehrenamtlich Kleider sortiert, an einem Yogaretreat teilgenommen, eine e-Book-Veröffentlichung geplant, Mantras gesungen, Mandalas gemalt, um ein mir wirklich nahestehendes Lebewesen getrauert, auf einer Intensivstation gebangt, eine Näherei besucht.

23. 2015 nach langer Zeit mal wieder gemacht?
Ein ehrliches Gespräch mit dem Chef geführt (mit gutem Ausgang), Urlaub mit einer Freundin.

24. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Citas Unfall.
Bangen um meinen Vater auf der Intensivstation.
Von einer Lehrerin enttäuscht zu werden.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Eine Freundin, die ganz am Boden war, dass sie ihre Masterarbeit doch noch schaffen wird. Und sie hat es geschafft!

26. Das schönste Geschenk, dass ich jemandem gemacht habe?
War eigentlich eher eine Kleinigkeit, aber sie hat für große Freude gesorgt: Hatte für ein Yogawochenende meiner Freundin, die keine Zeit mehr hatte und krank war, ein Vesper- und Survival-Paket geschnürt.

27. Das schönste Geschenk, dass mir jemand gemacht hat?
Das gerettete Leben von meinem Papa. Hat uns meine Mama geschenkt!

28. Der schönste Satz, den jemand zu dir gesagt hat?
„Das ist wirklich ein Nachschlagewerk für die Ewigkeit, was du da geschaffen hast.“

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
„Du bist unser persönliches Weihnachtswunder.“

30. Dein Wort des Jahres?
Yoga

31. Dein Unwort des Jahres?
Tod

32. Deine Lieblingsblogs des Jahres?
Leider gab es dieses Jahr keinen, der für mich wirklich herausgestochen ist – auch wenn ich viel in Blogs gelesen habe. Aber meistens waren halt nur 1 oder 2 Artikel für mich interessant dort.

33. Zum Vergleich: Verlinke dein Stöckchen vom vorigen Jahr!
Rückblick 2014

Blogger für Flüchtlinge – zeigt, dass wir die Mehrheit sind!

BFF_1508_Blau31-300x158

Ich äussere mich selten politisch. Aber ich kann richtig wütend werden, wenn ich Ungerechtigkeit erlebe. Vor etwa anderthalb Jahren habe ich ein Diplom in einem Studiengang erhalten, der sich mit Konflikten – insbesondere internationalen – auseinandersetzt. Ich bin naiv dort hinein gegangen, habe ich doch zuvor meist innerlich abgeschalten, wenn es in den Nachrichten um Kriege und Probleme ging, die allzu weit weg schienen. Was ich im Studium gelernt habe, hat mich aber aufgerüttelt. Mir ist bewusst geworden, wie extrem ungerecht die Welt ist, wie sehr wir andere Länder ausbeuten und Kriege in anderen Staaten befeuern und dulden. Alles nur um unseren Lebensstandard zu halten.

Nun kommen einige dieser Abermillionen Menschen hierher, auf deren Kosten wir in den vergangenen Jahrzehnten gelebt haben. Ganz ehrlich: Ich würde es sverstehen, wenn sie bis unter die Zähne bewaffnet und voller Wut hier auftauchen würden. Aber sie kommen entkräftet und sie suchen Hilfe. Sie suchen ein einfacheres Leben, Sicherheit, ein Auskommen. Sie wollen ihre einfachen Grundbedürfnisse befriedigen.

Und was ihnen hier entgegen schlägt, ist blosser Hass. Wer seid ihr, ihr so genannten Asylkritiker, dass ihr ihnen ein menschenwürdiges Leben verwehren wollt? Und warum ist es in Deutschland tatsächlich möglich, ungestraft Hassparolen zu verbreiten,  Notunterkünfte anzuzünden?

Es ist Zeit, dass wir alle, die schweigende Mehrheit, die diesen Hass NICHT duldet, den Mund aufmachen. Und zum Glück passiert das an immer mehr Stellen. Nach dem Shitstorm kommt der Lovestorm und er verbreitet sich wie eine Lawine. Jeder von uns kann etwas tun.

Schritt 1: Stellung beziehen!
Das ist der wichtigste, aber auch der schwierigste Schritt. Denn mit so großartigen Aktionen wie Blogger für Flüchtlinge overbreitet sich die Botschaft, dass wir Menschen in Deutschland den Hass nicht dulden, wie ein Lauffeuer. Spread the word! Jeder Blogleser in Deutschland sollte bescheid wissen! Und nutzt doch auch die tolle Postkartenaktion von Blogger für Flüchtlinge und schreibt den Flüchtlingen (kostenlos!), damit sie wissen, dass es Menschen gibt, die an ihrer Seite stehen und mit ihnen fühlen. Noch wichtiger aber ist, dass ihr auch ausserhalb des Internets Stellung bezieht, wenn wieder irgendwo ganz unauffällig ein Spruch gegen „die Ausländer“ oder „die Schmarotzer“ fällt. Es darf einfach nicht sein, dass solche Kommentare unerwidert stehen bleiben und sich eine rassistische Grundtendenz verbreitet.

Schritt 2: Helfen
Jeder kann etwas tun. Ich schreibe euch einfach kurz auf, was ich tue – aber es gibt so viele Spenden-, Sammel- und Hilfsaktionen, dass ich überzeugt davon bin, dass jeder das Richtige für sich finden wird.

Dass ich meine Kleider, unbenötigte Schreibwaren und Kosmetika in das Asylbewerberheim vor Ort bringe, war für mich schon lange eine Selbstverständlichkeit. Erst kürzlich habe ich aber entschieden, dass ich meine Bücher, CDS und Klamotten diesmal gebraucht verkaufe. Das Geld spende ich dem örtlichen Freundeskreis Asyl, die gute Ideen haben und jede Hilfe benötigen, da natürlich auch unsere Notunterkunft hier überfüllt ist. Da es mir gerade beruflich gut geht, lege ich den Betrag, den ich für die Sachen erhalte, noch einmal obendrauf.

Ausserdem denke ich darüber nach, wie ich mit den Dingen, die ich gut beherrsche eine Hilfe sein kann – welche Talente habe ich und wie kann ich sie für die Flüchtlinge nutzen? Eine Idee kitzelt mich seit Wochen – aber sie ist noch nicht ausgereift genug, als dass ich darüber sprechen kann.

Mich beschäftigt auch, dass ich nicht erst dann helfen will, wenn die Menschen hier ankommen. Daher überlege ich internationale Flüchtlingshilfsorganisationen wie die der UNO zu unterstützen. Was ich zusammen bekomme, möchte ich halbieren: 50 Prozent für die Hilfe vor Ort und 50 Prozent für die Hilfe an anderen Orten.

Ich glaube, dass Heribert Prantl recht hat, wenn er schreibt, dass unsere Generation sich einmal daran messen lassen muss, wie wir mit den Flüchtlingen umgegangen sind, die zu uns kamen. Also lasst uns ein Stück Geschichte schreiben, auf das unsere Kinder und Enkel stolz sein können!

Yoga im Dschungel – mein heilendes Retreat

Es meditiert in mir

Es ist einfach, den Alltag beim Meditieren auszublenden, wenn man so fern vom Alltag ist.

Unser Wecker ist der Gibbon. Dieser Menschenaffe, der hoch oben in den Dschungelwipfeln wohnt und eigentlich nie zu sehen ist, ist das Maskottchen von Jungle Yoga im thailändischen Khao Sok National Park. Er klingt ein wenig wie eine übende Opernsängerin. So eine Mischung aus leicht verzweifelten und doch irgendwie freudig-erregten Stimmzittern. Manchmal zumindest. Ein andermal scheint der Ruf des Gibbons eher ein freudiges „Huhu“, dass sich langsam dem Kreischen einer Sirene annähert. Und wem das jetzt alles zu theoretisch ist: Die Pächter des Dschungelyogas haben ganz tolle Aufnahmen gemacht. Am besten ihr startet alle Sounds gleichzeitig, dann wisst ihr, welche Geräusche euch im Urwald umgeben.

Ganz schön laut, oder? Und trotzdem muss ich sagen: Ich bin noch nie so zur Ruhe gekommen, wie in dieser Woche im Urwald. Wir lebten auf dem Wasser – alle unsere Hütten, das Restaurant und auch die Yoga-Sala (also unser Übungsort) schwammen auf dem Wasser. Ich glaube, es war auch die Qualität des Wassers, die das Leben und das Yoga zu etwas Besonderem machten. Die Ruhe ist nämlich eigentlich ein Fließen: Alles fließt, alles bleibt in Bewegung – da kommen auch Dinge in dir in Bewegung, die bisher erstarrt waren.

IMG_0335

This is where the magic happens.

Soviel zum Ort. Mir fällt es schwer, meine Erfahrung in Worte zu fassen, weil so viel passiert ist und alles so tief ging. Ich glieder es deshalb einfach in einzelne Erfahrungen, die mich besonders berührt haben.

Kommunikation  – wir reden nicht schlecht über uns oder andere

Ihr kennt sicher diese gruppendynamischen Prozesse, die entstehen, wenn ein Haufen Wildfremder zusammenkommt, um zusammen etwas zu lernen oder zu unternehmen. Ganz schnell bildet sich heraus, wer welche Rolle einnimmt: der Freak, die Vorlauten, die Streber, die, die nur zusammenglucken, die Stillen… Natürlich war das auch im Dschungel nicht anders. Dennoch hat eine Regel, die uns gleich zu Beginn vermittelt wurde die Gruppenbildung ziemlich durcheinander gewürfelt: „Wir reden nicht schlecht über uns selbst oder über andere – seht es als Experiment.“ Und nach einer Woche muss ich sagen: Was für ein großartiges Experiment! Da ich mit meiner besten Freundin ein Bungalow teilte, hatten wir natürlich erschwerte Bedingungen und mussten unser gewöhnliches Tratschen anfangs unterdrücken. Und dann passierte wundervolles: Die zu lauten stellten sich Tage später als sehr nette, aber vielleicht etwas unsichere Personen heraus und drosselten automatisch ihre Lautstärke, die Streber fielen gar nicht mehr auf, weil jeder mit seiner Praxis beschäftigt war, die Abgeschotteten lernte man am Schluss doch auch noch kennen und der Freak war sowieso liebenswert. Wie viel es verändert, wie viel offener man selber bleibt, wenn man seine Vorurteile nicht laut ausspricht! Das hat mich wirklich erstaunt.

Und wie gut es tut, mal ausnahmsweise nicht schlecht über sich selbst zu reden, brauche ich wohl niemandem zu sagen, oder? Das ist Seelenbalsam pur.

IMG_0280

Du bist gut so wie du bist.

Yoga mit verbundenen Augen

Wir waren alle gespannt, wozu wir Augenbinden mit den Urwald bringen sollten. Vor allem da wir ansonsten ja recht stark eingeschränkt wurden in unserem Gepäck („Take as less as possible!“). Ein bisschen fürchtete ich mich davor, irgendwelche Vertrauensspielchen mit fremden Menschen machen zu müssen, weil ich mich nicht immer wohl damit fühle, andere anzufassen. Doch bei unserer Übung mit der Augenbinde ging es nur darum, dass wir uns wirklich mehr auf UNS SELNST konzentrieren und nicht von dem ablenken lassen, was neben unserer Matte passiert. Und wie fühlt sie sich nun an, die 2-Stunden-Praxis mit verbundenen Augen? Zum einen habe ich jegliches Zeitgefühl verloren – die Praxis war so schnell vorbei, dass ich der Lehrerin auch geglaubt hätte, wenn sie behauptete, wir hätten wir nur eine halbe Stunde geübt. Das lag auch daran, dass man wirklich extrem konzentriert zuhören musste. Schnell mal gucken, weil man etwas nicht ganz verstanden hatte, war eben nicht. Meine Gedanken hatten also auch nicht die geringste Chance woanders hinzuwandern. Wer absolut im „Hier und Jetzt“ Yoga üben will: einfach mal die Augen verbinden! Bei mir hatte es auch noch den positiven Effekt, dass ich das Vergleichen endlich ganz sein lassen konnte. Und plötzlich habe ich mich gefühlt, wie die Queen of Yoga – weil ich jede Übung eben genau so gut gemacht habe, wie ich sie konnte – ganz egal, was die anderen so trieben.

Wandern in Stille

Nach ein paar Tagen war unsere Gruppe so ein richtiger Chit-Chat-Verein. Wir kicherten, blödelten und tauschten all unsere bisherigen Lebenserfahrungen aus. Kein Essen ohne anregendes Gespräch! Und mitten in diese fröhliche Stimmung hinein, will uns unsere Yogalehrerin verklickern, dass Kommunikation zu viel Energie kostet und wir für einen Abend und eine Morgenwanderung komplett schweigen sollen. Ich war empört! Was soll denn das bringen? Und wieder hatte ich erschwerte Bedingungen, weil wir ja eben zu zweit im Bungalow waren – nicht einmal „gute Nacht“ sagen zu können und meine Freundin nicht auf die dicke Spinne im Bad aufmerksam machen zu dürfen – all das fiel mir enorm schwer. Und am nächsten Morgen bei der Wanderung fand ich es vor allem schade, dass uns unser Guide uns nur Dinge gezeigt hat, aber nichts dazu erzählen konnte – wenn wir doch schon so eine urwaldkundige Frau bei uns haben, hätte ich so gerne einfach mehr erfahren. Nein, so ein Schweige-Retreat wäre definitiv nichts für mich! Zumal ich es als Einzelkind ohnehin gewohnt bin, zu schweigen oder mich zurückzuziehen, wenn mir Gesellschaft zu viel wird. Ich schwatze nur, wenn ich auch Lust dazu habe oder einen Sinn darin sehe. Daher war der schönste Moment der Schweigeerfahrung für mich auch eindeutig das Brechen des Schweigens: Wir sassen in einer stockdunklen Tropfsteinhöhle auf dem Boden, schalteten unsere Taschenlampen aus – eine solche Schwärze und eine solche Stille hatte ich noch nie erlebt – meditierten ein paar Minuten und liessen dann ein „Om“ ertönen. Auch wenn das Schweigen selbst nichts für mich war, nehme ich doch gerne mit, was uns zum Ende des Schweigens ans Herz gelegt wurde: „Überlegt euch immer wieder bevor ihr etwas sagt: Ist es wahr? Ist es nötig? Und kann ich es auf nette Weise sagen?“

IMG_0134

Unser schwimmendes Dorf im Dschungel.

Das thailändische Neujahrsfest – Sawadi Sonkrang!

Die Thailänder begrüßen ihr neues Jahr mitten im April. Da wir ja im Dschungel „in the middle of nowhere“ waren, dachte ich schon, dass ich davon wohl gar nichts mitkriegen würde – aber glücklicherweise, hat uns die thailändische Crew voll in ihre Feierlichkeiten mit einbezogen. Es gab Geschenke (ein Holzwürfel, um die Akupunkturpunkte der Hand zu massieren), wir wurden angemalt mit einer wohlriechenden Kräuterpaste und natürlich das allerwichtigste: nassgespritzt. Also zuerst. Dann mit Wasser übergossen. Dann ins Wasser geschmissen. Dazu hat eine der Thailänderinnen gesungen und mit den Handgelenken und Hüften gekreist. Es war so schön mit anzusehen, wie plötzlich Crew und Urlauber jegliche Scheu voreinander verloren und miteinander blödelten. Zudem hat es mir unfassbar gut getan, dass Jahr einfach noch einmal neu zu beginnen, nachdem meines so schrecklich angefangen hatte. Und damit kommen wir auch gleich zum nächsten Punkt…

Den Schmerz loslassen

Zuhause habe ich mich oft gefragt, wie das funktionieren soll: Die Trauer um meine verlorene Hündin Cita zuzulassen und gleichzeitig den Schmerz loszulassen. Eine liebe Freundin hatte mir gesagt, dass der Schmerz automatisch geht, wenn man sich ihm neugierig zuwendet. Das sagt sich so leicht. Zuhause muss man ja auch funktionieren. Und nach wochenlangem Weinen verliert auch das Umfeld langsam aber sicher die Geduld und man verdrängt den Schmerz eben doch – es ist ja auch entspannender hart zu arbeiten als die ganze Zeit zu weinen – ganz ehrlich! Im Dschungel aber war es weder möglich noch nötig irgendwas zurückzuhalten. Schon bei den ersten Yogastunden sind die Tränen einfach still gekullert. Später dann habe ich viele schöne Gespräche geführt mit meinen Mityogis und den zwei Yogalehrerinnen. Besonders „meine“ mitgereiste Lehrerin war einfach großartig. Sie wusste was passiert war und hat sich Zeit für kleine Privatsessions mit mir genommen. Sie hat mir gezeigt, wo die traumatische Erfahrungen im Körper oft festsitzen (im Psoas nämlich) und wie man mit Hilfe von Zitterübungen auch die psychische Heilung unterstützen kann. Das alles – und auch die Zeit, die ich mir wieder und wieder zum Weinen und zum Aufschreiben meiner Trauer genommen habe – haben mir so unfassbar gut getan. Meine ganze Körperhaltung hat sich verändert. Meine Schultern waren nach vorne gekippt – „logisch, du versuchst dein Herz zu schützen“ – und andere körperliche Macken haben sich ebenfalls verstärkt. Tatsächlich stand ich nach einer Woche ganz anders da. Und es macht so viel aus, WIE man durchs Leben geht! Am letzten Tag dann, habe ich noch einmal angefangen zu weinen, weil wir kleine Kokosschiffchen mit Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen basteln sollten. Diese haben wir dann nachts – wieder unter thailändischem Gesang – aufs Wasser gleiten lassen. Als Zeichen für alles, was wir da lassen wollten. Für mich ein erneutes Abschiedritual. Nur diesmal habe ich mich nicht von meiner Cita – sondern von meinem Schmerz und meinen Schuldgefühlen verabschiedet.

IMG_0326

Was möchtet ihr hier lassen? Was nehmt ihr mit von dieser Woche?

Yin-Yoga

Zu guter Letzt habe ich auch noch einen Yogastil kennen gelernt, der für mich neu war und mir gezeigt hat, dass Yoga wirklich nicht immer sportlich sein muss. Meistens war es das nämlich auch im Retreat so. Aber 3,5 Stunden Yoga pro Tag ermüden auch, und so haben wir uns eines Abends eine 2-stündige Yin-Yoga-Session gegönnt. Dabei hält man jede Pose mehrere Minuten und die Posen sind meist nicht kraftvoll, sondern dehnend oder entspannend und nah am Boden. Überhaupt habe ich immer wieder gespürt, wie wichtig der Boden für mich ist. Denn nur, wer richtig geerdet ist, kann auch wieder gen Himmel wachsen.

Ich bin unglaublich dankbar, dass ich all dies genau jetzt erfahren durfte. Und Yoga nimmt nun noch einen viel wichtigeren Teil in meinem Leben ein, weil ich genau gespürt habe, wie richtig es für mich ist. Ich bin gespannt, wohin mich diese Reise führt.

Danke, Cita <3

IMG_6843Wenn Dinge zu Ende gehen, denken wir an ihren Anfang. Vielleicht ist das so, weil wir mit Anfängen besser umgehen können, als mit Dingen die enden. Besonders, wenn es wundervolle Dinge sind und das Ende viel zu früh kommt.

Seit du am vergangenen Freitag unsere Welt verlassen hast, meine Cita, muss ich jedenfalls ständig an die ersten Tage denken. An diesen Bildern halte ich mich fest. Ich hoffe, dass sie bleiben. Und dass sie die Bilder von deinem Unfall ersetzen werden. Irgendwann. Denn ich möchte dich als liebendes Eisbärchen in Erinnerung behalten.

Mein erstes Bild ist eines vom Juni vergangenen Jahres, als wir die Züchterin besuchten, um dich kennen zu lernen. Ich versuchte, nicht zu emotional zu werden. Mich nicht schon vor Ort zu entscheiden und zu verlieben, weil ich ja ach so vernünftig sein wollte. Erst im Anschluss sachliche Gespräche mit dem Mann führen. Wir das Für und Wider einer Bauchentscheidung besprechen. Was für ein absurder Gedanke eigentlich. Waren wir doch schon einmal so weit gekommen und saßen hier: streichelten dich! Und ich lies den Gedanken deshalb auch in dem Moment los, als ich dich, liebe Cita, von meinem Schoß auf den des Mannes setzte, und du ihn ganz vorsichtig beschnuppert hast – mit einem Blick der ihn direkt ins Herz traf. “ Oh. Du bist ja aber eine Charmeurin“, sagte er. Und irgendwie war es dann klar.

IMG_6791

Short dog, long hair.

Auf dem zweiten Bild in meiner Erinnerung sitzt du auf meinem Schoß. Und zwar auf der Rückbank in unserem Auto. Zuhause warten allein fünf Fressnäpfe, unzählige Spielsachen, flauschige Körbchen und Decken auf dich. Ganz ehrlich Cita: Du hast ausgesehen wie der typische Omahund, als wir dich holten. Das fast 30 Zentimeter lange Fell überall. Die Körperhaltung aufrecht und stolz wie bei einer Zuchtschau und dann diese fürchterliche rote Schleife, die dir die Haare aus der Stirn hielt. Aber das habe ich alles nicht gesehen. Bei mir kam nur an, dass du mich die ganze Fahrt über beobachtet – mit deinen riesigen dunklen Knopfaugen. Die kleine Zunge hing aus deinem Mund: Stresshecheln. Unter meine Vorfreude mischte sich ein schlechtes Gewissen, dass ich dich mit knapp über einem Jahr aus deinem Rudel herausnahm. Aber dort gab es für eine Hündin mit großem Charakter und kleinem Schönheitsfehler keinen Platz mehr. Und ich hatte so lange auf dich gewartet und gehofft. Ich habe dich ununterbrochen gestreichelt und mir selbst geschworen, dir zu zeigen, wie aufregend ein Hundeleben auch ausserhalb des Rudels sein kann. Mit dir alles zu entdecken. Dabei habe ich damals noch nicht einmal geahnt, wie wenig du bisher von der Welt gesehen hast. Dass du die Küche für deine Toilette und den Garten für den Rest der Welt gehalten hattest. Weißt du noch, als du das erste Mal eine Fährte aufnehmen konntest? Schnuppern und laufen, ohne dir dabei selbst auf das Fell zu treten? Von da an hast du dein Näschen fast gar nicht mehr von Boden entfernt. Ich hoffe, du würdest mir zustimmen, dass das den stressigen Friseurbesuch wert war.

Ja, wir haben deine Welt auf den Kopf gestellt – und ich bin so dankbar und glücklich, dass du mich von Anfang an zu deinem Anker, deiner Sicherheit in dieser neuen Welt gewählt hast. Und glaub uns: Du hast unser Leben kaum weniger verkehrt. Am Anfang haben wir kaum zu sprechen gewagt, weil wir nicht zu laut sein wollten. Wir lauschten stattdessen auf das Trappeln deiner Pfoten und flüsterten: „Wo ist sie jetzt?“ Dass du so unsicher warst, selbst vor dem Geräusch eines Rolladens zurückgezuckt bist, hat auch uns verunsichert. Besonders der Mann hat darunter gelitten, dass du ihn so beängstigend groß fandest, dass du sogar meintest, mich vor ihm beschützen zu müssen. Wir wollten so sehr alles richtig machen für dich! Das hat mich zu Beginn fast gelähmt. Ich erinnere mich an den leicht amüsierten Blick der Hundetrainerin, als sie uns das erste Mal erlebte und sich unsere Sorgen anhörte: Laufstreik. Alle vier Pfoten bremsend ausgestellt.  „Ja, woher soll sie sich auch sicher sein, dass sie mit euch mitkommen kann, wenn ihr da selber gar nicht so sicher seid?“, sagte sie. Wie recht sie hatte. Und die Arbeit begann.

Das verschlagene "das Sofa gehört nur mir"-Gesicht

Das verschlagene „das Sofa gehört nur mir“-Gesicht

Eigentlich hatte ich ja gedacht, dass wir nun dir etwas beibringen würden. Aber Cita, die Wahrheit ist: Du warst unsere Lehrerin. Du hast uns gezeigt, dass man nur mit Geduld und nur, wenn man selbst daran glaubt, etwas erreicht. Dass ruhig und souverän zu sein soviel mehr bringt, als  aufgeregt und laut. Du hast uns beigebracht, dass jeder Morgen, an dem man sich wieder sieht, ein Grund zur Freude ist. Und dass nichts – absolut gar nichts – ein Problem ist, so lange man nur in der Nähe der Liebsten ist. Wenn ich bei der Arbeit kurz vor dem durchdrehen war, habe ich zu dir geschaut und deine kleine Palme hat sofort rhythmisch hin- und herzuwedeln begonnen. So lange das so war, was sollte mir da passieren? Ich hatte  im Vorfeld große Angst davor, Verantwortung zu übernehmen. Doch kaum warst du da und hast mich gebraucht, war es für mich das Selbstverständlichste der Welt, für dich zu sorgen. Deine Bedürfnisse über meine zu stellen. Ich war stolz darauf. Ich war deine Mama. Das war eine neue Seite an mir und ich danke dir, dass ich sie durch dich kennen lernen durfte.

Und auch wenn du es gar nicht gerne gesehen hast, wenn der Mann und ich uns geküsst oder gestreichelt haben – und in diesem Moment weniger Aufmerksamkeit für dich hatten – hast du auch den Mann und mich sehr viel näher zusammengebracht. Du hast mir Seiten an ihm gezeigt, die ich immer vermutet hatte. Wenn er, der große Mann, sich stundenlang zu dir herunter auf den Boden kniete, um dir mühsam mit dem Klicker eine Rechtsrolle beizubringen. Wenn du ihm stundenlang spielerisch in die Hand beissen durftest, bis dort kleine blaue Flecken entstanden. Wenn er heim kam und ihr BEIDE wie Teenager gequiekt habt vor Wiedersehensfreude. Ja, dann habe ich ihn noch mehr geliebt als je zuvor. Weil wir dich gemeinsam so sehr liebten.

Foto 05.09.14 15 13 49

Die schönsten Momente waren die, in denen wir beide gelächelt haben.

Cita, habe ich dir das oft genug gesagt? Aus Menschensicht, habe ich es vermutlich häufiger gesagt, als es die meisten für normal oder gesund halten würden. Aber was wissen schon Menschen. Du hast mir mit jedem Blick gesagt, dass du mich liebst. Und ich habe versucht, es so gut ich hinterher kam, zu beantworten. Ich bin sehr froh, dass ich es auch letzten Freitag, bei unserem morgendlichen Wachknuddelritual gesagt habe. Auch so etwas, was mir unglaublich fehlt. Und ein Bild, das ich behalten möchte: Ich schlürfe verschlafen aufs Sofa, um dort mit voller 3-Kilo-Wucht angesprungen zu werden, weil du schon so so lange neben dem Bett darauf gewartet hattest, dass ich endlich die Augen aufschlage, dich ansehe, kuscheln komme.

Das Bild, das ich aus deinen letzten Lebenswochen mitnehme, ist ein ganz anderes. Eine andere Cita. Und das nicht nur, weil du ein Schneenäschen warst. So heißen – auch das habe ich neu gelernt – Hunde deren Nase im Winter heller ist als im Sommer. Von deiner anfänglichen Unsicherheit war keine Spur mehr zu sehen. Ja, du bist uns ziemlich auf der Nase herumgetanzt – verzeih, wenn ich das so deutlich sagen muss. Auch hier denke ich wieder an unsere Hundetrainerin, die mir prophezeite, dass es bis zu einem halben Jahr dauern kann, bis der Hund wirklich angekommen ist, und man seinen wahren Charakter sieht. Dein wahrer Charakter war wild. Verspielt wie ein Welpe. Übermütig und selbstsicher. Auch weil du überzeugt davon warst, dass wir schon auf dich aufpassen würdest. Du hast riesengroße Hunde herausgefordert, um dich dann schnell hinter meinen Beinen zu verstecken. Wir waren so gespannt auf die kommenden Monate und hatten so große Lust darauf, mit dir zu arbeiten. Ich will dich nicht anlügen: Wir wären wohl strenger mit dir geworden. Aber nie böse – da kannst du dir sicher sein! Jetzt, da du auch Sprungkraft und Ausdauer aufgebaut hattest, wollten wir endlich lange Touren mit dir machen.  Und wir hatten schon überlegt, wie wir dich zum Rheinschwimmen überreden würden – natürlich mit Babyschlauchboot im Schlepptau, falls du müde werden würdest.

Foto 15.01.15 16 12 56Am letzten Freitag habe ich unterschätzt, wie unberechenbar deine Bewegungen und Ideen geworden sind. Ich hatte zu sehr die alte Cita im Kopf, die tapfer Würstchen und duftendes Futter ignorierte, nur um brav neben mir herzulaufen und mich anzusehen. Es tut mir so leid Cita. Ich höre wieder und wieder, dass es keine Schuld gibt, und dass dein Tod vielleicht einen höheren Zweck hatte. Aber welchen Zweck soll es gehabt haben, dir dein junges Leben zu entreissen und uns einander? Hat mich jemand gefragt, ob ich bereit bin, diesen Preis zu zahlen? Egal für was? Oder dich?

Jetzt weine ich schon wieder – und das wollte ich eigentlich nicht. Ich wollte, über die schönen Bilder sprechen, die mir bleiben. Und deshalb schließe ich jetzt. Und zwar damit, wie oft du mich zum Lachen gebracht hast. Hundebesitzer kennen das vielleicht: Man steht auf einer Wiese und lacht schallend über die neueste Idee des kleinen Begleiters. Und Spaziergänger laufen vorbei, gehen langsamer, weil sie wissen möchten, was so witzig ist. Sie entdecken aber nichts, was sie auch nur im geringsten komsich finden, und laufen schließlich kopfschüttelnd weiter. Zuletzt ist mir das mit dir vor zwei Wochen passiert. Du warst mit deiner Pfote aus deinem Mäntelchen geschlüpft und ich beschloss, es dir ganz auszuziehen, da es draussen viel wärmer war, als ich vermutet hatte. Doch kaum hatte ich dir den Mantel, der noch an der Flexileine hing, über den Kopf gezogen, hast du danach geschnappt. Und gezerrt wie ein Großer! Bis zum Leinenstopp. Dann rutschte dir der Mantel aus den Zähnen und surrte an der Leine zurück zu mir. Was für ein Spaß! Hinterhergejagt, zugepackt, rausgezerrt, weggesurrt – so ging das bestimmt zehn Minuten. Was ein tolles Spiel, was für eine Show, für ein Hündchen, das bisher weder apportieren noch jagen wollte!

IMG_20150215_142620Meine Cita. Auch kleine Hunde hinterlassen eine große Leere. Aber du hinterlässt so viel mehr. Ich danke dir für jeden Moment. Du wirst für immer in meinem Herzen sein. Mein Stinkerchen, mein Eisbärchen, mein Baby.

Zuhören – oder lachen

Neulich an der Coop-Kasse:

Ich packe eilig meine Mittagessenutensilien in meine Tasche und sehe aus dem Augenwinkel, wie die Kassiererin den Kassenzettel abreisst, um ihn mir zu reichen.

„Danke, brauche ich nicht“, erwidere ich.

Dann hebe ich den Kopf und sehe, wie mich zwei Augen verunsichert und etwas ungläubig anblicken.

Was war schief gegangen?

Nunja, die Kassiererin hatte ihre übliche Reihenfolge unterbrochen und mich eben nicht gefragt, ob ich die Quittung brauche, sondern mir einen „wunderschönen Tag“ gewünscht.

Mein „Danke, brauche ich nicht“ kam da vielleicht ein klitzekleines Bisschen schroff rüber. Oder aber die Kassiererin war schlicht neidisch auf jemanden wie mich, der gute Wünsche gar nicht nötig hat, weil er auch so gute Tage hat.

Jedenfalls habe ich nun immer etwas zu lachen, wenn ich an diese Situation denken muss. Und dadurch wird tatsächlich jeder Tag ein bisschen besser.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderschönen Tag!

Jahresrückblick 2014

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war dein Jahr?
Eine 7. Ja, die hat das Jahr schon noch verdient. Trotz beruflicher Wirren und eines wirklich miserablen Sommers mit nur einem einzigen Schwum im Rhein.

2. Zugenommen oder abgenommen?
Ich meide rund um den Jahreswechsel die Waage aber vermutlich hat sich nicht viel verändert.

3. Haare länger oder kürzer?
Kürzer – seit ein paar Wochen endlich wieder. Kommentar meines Dads: „Ach, du hast die Haare kurz, lässt du grad wachsen, oder?“ Nein, tu ich nicht. Ich fühl mich wohl so. Das bin mehr ich.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Alles beim Alten: -0,75

5. Mehr Kohle oder weniger?
Im Jahresschnitt ein bisschen mehr, im Moment ein bisschen weniger als letzten Dezember

6. Besseren Job oder schlechteren?
Ein Job hat sich verschlechtert, zum Ausgleich habe ich einfach einen zweiten angenommen 😉

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr. Schuld sind Hund und Hunderquipment (siehe Punkt 14)

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn ja, was?
Nur Erfahrung – davon aber eine ganze Menge.

9. Mehr bewegt oder weniger?
Leider viel weniger. Muss mich dringend wieder mehr um meinen Körper kümmern – großer Vorsatz für 2015 zumindest wieder wenigstens einmal die Woche ins Yoga zu gehen.

10. Anzahl der Erkrankungen in diesem Jahr?
Auch das waren wieder mehr als letztes Jahr, leider. Genaue Anzahl kann ich gar nicht sagen. Viele Erkältungen und oft einfach erschöpfte Phasen. Und momentan eine ganz fiese Schuppenflechte 😦

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Im Sommer hatte ich nach Zeckenbissen Fieber und nach einer FSME-Impfung hat es mich dann erst richtig umgehauen. Schlimm fand ich, dass kein Arzt meine Angst ernst genommen und mit mir mal richtig über Borreliose gesprochen hätte. Aber vermutlich war es wohl nur eine Mischung aus Infekt und Unverträglichkeit der Impfung gegenüber. Großer Mist – als Hundebesitzerin sollte ich ja eigentlich die 2. und 3. FSME-Impfung auch noch holen. Aber jetzt fürchte ich mich…

12. Der hirnrissigste Plan?
Per Fernbus nach Leipzig, um dort für die Buchmesse mit 6 mir nur aus dem Internet bekannten Menschen in einer Pension zu wohnen. Aber wie das so oft mit hinrissigen Plänen ist: Sie führen zu den tollsten Erlebnissen.

13. Die gefährlichste Unternehmung?
Zuerst bin ich auf einem aktiven Vulkan spazieren gegangen. Der Etna hat ganz schön gebrodelt und gerülpst, aber am meisten Angst hatte ich davor, dass mich der Wind von der Kante pustet. Einige Tage später haben wir am Fuße der noch viel aktiveren Vulkaninsel Stromboli im schwarzen Vulkansand gelegen. Erst am Abend vom Schiff aus haben wir gesehen, dass dieser sogar Lava spuckte. Ein seltener Anblick, für den ich sehr dankbar bin – aber bei dem mir auch etwas mulmig zumute war.

14. Die teuerste Anschaffung?
Meine Malteserhündin Cita – und ihr ganzes Zubehör. So ist das eben, wenn man sich ein reinrassiges Hündlein mit Papieren zulegt. Eigentlich war das auch gar nicht meine Absicht. Aber ich habe mich eben in die Rasse mit ihrem pflegeleichten und freundlichen Wesen verliebt, und konnte nur wenig Risiko eingehen, einen Hund mit schlimmer Vorgeschichte zu bekommen. Immerhin pendelt Cita mit mir ins Büro. Und dann bin ich erschrocken, was einem so alles angeboten wird, wenn man aktiv einen Hund sucht – zum Beispiel Welpen, die aus dem Auto heraus verkauft werden . Deshalb habe ich mich letztendlich für den Weg zum eingetragenen Züchter entschieden, und lebe nun mit einer kleinen Adeligen, deren Vergangenheit und Vorfahren ich kenne.

15. Das leckerste Essen?
Ich hatte die weltbeste Pizza in einem kleinen Ort auf Sizilien – hauchdünner Boden, Büffelmozzarella, verschiedene Sorten frisches Gemüse und bestes Olivenöl. Es war ein kühler Abend und eigentlich lag das Restaurant nur zufällig auf unserem Heimweg an der Straße. Aber Himmel, diese Pizza!!! Überhaupt isst man auf Sizilien fantastisch – so viele Einflüsse von Küchen aus allen Himmelrichtungen. Und das Gelati schlotzt man nicht, man beisst rein, weil es in einem Brioche – also einem Hefeteigbrötchen trohnt.

16. Das beeindruckendste Buch?
Der Circle von Dave Eggers – bekam ich überraschend zu Weihnachten, nachdem ich schon 100mal gedacht habe, ich müsste das lesen und immer wieder Menschen zu mir sagten: Genau du musst das lesen! In einem Rutsch verschlungen. Großartig!

17. Der ergreifendste Film?
Ich habe sehr wenige Filme gesehen dieses Jahr. Aber bei „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ habe ich fast so viel geweint wie bei der Romanvorlage.

18. Die beste CD?
Muss ich aussetzen – es gab dieses Jahr keine CD für mich. Nicht einmal als Download. Erst neulich hat mich wieder jemand gefragt, was ich gerne für Musik höre, aber ich höre irgendwie gar keine Musik. Also außer… siehe nächste Frage.

19. Das schönste Konzert?
Ich war auf zwei Backstreet Boys Konzerten in Zürich – das erste war genial, weil ich im Fangraben direkt vor der Bühne und hinterher auf der After-Show-Party mit Meet and Greet war. Das zweite war absolut fantastisch, weil es ein Open Air im Sonnenuntergang mit nur einem ganz kleinen Publikum war – perfekte Wohnzimmeratmosphäre!

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Ich gebe zu: Sorgen. Zum Teil sind die Dinge dann auch so eingetreten, wie befürchtet, aber die Sorgerei im Vornherein ist eigentlich völlig unnötig und belastet nur. Wissen tu ich das – theoretisch.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Meiner kleinen neuen Familie. Es gibt für mich nichts schöneres, als Mann und Hund beim Spielen zuzusehen! Oder stundenlang mit ihnen auf dem Sofa zu kuscheln.

22. 2014 zum ersten Mal gemacht?
Auch in diesem Jahr wieder: eine ganze Menge!
An einem Volkslauf teilgenommen: 10 Kilometer in 66 Minuten 🙂
Mir einen Hund zugelegt
Eine Buchmesse besucht
Gefastet – also drei Tage ganz ohne Nahrung
Einen Vulkan bestiegen
Canoli Ricotta gegessen
Ein Sachbuchkapitel verfasst
Einem Hund das Fell geschnitten
An einer Auftragsforschung mitgearbeitet

23. 2014 nach langer Zeit mal wieder gemacht?
Skigefahren. Und einen Strampelanzug angezogen. Also das erste Mal einen für Erwachsene. Fleece-Flausch von funzee.de – jetzt besteht die Gefahr, dass ich den nie wieder ausziehe.

24. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Krankheiten
Die weltbeste Chefin und den Lieblingskollegen zu verlieren
Auf den Mann zu warten, während er in Vollnarkose an der Schulter operiert wurde

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Dass ich Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen kann. Erst hab ich alle anderen überzeugt – und dann musste ich wieder bei mir selbst anfangen. Aber wenn man es dann macht, ist es eigentlich das Selbstverständlichste der Welt

26. Das schönste Geschenk, dass ich jemandem gemacht habe?
Skifahren mit dem Papa – hätte nicht gedacht, dass er sich soooo sehr freut, wenn ich mit ihm auf die Piste gehe.

27. Das schönste Geschenk, dass mir jemand gemacht hat?
Das war ich dieses Jahr selber: absolute Wunscherfüllung mit Cita.

28. Der schönste Satz, den jemand zu dir gesagt hat?
„Ich möchte, dass Sie für mich arbeiten – ich mag Ihre pragmatische Art.“

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
„Danke, dass du mich immer so sehr unterstützt!“

30. Dein Wort des Jahres?
Hund

31. Dein Unwort des Jahres?
Natter

32. Deine Lieblingsblogs des Jahres?
Die Möwen vom Schreibwahnsinn lese ich sehr gerne. Spannend für alle, die sich fürs Schreiben interessieren.

33. Zum Vergleich: Verlinke dein Stöckchen vom vorigen Jahr!
Rückblick 2013

Hundeerziehung ist, wenn die Nachbarn nicht mehr mit dir reden

Große Liebe

Große Liebe

Ende August ist mein größter Wunsch in Erfüllung gegangen und Cita trat in mein Leben. Seither gibt es viele durchflauschte Stunden, sehr viel Glück, aber natürlich auch stressige Momente und Unsicherheiten. Wie das eben so ist, wenn man für ein anderes Lebewesen Verantwortung übernimmt und alles unbedingt richtig machen will.

Das fängt schon bei der Erziehung an. Da ich keine Hundeerfahrung und auch keinen Kontakt zu anderen Herrchen und Frauchen in meiner Stadt hatte, habe ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen und eine Hundetrainerin ausgewählt, die sehr gut zu mir passt. Die Wellenlänge stimmt und sie beobachtet mich und Cita liebevoll und streng.

Eine Regel, die sie mir auf den Weg gab, war den Kontakt mit anderen Hunden an der Leine erst einmal zu meiden. Weil Cita dazu tendiert, sich  machomäßig aufzuführen – besonders den Hunden gegenüber, die etwa 5 mal so groß sind wie sie. Ich war schockiert, als ich das hörte. Nicht einmal schnuppern sollte sie dürfen? Gar nie nicht? „Jetzt zieh das einfach mal vier Wochen durch – dann kann es schon ganz anders aussehen“, meinte meine Trainerin. Und Google sei Dank, wusste ich auch schon bald, dass die „kein Kontakt an der Leine“-Regel viele gute Gründe hat. Dass die Körpersprache der Hunde eingeschränkt ist und daher die Kommunikation mit anderen nicht funktioniert zum Beispiel. (Mehr dazu steht hier.)

Guten Mutes beschloss ich die Regel umzusetzen und erklärte auch meinen Nachbarn, deren Hunde bisher ausgiebig an Cita schnüffeln durften, dass das jetzt erstmal ein Ende habe. Aber sie könnten gerne mit mir die paar Meter zum Feld mitkommen, wo unsere Hunde gemeinsam frei herumspringen und spielen dürfen. Ich redete mir den Mund fusselig, als ich ihre enttäuschten Gesichter sah.

„Aber mein Hund tut doch nix!“

„Ja, aber MEINER zickt.“

„Ach, macht meinem nichts aus.“

„Das mag sein – aber sie gewöhnt es sich an und dem nächsten Hund macht es vielleicht schon etwas aus…“ Und so weiter und so fort.

Als ich den Hündeler-Nachbarn das nächste Mal begegnete, standen sie schon in einer Gruppe zusammen und tuschelten. Schließlich nahmen sie mich ins Gebet. „Also das ist doch neumodisch. Meine Schule macht das ja ganz anders.“

„Ich verstehe das ja, wenn das ihre Trainerin sagt, aber überlegen sie doch mal…“

Wieder ließ ich mich auf Diskussionen ein. Erst als eine Nachbarin meinte, ich würde meinen Hund „sozial isolieren“, nur weil ich auf Kontakt ohne Leine bestünde, wurde es mir zu bunt, und ich verdrückte mich mit einem kurzen „einen schönen Tag noch.“

Anschließend brummte ich nur noch „kein Kontakt an der Leine!“, wenn mir jemand entgegenkam. Manchmal war das aber auch gar nicht nötig, weil sich meine Schandtat herumgesprochen hatte und mir bisher fremde Menschen zu ihren Hunden sagten „nein, du darfst da nicht hin – der darf keinen Kontakt haben.“  Die besagten Nachbarn erwiderten keinen Gruß mehr und zogen auch in einer lokalen Tierfreunde-Gruppe auf Facebook über mich und meine Trainerin her.

Die vier Wochen sind jetzt  um und waren sehr wirksam, so dass ich Cita jetzt auch an der Leine wieder mit ausgesuchten Hunden schnüffeln und pfoteln lassen kann. Die Nachbarn haben davon natürlich nichts mitgekriegt – sie wechseln bei einer Begegnung noch immer die Straßenseite.